Grenzstreit zweier Urlaubsländer

Corona-Krach zwischen Österreich und Italien wegen Öffnung der Grenzen

Dürfen bayerische Touristen ab 3. Juni nach Italien durchreisen? Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz spielt da nicht mit. Er will die Grenzen zum kriselnden Nachbarland dicht lassen.

  • Mitte Juni sollen die Corona-Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich wegfallen.
  • Am Brenner wird dann jedoch Schluss sein: Nach Italien bleiben die Grenzen weiterhin dicht.
  • Südtirol fühlt sich von der Regierung in Wien „diskriminiert“ - ebenso wie deutsche Italien-Urlauber.
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Wien/Rom - Bayerische Urlauber sehnen den 15. Juni herbei. Dann sollen die Corona-Grenzkontrollen zu Österreich wegfallen und der Weg nach Süden ist wieder frei – zumindest bis zum Brenner. Denn Österreichs Regierung denkt gar nicht daran, auch die Grenze nach Italien wieder zu öffnen, zum Unmut vor allem der Südtiroler. Um die Grenzfrage ist inzwischen ein handfester Streit entbrannt.

Corona-Grenzöffnung nach Italien für Bundeskanzler Sebastian Kurz „unverantwortlich“

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nannte die Öffnungs-Diskussion vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie* zuletzt „unverantwortlich angesichts der epidemiologischen Daten in Italien“. Man könne die Grenzen nur zu Ländern öffnen, in denen „die Situation ähnlich gut ist wie bei uns“.

Kontrollen wegen Corona: Wien will die Grenze zu Italien auch weiterhin geschlossen lassen.

Die Infektionszahlen in Italien sind zwar weit höher als in Österreich – allerdings sind die Unterschiede zwischen den Regionen groß. Während die Lombardei mit rund 86 000 Fällen am stärksten betroffen ist, gehört die Zahl in Südtirol (rund 2500) zu den niedrigsten landesweit. Deshalb macht die Region Druck auf Wien. Italien als eine einzige große Sperrzone zu behandeln, sei „diskriminierend“, sagte unlängst Flippo Maturi, ein Südtiroler Abgeordneter der rechten Lega. In vielen Regionen Italiens seien die Reproduktionszahlen niedriger als in Österreichs Bundesländern.

Urlaub in Südtirol trotz Corona? Landeshauptmann appelliert an Österreich

Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher hat kein Verständnis für Wiens Blockadehaltung. Die Südtiroler Zahlen ließen beidseitige Grenzöffnungen klar zu, sagte er dem Sender Rai. Und um die Lombardei müsse sich Wien dabei nicht sorgen. „Ich kann nach Absprache mit dem Regionenminister garantieren, dass die Lombardei ab dem 3. Juni ja nur dann Richtung Brenner aufmacht, wenn die Corona-Zahlen* dort stimmen.“

Italien will seine Grenzen ab 3. Juni wieder öffnen, also pünktlich in der ersten bayerischen Pfingstferienwoche. Das Kalkül: Südtirol, das wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängt, möchte nach argen Corona-Einbußen noch etwas vom Pfingst-Kuchen abbekommen. Entsprechend offensiv wirbt man um deutsche Touristen. Aber dürfen sie überhaupt kommen?*

Laut BR soll es eine bilaterale Abmachung geben, der zufolge eine Familie aus Bayern die Durchreise durch Österreich zu Urlaubszwecken erlaubt wird – also eine Korridorlösung. Weil es in Bayern keine Quarantäne-Pflicht für Einreisende* mehr gibt, könnte die Familie bei ihrer Rückkehr problemlos wieder einreisen. Über die Pfingstferien dürfte man also in Südtirol Urlaub machen, aber nicht im österreichischen Tirol. Das Innenministerium konnte hierzu am Freitag keine Auskunft geben. 

MMÄ

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Rubriklistenbild: © dpa / Matthias Balk

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