Ziel für CO2-Ausstoß 2030 festgelegt

„Freiheit vom Auto“ und mehr: So wollen Bayerns Grüne dem Klimawandel beikommen

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Gute Laune bei Bayerns Grünen: Katharina Schulze und Ludwig Hartmann.

Die Grünen schwimmen auf einer Erfolgswelle - auch in Bayern. Da lässt es sich einfacher für nicht immer populäre Forderungen zugunsten des Klimawandels eintreten. Die Partei verfolgt zwei zentrale Punkte.

  • Die Grünen in Bayern befinden sich in den neuesten Umfragen im Aufwind.
  • Nun stellt die Partei zwei zentrale Forderungen.
  • 2030 soll ein CO2-Ziel erreicht werden.

Würzburg - Vor dem Tagungshotel in Würzburg scheint die Sonne. Es sind 13 Grad. Ludwig Hartmann, Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion, lässt seine Jacke im Hotel und schlendert zwischen zwei mannshohen grünen Bannern hindurch ins Freie zum Telefonieren. Links neben ihm genießen einige Gäste beim Kaffee die Sonne, rechts liest einer ein Buch.

Das Wetter ist in doppelter Hinsicht sinnbildlich für die Lage der Grünen bei ihrer Winterklausur. Die Partei befindet sich im Höhenflug - 25 Prozent im „Bayerntrend“ des BR, der Würzburger OB-Kandidat Martin Heilig hat gute Chancen, bei der Kommunalwahl im März der erste grüne Oberbürgermeister einer Großstadt zu werden. Entsprechend sonnig ist die Stimmung in Würzburg. Das milde Wetter zeugt aber auch vom Klimawandel. Ihn wollen die Grünen per Gesetz bekämpfen. Bis 2030 fordern sie die Senkung des bayerischen CO2-Ausstoßes pro Kopf von derzeit rund acht auf drei Tonnen. Im Tagungsraum beraten sie, wie sie dieses Ziel erreichen können.

Bayerns Grüne im Höhenflug: Hartmann fordert Pflanzdächer und mehr Brunnen

Ansetzen wollen sie an zwei Stellen. Die erste: Die Städte sollen klimafreundlicher werden, die Folgen der Erwärmung im besonders warmen Häusermeer erträglicher. Hartmann fordert Pflanzdächer, bepflanzte Wände, Frischluftschneisen und grüne Bänder. Mehr öffentliche Brunnen sollen die Wasserversorgung verbessern, Hitzewarnsysteme die Menschen bei Gefahr benachrichtigen, Autofahrer Spuren an Radfahrer abtreten.

Zweiter Punkt: der Nahverkehr. Bis 2030 wollen die Grünen die Fahrgastzahlen hier mindestens verdoppeln. Dazu sollen bereits Gemeinden ab 200 Einwohnern von 5 bis 24 Uhr stündlich an Bus oder Bahn angeschlossen werden. Ziel: das Zweitauto auf dem Land verzichtbar machen. „Mobilität muss zur kommunalen Pflichtaufgabe werden“, sagt Hartmann.

Bayerns Grüne im Höhenflug: „Freiheit vom Auto“ statt „Auto ist Freiheit“

Bei der Umsetzung dieser Pläne solle der Freistaat die Kommunen mit Geld und Beratung unterstützen. Hartmann fordert, die für den Straßenneubau eingeplanten Gelder in den Nahverkehr zu stecken. „Wer Straßen sät, erntet Verkehr“, sagt Hartmann. Im Positionspapier heißt das: Heute gelte „Freiheit vom Auto“ statt „Auto ist Freiheit“.

Außerdem: Bus- und Bahnfahren soll einfacher und komfortabler werden. Mit klimatisierten Fahrzeugen, einer einheitlichen Fahrkarte für ganz Bayern sowie digitalen Tickets, die für alle Verkehrsmittel gelten und automatisch den günstigsten Streckenpreis errechnen.

Bayerns Grüne im Höhenflug: Kommunen sollen „Leitziele zum Klimaschutz“ verabschieden

Trotz aller Unterstützung: Die Kommunen hätten beim Klimaschutz „eine Schlüsselfunktion“, heißt es in einem weiteren Positionspapier. Damit sie dieser gerecht werden, sollen sie noch in diesem Jahr „Leitziele zum Klimaschutz“ verabschieden - zum Beispiel, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu sein oder den Energiebedarf bis 2025 vollständig aus erneuerbaren Energien zu decken.

Alle Kommunen sollen zusammen mit gesellschaftlichen Gruppen - Vereinen, Bürgern, Fridays for Future - Klimaschutzkonzepte erstellen. Städte und Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern sollen einen Klimaschutzbeauftragten einstellen. Hartmann nennt das Beispiel eines Unternehmens, das mit seiner Abwärme eine Schule beheizt - deren Ölheizung wurde dafür abgestellt. „Solche Potenziale erkennen nur Menschen vor Ort.“

Bei der Abstimmung über die Organspende-Reform feiert Grünen-Chefin Annalena Baerbock einen Erfolg. Wegen des Fahrplans für den Kohleausstieg übt sie Kritik. Die „deutsche Greta“, Luisa Neubauer, droht unterdessen den Unternehmen im Land.

Christian Masengrab

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