Regierung dampft Erhöhung ein

Gemeiner Statistik-Trick kassiert Rentenplus

+
Die besten Jahre? Seniorin mit Rollator vor Graffiti in Hannover.

München - Eigentlich hatte die Bundesregierung die 20 Millionen Rentner schon auf eine ordentliche Erhöhung der Altersbezüge im kommenden Jahr eingestimmt - von plus zwei Prozent und mehr war da die Rede. Doch durch einen Statistik-Trick von Arbeitsministerin Andrea Nahles wird wohl nichts draus:

Weil die Durchschnittsgehälter nun anders berechnet werden, die die Basis für die Rentenerhöhung sind, wird die Rentensteigerung laut Süddeutscher Zeitung um ein Prozent geringer ausfallen! Aus der erhofften Zwei-Prozent-Steigerung wird dann wieder nur eine magere Ein-Prozent-Steigerung, die nicht einmal die Inflation ausgleichen wird. Das heißt in Cent und Euro: Bei einer Rente von 1000 Euro gibt‘s dann zehn statt zwanzig Euro mehr. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zum Statistik-Trick:

Was wurde geändert?

Wenn die Einkommen steigen, steigen die Renten: Die durchschnittlichen Gehaltssteigerungen sind die Berechnungsgrundlage für die Rentenerhöhung. Jetzt werden Gruppen mit besonders niedrigem Einkommen neu in die Berechnung hineingenommen: Rund 300 000 Behinderte, die in Werkstätten arbeiten, mehr als 30 000 Personen in Jugendhilfe-Einrichtungen sowie knapp 80 000 junge Leute, die ein freiwilliges Jahr oder Bundesfreiwilligendienst ableisten. All diese Gruppen haben eines gemeinsam: Sie verdienen wenig - was das deutsche Durchschnittseinkommen um rund einen Prozent absenkt. Das Arbeitsministerium erklärte jedoch, dass sich wegen der komplizierten Rentenformel der jetzt negative statistische Einmaleffekt sich im Jahr darauf positiv auswirken werde. Die Rentenerhöhung werde also 2016 entsprechend höher ausfallen, so dass die Rentner auf Dauer unterm Strich nicht schlechter gestellt sein würden, so die Sprecherin des Sozialministeriums zur tz.

Wer ist für die Änderung verantwortlich?

„Die Politik bestimmt das“, erklärte ein Sprecher des Statistischen Bundesamts auf Anfrage der tz. Genauer: Verantwortlich für die neue Berechnungsgrundlage ist das Sozialministerium von Andrea Nahles. Das Ministerium begründete die Änderung gegenüber der tz mit einer Angleichung an internationale Standards: Die Berechnungsgrundlage der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) würde eben auch solche Niedriglohnbereiche miteinbeziehen.

Was bedeutet die Änderung für den Rentenbeitragssatz?

So schlecht der Statistik-Trick für die Rentner ist, so gut ist er für die Arbeitnehmer: Weil die Rentenversicherung wegen der gedämpften Rentenerhöhung weniger ausgibt, sinkt im Gegenzug der Beitragssatz 2015 stärker. Auch ohne diesen Zusatz-Effekt soll laut Spiegel der Beitragssatz zum Jahreswechsel von derzeit 18,9 Prozent auf 18,7 Prozent sinken. Klarheit über den Beitragssatz soll es aber erst im November geben.

Klaus Rimpel

auch interessant

Meistgelesen

Zitierte Trump den Batman-Bösewicht Bane?
Zitierte Trump den Batman-Bösewicht Bane?
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz

Kommentare