Griechische Rechts- und Linkspopulisten

Extrem-Koalition gegen Merkel

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Wahlsieger Alexis Tsipras spricht vor der Athener Uni zu seinen Anhängern.

Athen - Die absolute Mehrheit hat die linke Syriza hauchdünn um zwei Sitze verfehlt – doch im Blitztempo hat Syriza-Chef Alexis Tsipras einen Koalitions­partner gefunden: Der Links­populist wird mit dem Rechtspopulisten Panos Kammenos koalieren!

Dessen Partei Unabhängige Griechen (AE) ist wie Syriza dafür, die Sparpolitik, der Symbol für Syriza und AE Angela Merkel ist, sofort zu beenden (siehe Stichwort). Und die einstigen Erzfeinde sind sich darin einig, dass Deutschland Reparationen für die NS-Besatzung und eine durch Nazi-Deutschland aufgezwungene Zwangsanleihe der griechischen Nationalbank zahlen soll. Die Unabhängigen Griechen beziffern die Verbindlichkeiten aus der NS-Zeit auf 162 Milliarden Euro plus Zinsen.

Das alles wird die Verhandlungen mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) erschweren.

„Wir werden zu Merkel auf unseren Füßen gehen, nicht auf den Knien rutschen“, so AE-Chef Kammenos.

Ende Februar laufen die Hilfszahlungen aus – ohne weitere Kredite wäre Griechenland zahlungsunfähig.

Die Euro-Finanz­minister zeigten sich für neue Verhandlungen offen. Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Niemand drängt Griechenland irgendetwas auf, aber die Verpflichtungen gelten.“

Tsipras wurde schon gestern als neuer Premier vereidigt. Die Börse reagierte entspannt auf den Machtwechsel in Athen.

Unabhängige Griechen

Die „Unabhängigen Griechen“ (AE) sind eine Abspaltung der konservativen Nea Dimokratia. Parteichef Panos Kammenos war aus der Fraktion der Nea Dimokratia ausgeschlossen worden, nachdem er in einer Vertrauensabstimmung gegen Ministerpräsident Papadimos gestimmt hatte. Kammenos appelliert immer wieder an antideutsche Ressantiments. So stellte er die AE-Gründungserklärung im März 2012 in dem Dorf Distomo vor, in dem 1944 von der deutschen Waffen-SS ein Massaker verübt worden war.

Die Rechtspopulisten sehen Griechenland „besetzt“ von den Geldgebern. Athen sollte sich „befreien“ und keine Schulden zurückzahlen. Auch gegenüber den Nachbarn Türkei und Mazedonien setzen die Rechtspopulisten auf Konfrontationskurs. Illegale Einwanderer wollen die „Unabhängigen“ ausweisen.

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