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Long-Covid-Talk in ARD: Plasberg stellt „blöde“ Frage - Eckart von Hirschhausen wütend

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Die Talkrunde bei hart aber fair (ARD)
Die Talkrunde bei „hart aber fair“ (ARD). © ARD (Screenshot)

In „Hart aber Fair” spricht Frank Plasberg mit seinen Gästen über Long Covid, kein Corona-Ende und Erwartungen an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Köln – Moderator Frank Plasberg stellt der Runde die Frage, die viele Menschen beschäftigt: „Corona und kein Ende?” Grundlage für die Diskussion ist eine Dokumentation, die vor „Hart aber Fair” ausgestrahlt wurde: Der Arzt und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen sprach darin mit Menschen, die an Long Covid leiden – vor allem solche, die im Gesundheitswesen arbeiten. Plasberg will von Hirschhausen wissen, warum ein Patient, der einen normalen oder schwachen Verlauf hatte, derart krank wird. Hirschhausen: „Das ist ein Stück weit immer noch ein Rätsel“. Da jeder Körper anders auf das Coronavirus reagiere, sei der Verlauf sehr schwer vorhersehbar. Es könne auch junge Menschen erwischen, das dürfe man nicht unterschätzen.

Hart aber fair (ARD): Eckart von Hirschhausen wütend über Umgang mit Pflegepersonal

Plasberg hakt nach: Er wisse, das sei jetzt eine blöde Frage, aber wie lange könne Covid-19 dauern? Hirschhausen: „Es gibt mehrere Etappen, die auch in den Leitlinien beschrieben sind.“ Er geht von vier bis acht Wochen aus und erläutert: „Die Patientin, über die wir da sprechen, hat über ein Jahr lang auf den Therapieplatz warten müssen.“ Es mache ihn besonders wütend, dass sich gerade Menschen in Gesundheitsberufen beim Dienst am Menschen angesteckt haben. Plasberg erkennt: „Das war ja auffällig in der Dokumentation. Da waren Krankenschwestern, Physiotherapeuten, eine Rehaklinikleiterin - alle in der ersten Welle angesteckt. Das war ja kein Zufall?” Von Hirschhausen stimmt zu und kritisiert, dass man das Pflegepersonal in der ersten Welle alleine gelassen habe und jetzt das zweite Mal. Intensivmediziner Dr. Uwe Janssens ergänzt, dass man zu Beginn der Pandemie keine Hilfsmittel, wie Schutzausrüstung, gehabt habe. „Da war das Klatschen leider Gottes sehr schön, aber es war kein ausreichender Schutz”, so der Arzt.

Plasberg richtet an die beiden Mediziner Eckart von Hirschhausen und Uwe Janssens die Zuschauerfrage, ob eine Impfung vor einer Erkrankung schütze. Hirschhausen meldet sich zu Wort: „Einfach das ,Ja!‘, die Impfung schützt vor den schweren Verläufen und auch vor Long Covid.“

Hart aber fair (ARD): Nelson Müllers Freund trotz Impfung in Klinik

Spitzenkoch Nelson Müller erläutert seinen Umgang mit Corona. Er ist Asthmatiker und hatte Corona. Er hält es für wichtig, solche Dokumentationen zu zeigen. Müller erzählt von einem Freund, der mit Corona in der Uniklinik Essen liegt und über Instagram und Facebook die Leute an seinem Leiden teilhaben lässt. Plasberg lehnt sich weit aus dem Fenster: „Ich überleg’ gerade, ob die Frage angebracht ist, ich frage Sie einfach: Ist der geimpft, ihr Freund oder nicht geimpft?“ Müller: „Tatsächlich zweimal geimpft, hatte aber eine Vorerkrankung.“ Das sei dann natürlich immer so eine Sache. „Das gibt’s natürlich auch, leider.“

Plasberg fragt die DLF-Journalistin Katharina Hamberger, wie die Corona-Strategie mit der neuen Bundesregierung durch einen radikalen Neuanfang besser laufen könne. Hamberger: Das sei die große Herausforderung, die vor dieser Ampelkoalition liege. Es müsse sich auch in den nächsten Monaten ändern, dass die Bundesländer mehr an einem Strang zögen.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten am 4. Oktober:

Plasberg lenkt das Gespräch auf den neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Der Bremer Bürgermeister Bovenschulte begrüßt die Entscheidung für seinen SPD-Genossen Lauterbach, gesteht aber ein: „Selbst Karl Lauterbach kann das Virus nicht wegzaubern.“ Er sei das Beste, das uns in der Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt passieren könne, sagt er und hebt dessen fachliche Expertise hervor. Lauterbach sei in der Lage, nicht nur auf die akute Situation zu reagieren, sondern auch strukturelle Fragen anzugehen. Mediziner Janssens hebt hervor: „Das haben wir jetzt mal dringend gebraucht.“ Hirschhausen begrüßt Lauterbach auf seine charmant-witzige Art: „Ich habe mich für unsere Demokratie gefreut, dass Kompetenz kein Hindernis ist für eine politische Karriere.“

Moderator Plasberg möchte von Müller als Unternehmer mit etwa 30 Mitarbeitern wissen, ob er in seinen Restaurants etwas von Hilflosigkeit, Erschöpfung und Müdigkeit merke. Müller: „Ich erleb‘ das an mir selber, ich erleb‘ das auch in meinem Unternehmen an meinen Mitarbeitern, einfach die ganze Situation, die Ungewissheit.“ Er berichtet von Planungsunsicherheit, gerade was zum Beispiel Weihnachtsfeiern betreffe, aufgrund des politischen Zickzackkurses. Er habe seine Restaurants bewusst zu Weihnachten und Silvester geschlossen.

Plasberg fragt Müller nach Schuldigen. Dieser sieht die vielen Menschen, die im Sommer von einem Ende der Pandemie ausgegangen waren in der Verantwortung, Hamberger die Politiker, die trotz Expertenwarnungen nicht reagiert hätten.

Eckart von Hirschhausen: “Kompetenz ist kein Hindernis für eine politische Karriere”

Bovenschulte verteidigt die Politik und erklärt die Bremer Impfkampagne. Plasberg lobt mit einem Einspieler die hohe Impfquote in Bremen: „Darf ich Sie unterbrechen, Herr Bovenschulte, Sie sind ja Hanseat und es ist ganz schwierig sich selbst zu loben. Dürfen wir Sie loben?” Der Politiker: „Obwohl wir so eine hohe Impfquote haben, müssen wir feststellen, dass wir trotzdem vorsichtig bleiben müssen.” Nach dem Einspieler fragt Plasberg, wie er das geschafft habe. Bovenschulte plaudert aus dem Nähkästchen. Plasberg ist nicht zufrieden und schreit mit heiserer Stimme in Richtung des Bremer Bürgermeisters: „Wie haben Sie das geschafft?” Bovenschulte erläutert konkret die Bremer „sehr gut zentral organisierte Impfkampagne von Beginn an”.

Gegen Ende der Sendung versucht die Runde vorsichtig, Impfverweigerer zu verstehen und debattiert über Verständnis den Nichtgeimpften gegenüber. Janssens kommt zu einem persönlichen Schluss: Die Ichbezogenheit in Deutschland sei eine ganz schlechte Voraussetzung für eine Pandemie. Er wendet ich an die Politik: Die neue Regierung müsse die Gesellschaft wieder zusammenführen und Vertrauen schaffen sowie klar kommunizieren. Auf Plasbergs Nachfrage kommt die Runde zu dem Fazit, dass die Ampel-Koalition klarer kommunizieren müsse, auch die Impfpflicht. Janssens spricht sich für diese aus. Eckart von Hirschhausen fügt hinzu: „Ich empfinde es als Körperverletzung, einen anderen Menschen mit seinen Aerosolen zu belästigen.”

„Hart aber Fair“ - Das Fazit der Sendung

Frank Plasberg zieht zusammen mit seinen Gästen an einem Strang, eine echte Debatte entsteht nicht. „Hart aber Fair” setzt auf viel Emotion, um die Schrecken der Corona-Pandemie aufzuzeigen. Von der neuen Bundesregierung hingegen erwartet sich die Runde mehr einheitliche Entscheidungen und eine klarere Kommunikation. Karl Lauterbach wird als neuer Bundesgesundheitsminister einhellig willkommen geheißen. Die Erwartungen an ihn sind hoch. Vor Kurzem verteidigte noch eine Philosophin Ungeimpfte bei „hart aber fair“ - und geriet deshalb mit Plasberg aneinander. (Michi Jo Standl)

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