Neue Rechnungen zeigen

Griechen-Renten immer noch höher als bei uns

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Die Altersarmut nimmt zu, aber immer noch genießen einige Griechen Privilegien: Senioren bei einer politischen Kundgebung in Athen.

Athen - Neuer Sprengstoff für die deutsch-griechischen Beziehungen: Neueste Rechnungen zeigen, dass griechische Rentner im Schnitt offenbar immer noch besser dastehen als deutsche.

Die „Institutionen“ (ehemals Troika) aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) haben errechnet, dass griechische Rentner im Schnitt immer noch besser dastehen als deutsche – trotz aller Kürzungen, die Athen bereits beschlossen hat, etwa die Streichung des früher gezahlten Urlaubs- und Weihnachtsgeldes (je eine Monatsrente). Die EU-Kommission sieht darin laut Handelsblatt den Beleg dafür, dass das griechische Rentensystem immer noch viel zu teuer ist.

Die tz beleuchtet die Zahlen genauer.

Standardrente: Die sogenannte Eckrente ist die, die man erhält, wenn man 45 Beitragsjahre lang das Durchschnittsgehalt verdient hat. Diese Standardrente liegt in Griechenland bei rund 1100 Euro. Das ist zwar etwas weniger als der Eckrentner in Westdeutschland bekommt (1287,45 Euro). Doch in Deutschland entspricht die Standardrente nur 48 Prozent des Durchschnittslohns, in Griechenland 80 Prozent.

Durchschnittsrente: Laut dem griechischen Arbeitsministerium liegt die tatsächlich gezahlte Altersrente im Schnitt bei 958,77 Euro. In West-Deutschland bekommen Rentner im Durchschnitt nur 734 Euro. Jeder fünfte griechische Rentner muss demnach mit weniger als 500 Euro brutto im Monat auskommen. 17 Prozent bekommen mehr als 1500 Euro, so die Zahlen, auf die sich die Troika bezieht. Zum Vergleich: In Deutschland muss ein Drittel mit weniger als 500 Euro Rente auskommen. Nur 0,28 Prozent der Renten liegen über 2000 Euro. Aber Kritiker werfen der Troika vor, mit falschen Zahlen zu agieren: Laut der griechischen Rentenanstalt IKA bekam 2013 die große Mehrheit der Griechen (72,4 Prozent) Renten unter 800 Euro. Nur 5,8 Prozent hätten mehr als 1400 Euro. Aber auch in diesen Zahlen steckt Sprengstoff: Denn wenn die IKA-Zahlen stimmen, wären die Renten trotz der von der Troika geforderten Kürzungen gestiegen.

Renteneintrittsalter: Griechen gehen im Schnitt mit 61,5 Jahren in Rente (Deutschland: 61,2 Jahre, Stand 2012). Auf Druck der Troika wurde das gesetzliche Renteneintrittsalter zwar schon 2012 von 65 auf 67 angehoben, wie in Deutschland. Aber faktisch gibt es so viele Ausnahmen, dass nach wie vor in einigen Branchen schon 58-Jährige nach 35 Beitragsjahren in den Ruhestand gehen können. Premier Alexis Tsipras deutete vor seinem gestrigen Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel an, die Ausnahmen für die Rente mit 67 abschaffen zu wollen. Beschlossen ist aber noch nichts.

Frühverrentungen: Vor den Reformen war Griechenland ein wahres Rentnerparadies: Mütter durften bereits mit 55 in Rente gehen, sofern sie mindestens 25 Jahre gearbeitet hatten. Aber obwohl solche Privilegien abgeschafft wurden, hat die Zahl der Frühpensionierungen weiter zugenommen – gerade wegen der Troika-Forderungen: Eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Verrentungen in der Privatwirtschaft gegenüber 2008 um 14 Prozent zugenommen hat, im öffentlichen Dienst sogar um mehr als 48 Prozent. „Mit verstärkten Frühverrentungen hätten die früheren griechischen Regierungen die Forderung der Troika nach schneller Verkleinerung des öffentlichen Dienstes möglichst sozial abgefedert erfüllen wollen. Diese Frühverrentungswelle stellt die Rentenkasse vor extreme Probleme“, so das Böckler-Institut.

Rentenkosten: Laut Angaben der OECD lagen die Renten 2009 in Griechenland bei durchschnittlich 95,7 Prozent der Erwerbseinkommen – der höchste Wert aller OECD-Staaten. Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat musste Griechenland 2012 rund 17,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Renten aufbringen (EU-Durchschnitt: 13,2 Prozent). Und das Problem wird noch schlimmer – wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und der wegen der Krise seit 2008 um 15 Prozent zurückgegangenen Geburtenrate: 2055 wird Griechenland laut OECD-Berechnungen bereits 24,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Renten aufwenden müssen – gegenüber 12,5 Prozent in Deutschland.

Klaus Rimpel

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