„Ich war dumm und plump“

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Karl-Theodor zu Guttenberg

Hof/München – Der erste Schritt auf dem Rückweg ist getan: Karl-Theodor zu Guttenberg hat die 20 000 Euro Geldauflage nach seiner Plagiatsaffäre überwiesen. Nun bemüht er sich, seine Kopie-Dissertation irgendwie zu erklären.

Er ist nun nicht vorbestraft, ohne Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis, muss nicht in ein peinliches Gerichtsverfahren. Aber eine große Frage schwebt noch immer über Karl-Theodor zu Guttenberg: Hat er seine plagiierte Doktorarbeit selbst zusammengebastelt oder waren bezahlte Mitarbeiter am Werk?

Mit einem 200-Seiten-Interview-Buch, Auszüge vorab heute in der „Zeit“, will der gefallene CSU-Minister die These erhärten, er sei allein schuld. „Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst“. Erstmals schildert er präzise seine Version, wie es zu den seitenweise plagiierten Passagen kam. „Ich habe für jedes Kapitel eine Diskette angefertigt, ich habe unterschiedliche Ordner angelegt, ich habe über die Jahre hinweg auf vier unterschiedlichen Computern gearbeitet, die an unterschiedlichen Orten waren.“ Sogar im Flugzeug habe er an der Dissertation gewerkelt und Texte übersetzt. Auf 80 Datenträger habe sich das summiert.

Am Ende fügte Guttenberg nach seiner Darstellung die Textteile aneinander, übersah dabei „unter Zeitdruck“, welches seine und welches die laut Justiz 23 fremden Passagen waren. „Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich bereits gearbeitet hatte.“ Eigentlich, so stellt er fest, „war das eine Patchworkarbeit“. Und fügt an, das war „plump und dumm“. Sein Krisen-Management bis zum Rücktritt im März bezeichnet er inzwischen selbst als „verheerend“.

Die digitale Schnipsel-Variante gilt als eine Erklärung für den groß angelegten Pfusch. Eine andere, die sich als Gerücht hartnäckig hält: Der Multimillionär habe Mitarbeiter beauftragt, zumindest Teile der Dissertation zu verfassen. In der Landtags-SPD kursieren Namen, wer aus dem damaligen Umfeld in Frage komme. Hinter den Kulissen wird recherchiert. SPD-Spitzenkandidat Christian Ude deutet an, womöglich sei Guttenberg so glimpflich davongekommen, weil er beim „Abschreiben gar nicht so intensiv persönlich befasst war, wie man gemeinhin angenommen hat“. Sollte sich Guttenbergs Festlegung, selbst das Werk zusammenkopiert zu haben, als Lüge erweisen, wäre er politisch wohl endgültig erledigt.

Guttenberg: "Ich schließe nichts aus"

Vorerst aber bastelt der einstige CSU-Superstar an einem Comeback. Er hat sein Äußeres verändert, trägt Kontaktlinsen und weniger Gel im Haar; auch das Essen im amerikanischen Exil scheint ihm zu schmecken. „Ich schließe nichts aus“, sagt er über die Rückkehr auf die Polit-Bühne. Mit Sicherheit werde er nach Deutschland zurückkommen und „ein politischer Kopf bleiben“. Ein „zoon politikon“ nennt er sich sogar – ein kleines Plagiat bei Aristoteles.

Als wichtiges Datum für ihn gilt das Wahljahr 2013. Etliche Monate vor der Wahl im Herbst müsste er sich von seinen oberfränkischen Parteifreunden wieder als Kandidat aufstellen lassen, falls er ein Bundestagsmandat anstrebt. Für einen Ministerposten in München oder Berlin wäre das nicht nötig.

CSU-Chef Horst Seehofer, dem mit Ex-Minister Georg Fahrenschon jüngst ein weiteres Talent verloren ging, heißt Guttenberg jedenfalls „willkommen“. Den Zeitpunkt solle der 39-Jährige aber selbst bestimmen.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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