Rede-Attacke bei "Hart aber fair"

AfD-Chefin Frauke Petry: Ein Auftritt zum Fremdschämen

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Seltener Moment des Zuhörens: AfD-Chefin Frauke Petry bei "Hart aber fair"

München - "Woher kommt der rechte Hass?" - unter diesem Motto hatte Frank Plasberg auch AfD-Chefin Frauke Petry zum „Hart aber fair“-Talk geladen. Das "auch" könnte man streichen, denn Petry quasselte ohne Ende und sorgte für Fremdschäm-Momente.

Es war ein Petry-Show mit Ansage. "Das ist keine AfD-Sendung", sagte ein etwas überfahrener Plasberg bereits nach wenigen Minuten Sendezeit, als sich Frauke Petry schon richtig warmgequasselt hatte. „Können wir gerne dazu machen, ich freue mich“, entgegnete die AfD-Chefin frech.

Gesagt, getan. Nichts wurde aus dem Plan, Frauke Petry vor laufenden Kameras zu entzaubern. Dafür hatte Frank Plasberg neben seinen Gästen auch Einspiel-Filme aufgefahren. Beispielsweise eine 15-minütige Reportage zum Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Niedersachsen. Kurz zusammengefasst: Die Täter führten unsägliche Chats mit Nazi-Parolen, hören Fascho-Musik, werfen einen Brandsatz in ein Flüchtlingsheim und fühlen sich trotzdem nicht als Rechtsradikale.

Zu wenig, um Petry in Verlegenheit zu bringen. Mit der Einschränkung, dass die AfD keine Gewalt dulde, war sie raus aus der Plasberg'schen Vorführnummer. Fragen nach Gewalt von rechts konterte sie mit angeblich zahlreichen „Anschlägen auf die Büros aller Parteien aber insbesondere meiner Partei“ durch Linksradikale. Frei nach dem Motto: Wenn Linke Farbbeutel aufs AfD-Büro werfen, dann sind ja Molotow-Cocktails auf Flüchtlingsheime auch drin.

Eklat um AfD-Mann Höcke: Entschuldigung reicht

Ihr "Meisterstück" lieferte sie ab, als ein mehr als befremdlicher Clip über Thüringens AfD-Sprecher Björn Höcke gezeigt wurde. Darin brüllte Höcke auf einer Demo „1000 Jahre Deutschland – ich gebe Euch nicht her“ ins Mikro. „Wenn Ihnen zu Ohren käme, der Geschichtslehrer Ihrer Kinder würde in der Schule so sprechen, was würden Sie als Mutter Ihrer Kinder dann unternehmen?“, wollte Plasberg wissen. Sie fände Höckes Stil "nicht immer gut". Die Anleihe (offensichtlich an Hitlers 1000-jähriges Reich) sei ebenfalls "nicht gut". Höcke habe sich entschuldigt. Deckel drauf fertig. Dass jeder Politiker einer anderen deutschen Partei auf solch eine Rede seinen Hut hätte nehmen müssen - geschenkt.  

Da hatten auch die anderen geladenen Gäste wie ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) eingesehen, dass sie mit Argumenten nicht gegen Petry ankommen. Und wenn sie ein Argument anbrachten, redete die AfD-Chefin notorisch dazwischen. Ausreden durfte keiner – außer ihr. Selbst Moderator Plasberg wirkte hilflos und scheiterte daran, die Petry-Show noch irgendwie zu stoppen.

Gut, dass Journalist Georg Mascolo im Studio war. Er erinnerte daran, dass schon vor der AfD rechte Parteien in Deutschland gefeiert haben – und sich dann selbst zerlegten. Aus Mangel an Konzepten und wegen innerparteilichen Streitereien. Und rückte damit die Sorgen über eventuell kommende Wahlerfolge der AfD wieder gerade.

Eines wenigstens wurde bei „Hart aber fair“ klar: Mit jemanden wie Frauke Petry will man nicht streiten. Wirklich nicht.

mb

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