Fluggesellschaft EgyptAir stellt Betrieb ein

Kairo - Die Fluggesellschaft EgyptAir hat am Freitag für zwölf Stunden alle von Kairo ausgehenden Flüge ausgesetzt. Unterdessen rufen Politiker die ägyptische Regierung auf, auf Gewalt zu verzichten.

Zuvor hatte die Regierung nach den gewalttätigen Protesten für die Zeit zwischen 18.00 Uhr und 07.00 Uhr ein Ausgehverbot verhängt. Nach Angaben der Fluglinie können ankommende Flüge wie geplant landen, allerdings werde bis 09.00 Uhr am Samstag keine Maschine mehr starten. Auch eine Reihe von ausländischen Airlines habe Flüge in die ägyptische Hauptstadt auf den Morgen verschoben, teilte ein Mitarbeiter des Kairoer Flughafens mit.

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Das Auswärtige Amt in Berlin sieht die Entwicklung in Ägypten angesichts der eskalierenden Lage in Kairo und anderen Städten mit großer Sorge. Die Situation in den Touristenregionen an der Küste sei nach bisherigen Erkenntnissen jedoch weiterhin ruhig, teilte das Auswärtige Amt am Freitagabend mit. Die Reisehinweise insbesondere für die urbanen Zentren würden derzeit aktualisiert.

Nach den bislang schwersten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Ägypten haben am Freitag zahlreiche Politiker die ägyptische Regierung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos die ägyptische Regierung auf, friedliche Demonstrationen zuzulassen. Die Stabilität von Ägypten sei äußerst wichtig, aber nicht auf Kosten der freien Meinungsäußerung, sagte Merkel.

Blutige Proteste in Ägypten

Blutige Massenproteste in Ägypten

US-Präsident Barack Obama rief nach der Verschärfung der Lage in Ägypten sein nationales Sicherheitsteam zu einer Sondersitzung zusammen. An dem Treffen nahmen am Freitag unter anderem Vize-Präsident Joe Biden und Obamas Nationaler Sicherheitsberater Tom Donilon teil. Nach Angaben von Regierungsberatern waren im Laufe des Tages weitere Sitzungen geplant.

Zuvor hatte Obama in einem vom Videoportal YouTube übertragenen Interview politische und wirtschaftliche Reformen in Ägypten angemahnt. Er nannte das nordafrikanische Land einen wichtigen Verbündeten. Obama erklärte jedoch auch, die Demonstrationen gegen die ägyptische Regierung in den vergangenen Tagen zeigten die Unzufriedenheit der Bevölkerung. “Es ist ausgesprochen wichtig, dass die Menschen über die Möglichkeit verfügen, berechtigte Beschwerden zu äußern“, sagte Obama.

UN-Generalsekretär Ban kritisiert Internetzensur

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Internetzensur in Ägypten. Die ägyptische Regierung ließ in der Nacht zum Freitag praktisch alle Verbindungen ins Ausland kappen. Ban sagte, er habe die Vorkommnisse in Tunesien, Ägypten und Jemen verfolgt. “Ich glaube, eines der obersten Gebote der Demokratie sollte der Schutz der Redefreiheit der Bürger sein.“

US-Außenministerin Hillary Clinton appellierte an die ägyptischen Behörden, die Rechte der ägyptischen Bürger zu respektieren. Sie rief sowohl die ägyptische Regierung als auch die Demonstranten zur Ruhe auf. Die Regierung müsse jeglichen Vorwürfen der Brutalität durch Sicherheitskräfte gegen Demonstranten nachgehen, forderte Clinton. Die Behörden rief sie auf, den Zugang zum Internet wieder zu ermöglichen.

“Wir sind sehr besorgt über den Einsatz von Gewalt durch ägyptische Polizisten und Sicherheitskräfte gegen Demonstranten und rufen die ägyptische Regierung auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Sicherheitskräfte zurückzuhalten“, sagte Clinton. Sie appellierte auch an die Demonstranten, sich friedlich zu verhalten.

Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), kritisierte das gewaltsame Vorgehen der ägyptischen Polizei gegen Demonstranten. Er sprach am Freitag in Berlin von einem Schlag ins Gesicht für alle, die für Menschen- und Bürgerrechte in Ägypten eintreten. “Die Menschen in Ägypten nehmen ihr Recht auf Versammlungsfreiheit wahr.“

dapd

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