Kampf gegen den Blutkrebs verloren

Guido Westerwelle: Was bleibt, ist die Liebe

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Ein Foto von Guido Westerwelle steht am 18.03.2016 auf einem Tisch neben einem Kondolenzbuch im Eingangsbereich des Thomas-Dehler-Haus in Berlin.

Köln - Am Freitag verlor Westerwelle den Kampf gegen den Krebs. Er starb in der Uniklinik Köln im Alter von nur 54 Jahren. Deutschland trauert.

Es begann als harmloser, stechender Schmerz im Knie. Beim Joggen auf Mallorca, der Lieblingsinsel von Guido Westerwelle. Der stechende Schmerz stellte sich als Meniskusriss heraus. Eine Operation war die Konsequenz. Doch was dann kam, veränderte das Leben des ehemaligen Außenministers schlagartig. Ein einfacher Bluttest brachte die Schreckensdiagnose: Leukämie! Das war im Frühsommer 2014. Am Freitag verlor Westerwelle den Kampf gegen den Krebs. Er starb in der Uniklinik Köln im Alter von nur 54 Jahren.

Noch im November gab sich der einst so ausdrucksstarke Politiker kämpferisch. „Ich wollte und will unbedingt weiterleben“, sagte er im Interview mit dem Spiegel. Er schrieb ein Buch über seine Krankheit – nannte es ein „Lebensbuch“ und kein „Krankheitsbuch“. Der Titel Zwischen zwei Leben. Zwei Leben, die unterschiedlicher nicht hätten sein können…

Geboren 1961 machte Westerwelle nach Realschule, Abitur und Studium der Rechtswissenschaften samt Doktortitel schnell in der Politik Karriere – seine eigentliche Berufung. 1994 stieg er zum Generalsekretär und 2001 zum Bundesvorsitzenden der FDP auf, die er 2009 zur Regierungspartei machte. Er selbst wurde Außenminister. Ein Leben auf der Überholspur. In diesen Jahren bekannte er sich zu seiner Homosexualität, präsentierte 2004 am 50. Geburtstag von Angela Merkel stolz seinen Partner, den Sportmanager Michael Mronz. Der 49-Jährige war die Liebe seines Lebens und bis zum Ende an seiner Seite. Kurz nach Westerwelles Tod war auf der Homepage der Stiftung des FDP-Politikers zu lesen: „Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt“. Daneben ein Bild von Westerwelle und Mronz. Lachend. Glücklich.

Das zweite, viel kürzere Leben begann nur ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus der Politik. Damals, im Frühsommer 2014, als er die verhängnisvolle Diagnose erhielt. Es folgte der Rückzug ins Private. Selten zeigte er sich, so wie beim CHIO in Aachen. Zwei Monate später kehrte er bewusst in die Öffentlichkeit zurück, als er seine emotionale Biografie vorstellte. Und diese Tage, sie schienen damals ein wenig an die alten Zeiten zu erinnern: ein Interview im Spiegel, ein emotionaler Auftritt in der Talkshow von Günther Jauch. Er war zurück, menschlich wie selten und berührte mit seiner Offenheit die Nation. Ja, er wirkte geschwächt, die lange Krankheit hatte an ihm gezehrt, und dennoch: Die Hoffnung, es würde wieder bergauf gehen, die Krankheit würde besiegt, sie war da.

Wenig später der Rückschlag. Westerwelle musste im Dezember erneut ins Krankenhaus. Einen geplanten Fernsehauftritt sagte er ab. Die Erklärung lieferte er bei Facebook selbst: „Im Rahmen meiner Behandlung ist durch eine Medikamentenumstellung ein stationärer Aufenthalt noch einmal notwendig geworden. Daher kann ich heute Abend leider doch nicht dabei sein, aber die Gesundheit geht vor.“ Es ist der letzte Eintrag auf seiner Seite …

Mit dem Tod hatte sich Westerwelle nach der Diagnose früh befasst. Grund war die Besonderheit der Krankheit, die akute myeloische Leukämie, einem Blutkrebs der besonders schlimmen Art. Im Spiegel-Interview gab er zu, der Gedanke an das Ende sei sofort da gewesen: „Sie sitzen da, vergießen Tränen, Sie sind sehr traurig, und die Wahrscheinlichkeit ist ja nicht so groß, dass man diese Art von Leukämie überlebt.“ Der Krebs könne jederzeit explodieren. „Und dann stirbste.“

Dominik Laska

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