Früherer Asylbewerber wird Udes Integrationsexperte

+
Der ehemalige Asylbewerber Mahmoud Al-Khatib stellt sich am Montag auf einer Pressekonferenz in München als ein weiteres Mitglied des Beraterteams des bayerischen SPD-Spitzenkandidaten, Christian Ude, für die Landtagswahl, vor.

München - In der bayerischen Landespolitik war Mahmoud Al-Khatib bislang ein Unbekannter. Das wird sich nun ändern, denn SPD-Spitzenkandidat Ude macht den früheren Asylbewerber zu seinem Fachmann für Integration.

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude hat einen libanesischen Asylbewerber mit Vorzeigekarriere in Deutschland als Integrationsexperten für sein Wahlkampfteam angeheuert. Der 1974 geborene Mahmoud Al-Khatib verbrachte als Kind acht Jahre mit seiner Familie in einer Asylbewerberunterkunft, wurde dann Wirtschaftsanwalt und ist heute Personalchef der Regensburger Universität.

„Ein richtiger Glücksfall für die Bayern-SPD“, sagte Ude am Montag bei der offiziellen Vorstellung Al-Khatibs in München. Abgesehen von seinen Aktivitäten in Udes Wahlkampfteam nimmt es Al-Khatib auch direkt mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf: Er wird im neuen Landtagsstimmkreis Neuburg-Schrobenhausen Seehofers Gegenkandidat.

„Einen hochkarätigeren Experten, der es selbst am Leib erfahren hat, was Asylbewerber-Dasein in Bayern bedeutet“, kann es gar nicht geben“, sagte Ude. In der Landespolitik ist Al-Khatib ein unbeschriebenes Blatt - auch Ude selbst kannte ihn früher nicht, wie der Münchner OB freimütig einräumte: „Da ging es mir wie Ihnen, der Name sagte mir zunächst nichts.“ Der Vorschlag sei von SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen gekommen.

"Prinz"-Liste: Die wichtigsten Münchner

"Prinz"-Liste: Die wichtigsten Münchner

Al-Khatib forderte weitreichende Änderungen in der Asylpolitik und warf den Behörden vor, bislang die Menschenwürde nicht immer an die oberste Stelle zu setzen. Zu seiner eigenen Familie sei in einer Ausländerbehörde gesagt worden: „Ihr Pack gehört abgeschoben, ihr gehört in den Ofen.“

Al-Khatib forderte die Aufhebung des Arbeitsverbots, das für Asylbewerber in den ersten Monaten gilt, die Abschaffung der Pflichtunterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft, und die Abschaffung der Essenspakete. Das in Bayern geltende Sachleistungsprinzip, demzufolge Asylbewerber für Lebensmittel kein Geld erhalten, sondern Lebensmittelpakete, sei ohnehin zu teuer. „Bayern hat mit Abstand die höchsten Ausgaben pro Kopf“, sagte Al-Khatib. Außerdem plädierte der neue SPD-Integrationsexperte dafür, allen Zuwanderern einschließlich der Asylbewerber vom ersten Tag in Deutschland an Sprachkurse anzubieten.

Im öffentlichen Dienst sollten seiner Meinung nach zudem mehr Einwanderer eingestellt werden. „Sie finden kaum Migranten im öffentlichen Dienst. Das führt dazu, dass viele Migranten Angst haben vor Behörden.“ Die bisher auf mehrere Ministerien verteilte Zuständigkeit für die Integration solle in einem Ressort gebündelt werden.

dpa

auch interessant

Meistgelesen

Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Verfassungsgericht hat entschieden: NPD wird nicht verboten
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 
Wegen Verleumdung: Mutmaßliches Opfer verklagt Donald Trump 

Kommentare