Ein Nachruf

Hans-Dietrich Genscher ist tot: Abschied vom Grenzöffner

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Hans-Dietrich Genscher im September 2014 auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag.

München - Zum Tod von Hans-Dietrich Genscher: Ein Nachruf auf den Grenzöffner von 1989.

Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt, Egon Bahr – und jetzt Hans-Dietrich Genscher… Am Donnerstag ist der 89-jährige „ewige Außenminister“ im Kreis seiner Familie in seinem Haus in Wachtberg-Pech (bei Bonn) an Herz-Kreislaufversagen verstorben. Genscher hatte vor einigen Wochen eine Wirbelsäulenoperation, von der er sich nicht mehr erholen konnte.

So viele der großen Politiker, die die Geschichte der Bundesrepublik jahrzehntelang prägten, haben uns in den letzten Monaten verlassen. Mit ihnen ist auch ein Stück deutsche Geschichte von uns gegangen – und eine Politker-Generation, die für klare Grundsätze stand. Das durfte der tz-Autor selbst ein letztes Mal miterleben, als Genscher im November 2014 zusammen mit dem Kabarettisten Ottfried Fischer in der München auftrat: Genscher wurde im Rollstuhl in den Kaisersaal der Residenz gefahren, laborierte gerade an einem Brustwirbelbruch. Doch als er auf dem Podium stand, war nichts mehr von einem gebrechlichen alten Mann zu spüren. Voller Feuer, Witz und Leidenschaft laß er der Bundesregierung die Leviten, weil sie es zugelassen habe, dass eine „neue ideologische Mauer“ zu Russland gebaut werde. Bei seinen letzten Auftritten war immer wieder diese Sorge zu spüren, dass die heutige Politiker-Generation das Europa zerstören könnte, dass er und seine Amtskollegen aufgebaut hatten.

Hans Dietrich Genscher: Er prägte die deutsche Politik als Außenminister  

18 Jahre lang hatte Genscher als Außenminister die deutsche Politik geprägt. Er war der Grenzöffner, in dessen Amtszeit die Mauer fiel. Im Kalten Krieg galt der „Genscherismus“ eine Zeit lang als eigene politische Doktrin: zunächst geschmäht als deutsche Schaukelpolitik zwischen Ost und West, dann gelobt als eine der Grundlagen für den Wegfall der Grenzen in Europa.

Genscher war 1987 einer der ersten, die den sowjetischen Reformer Michail Gorbatschow beim Wort nehmen wollten – lange Zeit vor dem eigenen Kanzler, Helmut Kohl.

Der gelbe Pullunder wurde zum Markenzeichen des Politikers, der jahrelange die Beliebtheitsskala anführte. Er war der „Genschman“, der so häufig um die Welt jettete, dass er sich bei einen der Flüge einmal selbst begegnet sei – so ein damals beliebter Witz über den ewigen Außenminister.

Aber der damalige FDP-Chef wurde auch als Wendehals kritisiert, da er 1982 den Wechsel seiner Liberalen aus der Koalition mit der SPD hin zur Union maßgeblich vorangetrieben hatte – gegen erheblichen Widerstand des linken Parteiflügels.

In den letzten Monaten war Genscher nach Angaben seines Büros schon bettlägrig gewesen. Auf die Frage, ob er Angst vor dem Tod habe, antwortete Genscher am 10. Dezember 2015 der Bunten: „In meinem Alter beschäftigt man sich zwangsläufig damit – und eher mehr als weniger.“ Aber als „Christ bin ich vorbereitet – und weiß wovon ich rede“.

Trauer um Hans-Dietrich Genscher

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Klaus Rimpel

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