Demonstranten mit Aufwind 

„Gelbwesten“-Bewegung gewinnt an Fahrt - Macron hofft auf „nationale Debatte“ 

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„Gelbwesten“ protestieren in Frankreich. 

Auch am neunten Samstag der „Gelbwesten“-Proteste treibt die Wut Zehntausende Franzosen auf die Straßen. Staatschef Macron will sie mit einer Art dezentraler Gruppen-Gesprächstherapie besänftigen. 

Paris - Kurz vor Beginn einer „nationalen Debatte“ zur Lösung der „Gelbwesten“-Krise hat die Bewegung in Frankreich wieder an Stärke gewonnen. Am Samstag gingen offiziellen Angaben zufolge im ganzen Land 84 000 Menschen auf die Straßen. Damit stieg die Zahl der Demonstranten das zweite Wochenende in Folge, nachdem die Bewegung rund um Weihnachten geschwächt schien. Zu solch gravierenden Ausschreitungen und Gewaltexzessen wie in den vergangenen Wochen kam es an diesem neunten Protest-Samstag in Folge aber nicht. Die Aussicht auf die von Präsident Emmanuel Macron angekündigte Debatte scheint die „Gelbwesten“ jedoch nicht entscheidend zu bremsen.

Einige Demonstranten schleuderten nach Angaben der Polizei in Paris nahe dem Triumphbogen Wurfgeschosse in Richtung von Sicherheitskräften. Daraufhin seien Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt worden. Wieder wurden in der Hauptstadt zahlreiche Menschen festgenommen. Laut Pariser Staatsanwaltschaft kamen insgesamt 155 Menschen in Polizeigewahrsam. Auch in Bourges, in Bordeaux, Straßburg und anderen Städten kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei.

Ab Dienstag sollen die Bürger ihre Kritik äußern und Reformvorschläge machen können - bei über mehrere Wochen im ganzen Land stattfindenden Gesprächsrunden. Wie die „nationale Debatte“ genau organisiert werden soll, ist bislang nicht bekannt. Premierminister Édouard Philippe will sich am Montag zu Details äußern. Auch ein Brief Macrons an die Franzosen soll Montag veröffentlicht werden. Beobachter erwarten, dass der Staatschef darin vor allem einen Appell an die Bürger richten wird, sich zahlreich an der Debatte zu beteiligen.

Die Franzosen haben jedoch wenig Vertrauen in die Aktion 

Die Franzosen schätzen die Erfolgsaussichten der Aktion allerdings eher gering ein. Laut einer Umfrage für den Sender France Info und die Zeitung „Le Figaro“ glauben sieben von zehn Franzosen, dass die Debatte nicht zu nützlichen Maßnahmen führen wird. Erschwert wird der Start zusätzlich durch den kurzfristigen Rückzug der einst vorgesehenen Organisatorin, der Spitzenbeamtin Chantal Jouanno. Sie war nur eine Woche vor dem geplanten Beginn der Debatte von der Aufgabe zurückgetreten, nachdem öffentlich Empörung über ihr bisheriges Gehalt entbrannt war.

Für den mit desaströsen Beliebtheitswerten kämpfenden Macron hängt viel vom Erfolg seiner „nationalen Debatte“ ab. Die „Gelbwesten“-Bewegung hat den einstigen politischen Senkrechtstarter in die bislang schwerste Krise seiner Amtszeit gestürzt. Seit Mitte November demonstrieren immer wieder Zehntausende gegen seine Reformpolitik und gegen eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Immer wieder gab es dabei Randale.

Die Wut aus Frankreich scheint derweil auch den Ärmelkanal überquert zu haben. In London gab es am Samstag Proteste nach dem Vorbild der „Gelbwesten“. Mehrere Tausend Menschen gingen nach Angaben der Veranstalter auf die Straße. Die Protestierenden forderten angesichts des Brexits ein Ende der Sparpolitik und eine Neuwahl. Auch Vertreter der Gelbwesten-Bewegung aus Frankreich nahmen an der Demonstration in London teil.

Indessen wurde der Lkw-Fahrer, der in Belgien einen Demonstranten der „Gelbwesten“-Bewegung angefahren und getötet haben soll, in den Niederlanden verhaftet. Der 56-Jährige sei am Samstagabend in Tilburg im Süden des Landes von der niederländischen Polizei festgesetzt worden, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Lüttich. Gegen den Mann war ein europäischer Haftbefehl erlassen worden.

Bei Protesten der „Gelbwesten“-Bewegung auf einer Fernstraße zwischen Lüttich und dem niederländischen Maastricht war am Freitagabend ein 50 Jahre alter Mann von einem niederländischen Lastwagen angefahren worden und gestorben. Die Ermittler gingen nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Lüttich am Samstagabend nicht mehr von einem Unfall aus. Von einem Mord zu sprechen, sei jedoch verfrüht, sagte eine Sprecherin.

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dpa/ AFP

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