Guttenberg verzichtet vorerst auf  Doktortitel

Berlin - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird seinen Doktortitel zunächst nicht weiter führen, bis die Plagiatsvorwürfe gegen seine Dissertation geklärt sind.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) versucht in der Plagiats-Affäre den Befreiungsschlag: Nach den Schummelvorwürfen um seine Doktorarbeit führt der unter Druck stehende Verteidigungsminister vorerst seinen Doktortitel nicht und entschuldigt sich. Er tritt aber nicht zurück. Das teilte Guttenberg am Freitag in einer Stellungnahme mit, von der er einen Großteil der Medien ausschloss. Zugleich wurde ein neuer Anschlag in Afghanistan bekannt, bei dem ein deutscher Soldat ums Leben kam.

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Guttenberg will sich bis zum Abschluss der Untersuchungen durch die Universität Bayreuth nicht mehr Doktor nennen. Er wehrte sich entschieden: “Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir“, sagte er. “Sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.“ Zu keinem Zeitpunkt sei aber bewusst getäuscht oder der Urheber nicht genannt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärkte ihm den Rücken.

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Der 39-Jährige entschuldigte sich: “Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid.“ Den Doktortitel wolle er nur bis zum Ende der Untersuchungen in Bayreuth nicht verwenden. “Anschließend würde ich ihn wieder führen.“ Er betonte: “Die Menschen in diesem Lande erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch.“ Als Beispiel nannte er den neuen Todesfall am Hindukusch.

Anschlag auf Bundeswehr-Soldaten

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurden bei dem Anschlag im Bundeswehr-Außenposten “OP North“ in der Provinz Baghlan am Freitag ein Soldat und neun weitere verletzt. Ersten Berichten zufolge eröffnete ein Afghane, der die Uniform der afghanischen Armee trug, das Feuer. Das Motiv des Mannes war zunächst unklar. Erst einen Tag zuvor hatte Guttenberg das Lager besucht. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 kamen insgesamt 46 deutsche Soldaten ums Leben.

Der Schütze soll mit Handwaffen bewaffnet gewesen sein. Unklar war, ob er ins Lager eindringen konnte oder von außerhalb auf die deutschen Soldaten schoss. Weil das Lager im Moment ausgebaut wird, befinden sich dort zahlreiche afghanische Lagerarbeiter und Soldaten.

Guttenberg war seit Mittwoch wegen der Plagiatsvorwürfe unter starken Druck geraten. Die SPD fordert seinen Rücktritt. “Guttenberg sollte sich ein Beispiel an der Rücktrittsankündigung seines Showmaster-Kollegen Thomas Gottschalk nehmen“, sagte SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy “Handelsblatt Online“. Die Grünen verlangten eine Erklärung zu den Vorwürfen im Bundestag.

Plagiatsjäger listen im Internet inzwischen mehr als 80 Textstellen auf, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Im schlimmsten Fall kann dafür der Doktortitel aberkannt werden. Die Universität Bayreuth setzte Guttenberg am Donnerstag eine Frist von zwei Wochen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Kanzlerin Merkel (CDU) steht dennoch zu ihrem Verteidigungsminister. Sie habe “volles Vertrauen“, hieß es aus Regierungskreisen. Merkel hatte Guttenberg am Donnerstagabend ins Kanzleramt gebeten. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nahm Guttenberg in Schutz. “Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler“, sagte er im Deutschlandfunk.

Hauptstadtpresse empört

Guttenberg schloss bei der Erklärung einen Großteil der deutschen Medien aus. Die Hauptstadtpresse saß gleichzeitig in der Bundespressekonferenz (BPK). Die Journalisten protestierten gegen den Umgang des Verteidigungsministeriums mit den Medien und verließen fast alle den Saal.

BPK-Vorsitzender Werner Gößling rügte das Verfahren. “Wir empfinden es als Brüskierung, dass Sie zeitgleich mit der Regierungspressekonferenz nur “ausgewählten Medien“ eine von allen Seiten seit langem erwartete Erklärung gegeben haben“, schrieb er an Guttenberg. In der CSU und im Verteidigungsministerium wurde argumentiert, Guttenberg habe wegen des Todesfalls in Afghanistan im Ministerium bleiben wollen.

Unterdessen wurden gegen Guttenberg zwei Strafanzeigen gestellt. Bei der ersten gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky. Bei der zweiten Strafanzeige gehe es um den Vorwurf falscher eidesstattlicher Versicherung. Hier soll nicht ermittelt werden, da die Promotionsordnung der Jura-Fakultät keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsehe.

dpa

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