"Guttenberg-Comeback nicht schlau eingefädelt"

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Karl-Theodor zu Guttenberg

Brüssel - Karl-Theodor zu Guttenberg wird Berater der EU-Kommissarin Neelie Kroes. Die tz sprach mit K.-P. Schmidt-Deguelle, Politikberater und Staatssekretär a. D., über die Comeback-Show.

Waren Sie überrascht von der Nachricht, dass Karl-Theodor zu Guttenberg zum Berater der EU-Kommission ausgerufen wurde?

Politikberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle: Das ist schon überraschend, weil Guttenberg sich bisher nicht unbedingt als Europapolitiker ausgewiesen hat – als Außenpolitiker war er eher Transatlantiker. Im Verhältnis zu den Aktivitäten, die er in letzter Zeit entfaltet hat, ist dieses Angebot allerdings seriöser. Es gibt nichts daran auszusetzen, wenn jemand als Berater für die EU-Kommission tätig ist. Das sind andere auch, zum Beispiel Herr Stoiber. Über Guttenbergs Kompetenz, was Internet und Blogger angeht, kann ich nichts sagen. Das Gebiet wäre vielleicht eher etwas für seine Frau gewesen.

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Gehört der Auftritt in Brüssel zu den Stationen des inszenierten Gutti-Comebacks?

Schmidt-Deguelle: Es dauert jedenfalls einige Zeit, bis man so etwas eingefädelt hat. Ich vermute, dass Herr Stoiber da mitgeholfen hat. Aber eine Beraterfunktion bei der EU-Kommission passt nicht zu dem Interview, das er in der Zeit gegeben hat, sie passt nicht zu dem Buch Vorerst gescheitert: Das war eine Nicht-erklärung dessen, was er vorher gemacht hat. Eine glaubwürdige Entschuldigung hat er bis heute nicht geliefert. Mit der Abrechnung mit seiner Partei hat er sich keinen Gefallen getan. Es mehren sich die Stimmen auch aus der CDU, er möge nicht zurückkommen. Seehofer hat sich zwar nicht so apodiktisch geäußert, aber auch er war sehr kritisch. Guttenberg hat in den eigenen Reihen viel verspielt.

Wie ist die EU-Kommissarin Neelie Kroes einzuschätzen?

Schmidt-Deguelle: Ihr wurde immer Industrienähe unterstellt. Es hieß auch, dass sie manche bevorzugt hat – ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Es ist jedenfalls nicht unbedingt die erste Adresse, wenn man eine politische Rückkehr plant.

Ist die Position in Brüssel als Sprungbrett geeignet?

Schmidt-Deguelle: Eine Kandidatur fürs Europaparlament auf der CSU-Landesliste wäre vielleicht eine Lösung, wenn die CSU ihn nicht unbedingt in Bayern oder in der Bundespolitik sehen will. Aber das wäre nicht das Comeback, das er sich selber erhofft hat und das, was ihm die CSU unmittelbar nach seinem Rücktritt in Aussicht gestellt hat.

War sein Comeback-Versuch schlau eingefädelt?

Schmidt-Deguelle: Nein, es war nicht vom Ende her gedacht und nicht strategisch genug geplant. Auch diese Beraterposition, in der er ja als Mitglied eines amerikanischen Thinktanks auftritt, ist doch eine krumme Lösung. Wenn er eine solche Krücke braucht, um sich in Europa zu etablieren, ist das eher fragwürdig.

Wann sollte Guttenberg nach Deutschland zurückkehren?

Schmidt-Deguelle: Ich würde ihm raten, nicht schon in nächster Zukunft wieder in die erste Reihe zu drängen. Er sollte warten und sich noch ein paar andere Betätigungsfelder suchen, aus denen er seriöse politische Botschaften senden kann. Er braucht sehr viel mehr Zeit, um wieder ernst genommen zu werden, als er selber glaubt.

Interview: Barbara Wimmer

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