Änderung der Pflegestufen

Gesetzentwurf der CDU: Das ändert sich in der Pflegereform

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Über 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause liebevoll von der Familie versorgt.

München - Der neue Pflege-Plan: Endlich sollen auch die Angehörigen der Betroffenen entlastet werden. Und: Auch für die Demenzkranken wird mehr getan. Die tz erklärt die wichtigsten Punkte der neuen Reform:

Gut 340 000 Menschen sind derzeit in Bayern auf Pflege angewiesen. Und ihre Zahl steigt dramatisch an: Laut den Statistiken werden im Jahr 2020 rund 420 000 Pflegebedürftige im Freistaat leben. Die Experten sind sich längst einig: Um diese gesellschaftliche Herausforderung meistern zu können, müssen im Pflegesystem große Reformen her. Und es passiert endlich was! Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat gestern seinen Gesetzesentwurf für eine weitere Reform der Pflegeversicherung vorgelegt. Gleich fünf Milliarden Euro will der Staat ab 2017 in die Versorgung der Alten pumpen!

Die Pflegestufen werden geändert! 

Pflegeexperte Claus Fussek.

Nach jahrelangem Kampf soll es ab 2017 keine drei Pflegestufen (plus der Pflegestufe 0 seit 2013) mehr geben – sondern fünf sogenannte „Pflegegrade“. Besonders, wenn Angehörige ihre Liebsten zu Hause versorgen, wird es hierbei mehr Leistungen (also Geld) geben (siehe Tabelle unten). „Das ist eine notwendige Hilfe und ein wichtiges Signal für Tausende Menschen“, lobt Pflegeexperte Claus Fussek die Änderung. Immerhin: Gut 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt – oft von den Angehörigen.

Der Prüfungsvorgang zu den Pflegestufen wird geändert!

In welche Pflegestufe kommt der Bedürftige? Seit Jahren nimmt der Medizinische Dienst diese Einstufung vor – und entscheidet so, wer wie viel Zuschuss bekommt. Neu ist jetzt: In Zukunft soll auch berücksichtigt werden, in welchem psychischen Zustand der Patient ist. Bisher ist nur entscheidend, in welchem körperlichen Zustand er sich befindet. Kann er sich noch selber waschen? Und wie viel Minuten Hilfe braucht er pro Tag? Die steife Zeitregelung soll nun gelockert werden. Fussek: „Das wird auch Zeit. Hier kommt es seit Jahren oft zu Ungerechtigkeiten.“

Demenzkranken soll besser geholfen werden!

Unglaublich: Vor Kurzem gab es für Demenzkranke noch überhaupt keine Pflegestufe – da sie ja oftmals noch körperlich in der Lage waren, Aktionen auszuführen. Ab 2017 soll gelten: Demenzkranke können (wenn sich ihr Zustand stark verschlechtert) auch gleich zwei Pflegegrade hochgestuft werden. Das ist derzeit nicht möglich. „Hiermit kann endlich auf den individuellen Krankheitsverlauf des Patienten eingegangen werden“, erklärt Claus Fussek.

Der Eigenanteil bei den Heimkosten soll gedeckelt werden!

Wer einen Angehörigen im Pflegeheim untergebracht hat, weiß: Je nach Pflegestufe variiert die Höhe des Eigenanteils. Mal müssen zu den Monatskosten (rund 3600 Euro) 500 Euro aus eigener Tasche zugezahlt werden, mal 900. Hier will Gröhe eine Pauschale von 580 Euro einführen. Die zahlen dann alle – egal wie pflegebedürftig sie sind.

Wichtig: Gestern segnete die SPD den CDU-Entwurf der Reform schon einmal ab. Und: Die Regierung garantiert, dass durch die Änderungen niemand mehr zahlen wird. Auch Bayerns Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) lobte die Reform-Ansätze: „Die Pflegebedürftigkeit wird so unabhängig davon bestimmt, ob sie auf körperlichen, psychischen oder kognitiven Beeinträchtigungen beruht“, sagte sie gegenüber der tz.

Wie das alles finanziert wird? Durch die Erhöhung des Beitrages in der Pflegeversicherung. Allein die erneute Anhebung des Beitragssatzes um 0,2 Beitragssatzpunkte zum 1. Januar 2017 führt 2017 zu Mehreinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro.

Das sind die neuen Pflegestufen

Alte Regelung Pflegestufe Neue Regelung Pflegegrad
Stufe 0: 123 Euro Grad I: 125 Euro
Stufe I: 244 Euro Grad II: 316 Euro
Stufe II: 458 Euro Grad III: 545 Euro
Stufe III: 728 Euro Grad IV: 728 Euro
Grad V: 901 Euro

Pflege zu Hause: Stufe 0 (2013 für hauptsächlich psychisch Kranke eingeführt) wird zu Grad I. Die Pflegestufe I wird somit zu Pflegegrad II – es gibt 72 Euro monatlich mehr.

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