Haderthauer fordert Betreuung für Hartz-IV-Familien

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Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer ( CSU).

Fürth - Um die Jobchancen von Hartz-IV-Betroffenen zu verbessern, brauchen auch deren Familien Hilfe. Sozialministerin Haderthauer fordert daher eine intensive Betreuung der ganzen Familie.

Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) hat sich für eine Intensivbetreuung von Hartz-IV-Familien ausgesprochen. Nur wenn es gelinge, etwa Schulden- und Wohnungsprobleme der Familie in den Griff zu bekommen, hätten arbeitslose Väter und Mütter eine realistische Chance auf dem Arbeitsmarkt, sagte sie am Dienstag in Fürth. “Wir müssen Arbeitslose stärker in ihren sozialen Zusammenhängen sehen“, sagte sie.

Entsprechende bundesweite Pilotprojekte in Nürnberg und Fürth seien ermutigend, betonte die Ministerin. Mit finanzieller Unterstützung des Freistaats und der Bundesagentur für Arbeit bieten die Jobcenter der beiden Städte Hartz-IV-Familien neben der Jobvermittlung eine umfassende Sozial- und Kinderbetreuung an. Sie gehe davon aus, dass die beiden zunächst auf drei Jahre befristeten Projekte verlängert werden, sagte Haderthauer.

In einer ersten Bilanz ein Jahr nach dem Start der beiden sogenannten Tandem-Projekte betonte Haderthauer: “Meine Hoffnung, das bei dem Projekt ganz individuell auf die Familien eingegangen werden kann, hat sich erfüllt.“ Inzwischen seien die ersten Teilnehmer des Projekts in feste Stellen vermittelt. Es sei besser, jemand für befristete Zeit aufwendig zu betreuen als ihn 20 Jahre in der Arbeitslosigkeit zu belassen, betonte die Politikerin.

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Bestärkt in ihrer Haltung habe sie die Reaktion einer Projekt-Teilnehmerin, die ihr am Dienstag vor dem Projektbüro erklärt habe: “Frau Haderthauer, seit ich wieder eine Arbeit habe, ist mein Sohn richtig stolz auf mich“. Dies mache deutlich, wie wichtig es sei, dass Kinder ihre Eltern nicht jahrelang arbeitslos erlebten. Dank eines aus Projektmitteln finanzierten Schwimmkurses könne ihr Sohn jetzt außerdem am schulischen Schwimmunterricht teilnehmen, von dem er früher ausgeschlossen gewesen sei.

Die “Tandem“-Projekte in Nürnberg und Fürth hatten die beiden Städte zusammen mit dem bayerischen Arbeitsministerium und den örtlichen Jobcentern nach dem Niedergang des Versandhauses Quelle entwickelt. Sie waren Teil eines 100-Millionen-Hilfspaktes des Freistaats, mit dem ein sozialer Abstieg beider Städte verhindert werden sollte. In Fürth sollen bis Juni 2013 rund 150, in Nürnberg 600 Familien entsprechend gefördert werden.

Anders als bei der normalen Betreuung von Hartz-IV-Familien arbeiten die örtlichen Jobcenter weitaus enger mit den örtlichen Jugend- und Sozialämtern zusammen. Fachleute helfen beim Abbau von Schulden, bieten Erziehungsberatung an, ermuntern bei Bedarf zu psychologischer Betreuung. Die arbeitslosen Elternteile sollen mit Fortbildungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobs für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Um die Familien aus ihrer Isolation zu holen, unternehmen die Betreuer mit diesen zudem Ausflüge und bieten Familienfrühstücke an.

dpa

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