„Isolationshaft ist Folter“

Das hat Deniz Yücel der ganzen Welt im ersten Interview aus Haft zu sagen

+
Deniz Yücel. 

Nach neun Monaten Haft ohne Anklage in der Türkei hat der Journalist Deniz Yücel sein erstes Interview gegeben. Gegenüber der „taz“ machte er der Türkei schwere Vorwürfe, sprach von „Folter“ und äußerte einen dringenden Wunsch. 

Deniz Yücel wirft der türkischen Justiz eine „Verschleppungstaktik“ vor. Er forderte in der „taz am wochenende“ (Samstagsausgabe): „Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen.“ Der deutsch-türkische Journalist, der seit Februar in Einzelhaft sitzt, sagte weiter: „Isolationshaft ist Folter. Auch wenn ich eigentlich guter Dinge bin, kann ich nicht absehen, welche langfristigen Folgen das haben wird.“

Yücel forderte den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg auf, zügig über seine Untersuchungshaft zu entscheiden. Der EGMR hatte der türkischen Regierung kürzlich eine letzte Fristverlängerung zur Abgabe einer Stellungnahme im Fall Yücel eingeräumt. Die ursprünglich am 24. Oktober abgelaufene Frist wurde auf Ersuchen Ankaras bis zum 28. November verlängert.

Yücel (44) wurde am 14. Februar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen, am 27. Februar wurde gegen ihn U-Haft verhängt. Das Gericht begründete das mit dem Verdacht der Terrorpropaganda und der Volksverhetzung. Eine Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft immer noch nicht vorgelegt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Schlechtester Wert seit 20 Jahren: Umfrage-Schock für die CSU
Schlechtester Wert seit 20 Jahren: Umfrage-Schock für die CSU
Putin und Pop im Platzregen: Darum war das kuriose WM-Ende politisch so vielsagend
Putin und Pop im Platzregen: Darum war das kuriose WM-Ende politisch so vielsagend
„Alkoholinda“: Böse Kritik am Verhalten von Kroatiens Präsidentin nach WM-Finale
„Alkoholinda“: Böse Kritik am Verhalten von Kroatiens Präsidentin nach WM-Finale
CDU überklebt Logo der CSU: So überlisteten die Aktivisten die Polizei - Partei erstattet Anzeige
CDU überklebt Logo der CSU: So überlisteten die Aktivisten die Polizei - Partei erstattet Anzeige

Kommentare