Gaddafi kündigt "langen Krieg" an

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"Odyssey Dawn" ist angelaufen. Der Flugzeugträger USS Stout, im Mittelmeer stationiert, feuert eine Lenkrakete vom Typ Tomahawk ab.

Tripolis - Nach einer ersten Angriffswelle westlicher Staaten auf die libyschen Streitkräfte hat Machthaber Muammar al Gaddafi einen “langen Krieg“ gegen die internationale Streitmacht angekündigt.

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Bei den ersten Angriffen Frankreichs, Großbritannien und der USA zur Durchsetzung einer Flugverbotszone in Libyen sind nach einem Bericht des libyschen Staatsfernsehens 48 Menschen getötet worden. Unter Berufung auf das Oberkommando der Streitkräfte hieß es weiter, 15 Menschen seien bei den am Samstag erfolgten Luftangriffen verletzt worden. Für die Angaben war von unabhängiger Seite keine Bestätigung zu erhalten. Dem libyschen Fernsehen zufolge handelt es sich bei den meisten Opfern um Kinder.

In einem Telefonat mit dem staatlichen libyschen Fernsehen sagte Gaddafi am Sonntag, er werde bei der Bekämpfung des Aufstands im Osten des Landes nicht lockerlassen. Er habe die Waffenlager für die Bevölkerung geöffnet, jeder sei nun mit “automatischen Waffen, Mörsergranaten, Bomben“ ausgerüstet. “Wir versprechen euch einen langen Krieg“, sagte Gaddafi.

In einer Audio-Botschaft, die am Sonntagvormittag vom staatlichen libyschen Fernsehen gesendet wurde, erklärte er: “Alle Libyer sind nun bewaffnet“. “Wir werden gegen euch kämpfen, wenn ihr eure Angriffe fortsetzt“, sagte er an die westliche Allianz gewandt, die am Vortag mit Militärschlägen gegen Stellungen des Regimes begonnen hatte.  

62 Prozent der Deutschen für Militärschlag

Die Deutschen unterstützen den Militäreinsatz gegen den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi. Nach einer Emnid-Umfrage für die Zeitung “Bild am Sonntag“ (Onlineausgabe) finden 62 Prozent diesen Schritt richtig. 31 Prozent sind gegen die militärische Intervention. Gleichzeitig sind 65 Prozent der Bundesbürger dagegen, dass sich die Bundeswehr an den Angriffen beteiligt. 29 Prozent sprechen sich dafür aus, das auch Deutschland Truppen entsendet. Emnid befragte den Angaben zufolge am 18. März 2011 insgesamt 501 Personen.

China und Russland bedauern Angriffe auf Libyen

China hat die massiven Luftangriffe auf Libyen bedauert. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Jiang Yu, sagte am Sonntag: “China hat die jüngste Entwicklung in Libyen zur Kenntnis genommen und bedauert die Militärschläge gegen Libyen“. China sei wie immer gegen den Einsatz von Gewalt in internationalen Beziehungen. Peking hoffe, dass die Stabilität in Libyen so bald wie möglich wieder hergestellt werden kann, damit weitere zivile Opfer vermieden würden, betonte Jiang Yu nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

China hatte sich wie auch Russland und Deutschland bei der Abstimmung über die Resolution für die Errichtung eines Flugverbots über Libyen im UN-Sicherheitsrat am Donnerstag in New York enthalten.

Das Außenministerium in Moskau teilte am Sonntag auf seiner Internetseite mit: “Wir bedauern diesen bewaffneten Einsatz im Rahmen der UN-Resolution 1973, die in Eile beschlossen wurde“. Russland rufe zu einer baldigen Waffenruhe auf. “Das Blutvergießen muss schnell gestoppt werden, und Libyen muss schnell den Dialog aufnehmen, damit der Konflikt auf Dauer gelöst werden kann.“

dpa/dapd

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