Führender Oppositioneller in Weißrussland vermisst

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Ein oppositioneller Demonstrant bei dem Versuch, ein Regierungsgebäude zu stürmen.

Minsk - Der bei den heftigen Protesten gegen die Präsidentschaftswahl in Weißrussland verletzte führende Oppositionskandidat Wladimir Nekljajew ist angeblich gewaltsam aus einem Krankenhaus gebracht worden.

Unbekannt in Zivil hätten ihn nach Angaben von Aktivisten in einer Decke seines Krankenhausbettes weggetragen. Seine schreiende Frau sei in einen Nachbarraum gesperrt worden, sagten die Aktivisten. Wo sich Nekljajew derzeit aufhält, ist nicht bekannt.

Seine Frau hatte zuvor berichtet, dass Bereitschaftspolizisten den Politiker gezielt angegriffen hatten. Dieser habe einen Marsch Hunderter Anhänger angeführt, der von der Polizei gewaltsam gestoppt worden sei. Ihr Mann sei am linken Auge verletzt worden, seine Nase habe geblutet und er habe über Übelkeit geklagt, sagte Olga Nekljajewa. Außerdem habe Nekljajew nicht sprechen können, er sei von einer Ambulanz ins Krankenhaus gebracht worden. Zwei weitere Kandidaten waren ebenfalls bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt und festgenommen worden.

Größte Kundgebung von Oppositionellen seit 1996

Nach der Präsidentschaftswahl war es am Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und wütenden Regierungsgegnern im Zentrum von Minsk gekommen. Bis zu 40.000 Demonstranten warfen dem autokratisch regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko Wahlbetrug vor. Einige Teilnehmer der Kundgebung versuchten erfolglos, ein Regierungsgebäude zu stürmen, in dem sich die Wahlkommission aufhielt. Am Abend kreisten Polizisten rund 2.000 verbliebene Demonstranten auf dem Unabhängigkeits-Platz ein.

Es war die größte Kundgebung von Oppositionellen seit 1996. Nach Schließung der Wahllokale hatten sie sich trotz der Androhung von Gewalt bei Minusgraden auf dem zentral gelegenen Oktober Platz versammelt. Dort waren bereits nach der manipulierten Präsidentenwahl vor viereinhalb Jahren weißrussische Oppositionelle auf die Barrikaden gegangen. Fünf Tage lang harrten sie damals in ihren Zelten aus, bevor die Staatsmacht die Proteste gewaltsam auflöste und die Demonstranten festnahm. Dieses Jahr hatten die Behörden fast das gesamte Areal geflutet und in eine Eisbahn verwandelt, aus Lautsprechern dröhnte Popmusik.

dapd

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