Ude gibt der Bayern-SPD Hoffnung

Irsee - Das gab's lange nicht bei der Bayern-SPD: beste Stimmung bei der Winterklausur im Kloster Irsee. Der Grund: Mit Christian Ude als Spitzenkandidat gibt es für die SPD 2013 erstmals seit Jahren eine Chance auf einen Machtwechsel.

Der Heilsbringer wird mit Applaus empfangen - und mit einer klaren Ansage. “Wir wollen, dass Du der nächste Ministerpräsident in Bayern wirst“, ruft SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher dem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013, Christian Ude, am Mittwoch im Kloster Irsee zu. Und verspricht ihm gleich zu Beginn der Winterklausur der Landtags-SPD: “Du hast die volle Unterstützung Deiner Fraktion.“ Auch wenn Ude bislang noch Münchner Oberbürgermeister, nicht aber SPD-Fraktionsmitglied ist.

Derlei Feinheiten zählen aber nicht. Was bei der bayerischen SPD zählt, ist der feste Willen, die CSU im Herbst 2013 vom bayerischen Regierungsthron zu stoßen. Und erstmals seit Jahrzehnten haben die Sozialdemokraten nicht nur den festen Willen dazu, sondern auch eine durchaus realistische Chance: Wenn Grüne und Freie Wähler mitziehen, könnte die CSU nächstes Jahr tatsächlich in die Opposition geschickt werden. Zumindest, wenn man aktuellen Umfragen glaubt, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CSU und dem virtuellen Dreierbündnis vorhersagen. Die CSU lag dabei zuletzt bei 42 und bei 44 Prozent.

Für Äußerungen von Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer, gegen die CSU könne in Bayern nicht regiert werden, hat man bei den Sozialdemokraten nur Spott übrig. “Ich finde ja sehr vergnüglich, dass die CSU tatsächlich jubiliert und sich auf die Schultern klopft und sogar auf die Schenkel klopft, weil sie tatsächlich 44 Prozent hat“, sagt Ude schmunzelnd und betont: “In früheren Jahrzehnten hätte das zu Depressionen geführt.“ Und auch SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher lästert genüsslich: “Oh, da hat offensichtlich wirklich ein neue Ära begonnen. Ein Franz Josef Strauß würde beide Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei 44 Prozent.“ Der SPD-Mann betont: ““Super, wir sind ein Prozent vor der Opposition“ - solche Statements hat es früher von CSU-Ministerpräsidenten nicht gegeben.“

Allerdings wissen Ude, Rinderspacher und die gesamte Landtags-SPD, dass es bis zu einer möglichen Regierungsübernahme im Freistaat noch ein langer Weg ist. “Ein Ruck geht durch Bayern“, betont zwar auch Vize-Fraktionschefin Inge Aures mit Blick auf die Ude-Kandidatur. Sie mahnt allerdings: “Die Wahl hat man erst am Wahlabend gewonnen.“

Auch Ude räumt ein, es sei natürlich “noch gar nichts in trockenen Tüchern“. “Wir müssen jetzt noch eineinhalb Jahre lang zulegen.“ Und Rinderspacher betont, es liege noch eine weite Wegstrecke vor der SPD. “Es ist für uns wichtig, weiter hart zu arbeiten“, sagt er.

Ude, der im Spätsommer zum SPD-Spitzenkandidaten gekürt worden war, vergleicht die Winterklausur sogar lediglich mit “so einer Art erstem Boxenstopp, wo man sehen kann, wie der Start gelaufen ist“. Er sei aber schon mal sehr zufrieden, wie die SPD nun im Wettbewerb liege, betont er. Doch der Münchner OB weiß: Ein Formel-1-Rennen ist erst nach der letzten Runde entschieden. Und bis dahin drohen Fahrer und Team noch so manch steile Kurven.

Zudem kommt es beim Rennen um den Sieg bei der Landtagswahl auf die Teamwertung an: Nur wenn Grüne und Freie Wähler ebenfalls zulegen und sich mit der SPD zusammentun, könnten die drei Oppositionsfraktionen tatsächlich den Sieg nach Hause fahren. Wenn die Freien Wähler am Ende überhaupt wollen: Bislang halten sie sich auch ein Bündnis mit der CSU offen.

Hinter den dicken Mauern des Klosters Irsee aber ist die Sache klar. Denn auch wenn es in manchen Sachfragen, etwa beim Streitthema Flughafenausbau, durchaus unterschiedliche Auffassungen zwischen Ude und Teilen der Fraktion gibt, fliegen dem Münchner OB hier die Herzen der Abgeordneten regelrecht zu. Getreu dem Motto, mit dem die Bildungsstätte Kloster Irsee für sich im Internet Werbung macht: “Porta patet, cor magis - die Tür steht offen, mehr noch das Herz.“

dpa

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