„Stern“-Chefredakteur Osterkorn

"Brüderle hat Problem im Umgang mit Frauen"

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„Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn hat die Veröffentlichung des Artikels über Rainer Brüderle am Sonntagabend bei "Günther Jauch" verteidigt

Berlin - Kein Ende in der Sexismus-Debatte: „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn hat Rainer Brüderle bei "Günther Jauch" erneut angegriffen. Die anderen Talk-Gäste stimmten ihm jedoch nur bedingt zu.

Die angeblichen anzüglichen Äußerungen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zu einer „Stern“-Mitarbeiterin waren nach Darstellung des Blattes kein Einzelfall. Die Autorin Laura Himmelreich habe den FDP-Politiker ein Jahr lang immer wieder begleitet und dabei die Erfahrung gemacht, dass Brüderle fast bei jeder Begegnung ähnliche Bemerkungen gemacht habe, sagte „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn am Sonntag in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. „Sie hat ein Bild eines Mannes gezeichnet, der ein Problem im Umgang mit Frauen hat, mindestens verbal.“

Osterkorn verteidigte die Veröffentlichung des Artikels genau nach der Ernennung Brüderles zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, obwohl die darin beschriebenen Vorgänge schon gut ein Jahr zurücklagen. „Das, finde ich, ist ein richtiger Anlass, so einen Artikel, das Substrat aus einer einjährigen Begleitung, dann zu veröffentlichen.“

Brüderle hatte am Sonntag in Düsseldorf bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe eisern geschwiegen. Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ halten allerdings 90 Prozent der Bürger eine Entschuldigung für angemessen, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

Niebel: „Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun"

Führende FDP-Politiker stellten sich inzwischen hinter den Fraktionsvorsitzenden. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel kritisierte die Journalistin Himmelreich. „Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom "Stern", die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet“, sagte er in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun.“ Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich.

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe), die Brüderle zugeschriebenen Zitate seien nicht sexistisch. „Deswegen wird die Schmierenkomödie nicht weiter verfangen.“ Auf die Frage, ob der 67-jährige Frontmann der Liberalen im Bundestagswahlkampf bleiben könne, sagte Generalsekretär Patrick Döring am Montag in Berlin: „Aber selbstverständlich.“ Die FDP werde sich jetzt auf Inhalte konzentrieren.

Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin sagte in der Sendung „Günther Jauch“, die Diskussion sei inzwischen weit entfernt von Brüderle und der Frage, ob der Artikel korrekter Journalismus gewesen sei oder nicht. „Und ich finde es auch gut, dass sie sich weit entfernt hat, weil die Diskussion an sich wichtiger und größer ist als die FDP und der eigentliche Anlass.“ Es gebe möglicherweise unterschiedliche Befindlichkeiten bei Äußerungen, wie sie Brüderle zugeschrieben werden. „Wer Rainer Brüderle kennt, kennt seine saloppe Ausdrucksweise“, sagte Koch-Mehrin.

Geißler: "Niemand wird derart diskriminiert wie die Frauen"

Anne Wizorek, die im Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Schlagwort (Hashtag) #Aufschrei eine deutschlandweite Debatte über Sexismus im Alltag ausgelöst hat, sagte, die Aktion habe gezeigt, dass viele Männer die Realität von Frauen gar nicht kennen. Viele Männer hätten schockiert festgestellt, wie viele Übergriffe auf Frauen heute noch stattfinden. „Das ist für sie eine andere Realität. Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft. Und insofern ist das für Frauen der Alltag.“ Die bislang 60.000 Tweets zeigten, welches Redebedürfnis da sei, „und dass da wirklich ein Knoten geplatzt ist“.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagte in der „Passauer Neuen Presse“ vom Montag, es handele sich um eine überfällige und notwendige Debatte. „Es gibt mehr Frauen als Männer auf der Welt, aber kein Teil der Weltbevölkerung wird derart entrechtet und diskriminiert wie die Frauen. Bei uns in Deutschland gibt es immer noch Rudimente dieser Diskriminierung, die jetzt endlich abgebaut werden müssen.“ Das bedeute, dass Frauen den selben Lohn wie Männer bei gleicher Arbeit bekommen müssten. „Wir brauchen auch die Quote.“

dpa

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