Guttenberg: Comeback missglückt, Buch top

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Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen neuen Look

München - Die Resonanz auf die Inszenierung des Comebacks von Karl-Theodor zu Guttenberg bewegt sich zwischen mau und vernichtend. Parteichef Horst Seehofer ist genervt. Immerhin: Guttis Buch verkauft sich. 

Der Herder-Verlag schwärmt vom überwältigenden Interesse an dem Buch, das zum Preis von 19,99 Euro ein „Streitgespräch“ des Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit dem ehemaligen Verteidigungsminister verspricht. Schon wenige Tage vor dem Verkaufsstart sei ein Großteil der Start­auflage von 80 000 Exemplaren des Guttenberg-Buchs von Händlern gekauft oder von Lesern vorbestellt worden.

Auf die tz-Anfrage, ob auch der Interviewpartner zu Guttenberg ein Honorar für den Bestseller bekommt, wollten weder der Verlag noch di Lorenzo antworten: Dies so wie die Höhe des Honorars sei eine „Vertragsangelegenheit“, die die Öffentlichkeit nichts angehe.

Für die Erstellung des 208-Seiten-Interviews gingen die Herren di Lorenzo und zu Guttenberg in einem Londoner Hotel in Klausur. Es galt, den Fall des Dissertations-Abschreibers aufzuarbeiten. Es darf unterstellt werden, dass Guttenberg mit der Publikation des Buches auch Hoffnungen auf einen neuerlichen Aufstieg verbindet. Reumütig äußert er sich über seine „wissenschaftlichen Fehler“, spricht von der „denkbar größten Dummheit meines Lebens“. Den Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung, den die Uni Bayreuth erhoben hat, weist er aber entschieden zurück. „Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen.“

Sein Rücktritt im März 2011 sei zwar so nicht geplant gewesen, räumt Guttenberg ein. Er habe aber nie vorgehabt, sein Amt als Verteidigungsminister bis 2013 auszuüben, um sich nicht zu sehr vom Politikbetrieb vereinnahmen zu lassen. Das habe er Kanzlerin Merkel Ende 2010 mitgeteilt. Damals war der CSU-Mann auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere, wurde als Kanzlerkandidat gehandelt.

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Welchen Weg der Gestürzte jetzt einschlagen will, sagt er nicht. Das wird auch von der Reaktion der früheren (Partei-)Freunde abhängen. Angebote aus der Wirtschaft, lässt er durchblicken, habe er genug – „auch aus der akademischen Welt“.

Der Ex-Minister hat sich verändert, zumindest äußerlich. Überrascht stellt di Lorenzo fest: „Ich vermisse die ganze Zeit Ihre Brille, ich kenne Sie gar nicht ohne.“ Noch überraschender ist die Erklärung dafür. „Böse Zungen werden sagen, jetzt ist er so eitel, dass er sich auch noch seine Augen hat richten lassen,“ vermutet Guttenberg. Dabei braucht er gar keine Brille! Eine Erkenntnis, die er „einer reizenden indischen Ärztin“ zu verdanken habe. Der Verdacht ist aber ein ganz anderer, wie Spiegel-online vermerkt: nämlich dass Guttenberg während seiner Politkarriere eine Brille getragen habe, „um seriöser zu wirken als er ist.“

Weniger zur Seriosität des Barons wird der Kinofilm beitragen, den Produzent Nico Hoffmann über die Gutti-Affäre drehen will. Falls das Projekt realisiert wird, müsste der Freiherr nochmal sehr tapfer sein. Hoffmann wil die Guttenberg-Story im komödiantischen Schtonk-Stil verfilmen. „Muss das auch noch sein,“ hat sich Guttenberg zuerst gedacht, als er davon erfuhr, sich aber dann doch entschlossen, die Sache mit Humor zu nehmen.

Barbara Wimmer

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