Kritischer Brief an Landesvater

Kabarettist Springer rechnet mit Seehofers CSU ab

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Christian Springer.

München - Kabarettist Christian Springer engagiert sich seit vielen Jahren mit seinem Verein Orienthelfer für geflüchtete Menschen. In einem kritischen Brief rechnet er mit der Politik von Horst Seehofer ab.

Horst Seehofer wird von Christian Springer scharf kritisiert.

Obergrenzen, Abschiebungen, Grenzkontrollen, Sach- statt Geldleistungen, Drittstaatenregelungen – wenn Kabarettist Christian Springer (50) Horst Seehofer (66) und seine CSU über Flüchtlingen reden hört, vermisst er Worte darüber, wie man den in Not geratenen Menschen helfen kann. Springer selbst engagiert sich seit 2011 mit seinem Verein Orienthelfer für aus dem Syrienkrieg geflüchtete Menschen. Jetzt hat er einen 31 Seiten langen Brief an Seehofer geschrieben, den er gestern persönlich an der Staatskanzlei abgab. Der Titel: „Landesvater, cool down!“

Und damit jeder den Brief nachlesen kann, gibt es ihn spätestens ab übermorgen für 7 Euro im Buchhandel. Es ist kein witzelndes Buch, sondern ein Schreiben, in dem Springer Seehofer dessen eigenen Worte entgegen hält und auch Franz Josef Strauß zu Wort kommen lässt. Und in dem er unbekannte Fakten der bayerische Kultur auftischt. Springer will damit die emotional aufgeheizte Debatte in sachliche Bahnen lenken. Hier ein paar Auszüge:

Irrtümer: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Horst Seehofer, was ist, wenn Sie sich irren? Was ist, wenn wir nicht am Ende unserer Kapazitäten sind, was ist, wenn es nur an guten Lösungen fehlt?, Es wäre nicht das erste Mal, dass Sie sich täuschen.“ Springer zitiert Seehofer, der einmal sagte: Wenn es jemals Viagra auf Krankenschein geben werde, ,dann erschieße ich mich.‘ Die blauen Pillen werden längst verschrieben. „Und zwar nicht an Notgeile sondern an Patienten, die krank sind.“

Springer schnippisch: "Was denken Sie über die Prügeleien über den neuen Thermomix?"

Schlägereien in Flüchtlingsheimen: „Menschen, die den Bombenkrieg knapp überlebt haben, das Mittelmeer, die Stacheldrähte, den Hunger, den Verlust aller Habe und denen wir 3,5 Quadratmeer zum Leben zuweisen. Ja da flippt man schon mal aus. Aber was denken Sie eigentlich über die Prügeleien unserer Landsleute im Aldi um den neuen Thermomix?“

Facebook: „Auf der CSU-Seite gibt es am 9. November einen Eintrag: ,Heute gab es eine Farbbeutelattacke auf das Bundeswehrbüro in Berlin. Wir finden das total daneben.‘ Im gleichen Zeitraum gab es seitdem 35 Brandanschläge und Übergriffe auf Flüchtlinge. Einträge dazu auf der CSU-Seite: Null.“

Kampf gegen den IS: „Der größte Feind der Syrer ist, war und bleibt: Assad.“ Auf sein Konto gingen mit Abstand die meisten Toten. „Doch die Weltgemeinschaft überlegt erneut, mit Assad zu reden und eine riesige Koalition gegen den IS zu bilden. Die Aussagen von Markus Söder spielen in die Hände der Terroristen. Ein deustch-libanesischer Freund sagte mir: ,Der IS braucht keinen Außenminister, die haben Markus Söder.“

Kritischer Brief zur Flüchtlingspolitik: Wie reagiert Seehofer?

Türkische Bierzelte: „Die Wiesn entstammt der königlichen Hochzeit von 1810. Auf den Abbildungen sieht man die Hochzeitsgesellschaft einziehen, geschützt durch eine riesiges Zelt, und oben auf den Stützen sind islamische Halbmonde befestigt. Dieses praktische Zelt war ein Beutestück aus dem Jahre 1683, als die Türken Wien belagerten. In dem Zelt wurde dann Bier ausgeschenkt. Als Landesvater erhalten Sie traditionsgemäß zur Eröffnung der Wiesn die erste Maß, In einem Türkenzelt!“

Franz Josef Strauß: Springer zitiert den Ex-Landesvater: „Wir als CSU mit unserer dem christlichen Sittengesetz verpflichteten Politik sahen es als selbstverständlich an, die Vertriebenen und Flüchtlinge bei uns in Bayern aufzunehmen.“

Man darf gespannt sein, ob und wie Seehofer auf den Brief reagiert.

J.Welte

Politik muss die Not erfahren

Pfarrer Rainer Maria Schießler (55)

Bei der Flüchtlingsfrage höre ich immer Begriffe wie Obergrenze, Kontingente das Boot ist voll usw. Ich höre aber nichts von Menschen. Christian Springer ist nah am Menschen und hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, dass er die Politik kritisiert und dass er sie a bisserl an der Nase nimmt und sagt: ,Schau mal nach was los ist und was du zu tun hast.‘ Ich war mit Christian Springer im Libanon unterwegs und kenne sein Engagement und seinen leidenschaftlichen Einsatz. Das hat nichts mit übersteigertem Helfersyndrom zu tun, da ist einfach jemand von der Not schockiert. Und das muss die Politik erfahren und sie soll dankbar sein dass sie von solchen Leuten kritisiert wird und zurecht gewiesen wird. Pfarrer Rainer Maria Schießler (55)

Nur Helfen ist jetzt wichtig

Ottfried Fischer.

Christian Springer gelingt es glaubhaft nachzuweisen, dass die da oben den Konflikt zwischen den hiesigen und den Flüchtlingen anheizen. Ich weigere mich, seitdem diese Asyldebatte läuft, in einem Wirtshaus eine Diskussion darüber zu führen. Es kommt nichts dabei raus bei diesen Diskussionen weil sie in einer falschen Emotionalität geführt werden. Da hört man, dass die Flüchtlinge bleiben sollen, wo sie sind. Und im schlimmsten Fall hätte man sie daheim zam bomben sollen, die darf man ned reinlassen. Man soll die Grenzen zu machen, egal was passiert. Aber keiner hat gefragt: ,Wie kriegt man die über den Winter, wie verhindern wir, dass die verhungern?’ Das ist die einzige Frage, die im Moment wichtig ist.

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