Debatte um Grenzbefestigungen

tz-Kommentar zur Flüchtlingskrise: Lösung à la Honecker

Die Diskussion um Grenzbefestigungen ist entfacht. Merkel-Kritiker werfen der Kanzlerin Naivität vor. Doch auch die Kritiker sind hilflos. Ein Kommentar.

Die Merkel-Kritiker werfen der Kanzlerin ja gerne vor, wie naiv ihre Flüchtlings-Politik sei. Die Debatte um Grenzbefestigungen entlarvt jedoch, wie hilf- und planlos auch die Kritiker selbst sind. Denn in der Tat gibt es nur eine Alternative zu Merkels Hoffnung, die Flüchtlingsflut über EU-Quoten in geordnete Bahnen zu lenken: Die totale Abschottung. 

Klaus Rimpel

Eigentlich muss man das Wörtchen „Zaun“ nur durch „Mauer“ ersetzen, um jeden Deutschen klar zu machen: Eine Grenzbefestigung, wie wir sie rund um die DDR hatten, kann nicht ernsthaft die Lösung des Flüchtlings-Problems sein. Da muss man gar nicht moralisch argumentieren: Für den Exportweltmeister Deutschland wäre ein solches Euro­pa voller Grenzen und Hürden wirtschaftlich fatal. Und praktisch umsetzbar wäre die Befestigung eines 3000 Kilometer langen Zauns auch nicht – außer wir würden zur Grenztruppen-Aufrüstung à la Ulbricht und Honecker greifen. 

Auch die Merkel-Kritiker, die schlau genug sind, das Un-Wort von der Grenzbefestigung zu vermeiden, haben keine Alternative. Markus Söder etwa, der sagt: „Die grüne Grenze muss endlich wieder sicherer werden – egal wie.“ Aber genau auf das „wie“ kommt es an! Die weitgehend wirkungslosen Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze sorgen zwar für stundenlange Wartezeiten, aber nicht für einen Rückgang der Flüchtlingszahlen. Den geplanten Transitzonen beziehungsweise Grenz-Haftanstalten werden Flüchtlinge ausweichen. 

Die bittere Wahrheit ist: Solange es Fluchtursachen gibt, wird keine Mauer Menschen in Not aufhalten können.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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