"Führungskräfte müssen Partei ein Gesicht geben"

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Stefan Körner

München - Die tz sprach mit Stefan Körner, Chef der Piratenpartei in Bayern, über den Bundesparteitag in Neumünster und die Entwicklung der Piraten.

 

Herr Körner, wie war’s in Neumünster?

Stefan Körner, Chef der Piratenpartei in Bayern: Ich bin zufrieden! Wir haben die zwei bisherigen Führungskräfte im Grunde bestätigt – nur dass sie das Amt getauscht haben. Und wir haben eine Reihe von Anträgen, die ich kritisch gesehen habe, abgelehnt.

Um was für Anträge ging es da?

Körner: Etwa um die Verlängerung der Amtszeiten. Viele von uns sind doch gerade deshalb zu den Piraten gekommen, weil wir nicht nur alle vier Jahre irgendwo ein Kreuz machen wollten und ansonsten nichts zu sagen hatten.

Welche Rolle sollen die Führungskräfte übernehmen?

Körner: Es wäre blau­äugig, zu glauben, dass die Führungskräfte keine Bedeutung für die Partei haben. Sie geben der Partei ein Gesicht.

Die bisherigen Führungskräfte wie Marina Weisband wirken erleichtert, dass sie wieder in der Basis angekommen sind. Ist der Druck auf den Vorstand bei den Piraten besonders hoch?

Körner: Nicht unbedingt. Was bei uns eine Rolle spielt: Unsere Vorstände sind allesamt ehrenamtlich tätig – neben ihrem Beruf oder Studium. Das ist auf Dauer eine immense Belastung.

Kann das so weiter­gehen?

Körner: Ich glaube, dass wir über kurz oder lang die Vorstände entlohnen müssen. In welcher Form, wird sich zeigen. Ich würde dem aber grundsätzlich nicht zustimmen, solange ich selber davon betroffen bin. Für meine Nachfolger würde ich mir eine gewisse finanzielle Entschädigung wünschen – wir bezahlen ja nicht einmal die Reisekosten.

Sind Sie selber schon mal in einen Shitstorm geraten, also im Internet unflätig beschimpft worden?

Körner: Das bleibt nicht aus, wenn man mit seiner Meinung in der öffentlichen Wahrnehmung steht. Aber: Wenn ein Redner im Landtag etwas Umstrittenes sagt, bricht dort ein hörbarer Unmut aus – der Shitstorm ist das Gleiche in digitaler Form. Das muss man akzeptieren, man darf sich nur nicht davon unterkriegen lassen!

Wie stehen Sie zu Koalitionen in Bayern? Die Piraten möchten sich doch nicht vorhalten lassen, die Macht der CSU zu sichern …

Körner: Wir machen Wahlkampf, um für unsere Themen und für unsere Überzeugungen zu kämpfen. Ob dabei dann ein Ergebnis herauskommt, das uns insgesamt weniger gefällt, kann für uns doch kein Grund sein, uns politisch nicht zu engagieren. Mit der CSU sehe ich kaum Möglickeiten für eine Koalition, bei anderen könnten wir leichter Gemeinsamkeiten finden.

Interview: Marc Kniepkamp

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