Wer wird Nachfolger von Joachim Gauck?

Bundespräsidentenwahl: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Frank-Walter Steinmeier erhielt Ende Januar aus der Hand von Bundespräsident Joachim Gauck seine Entlassungsurkunde als Außenminister. Steinmeier (SPD) gilt am Sonntag als haushoher Favorit bei der Wahl eines neuen Staatsoberhauptes.

Berlin - 1260 Wahlleute entscheiden heute, wer der neue Bundespräsident wird. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Bundespräsidentenwahl 2017.

Alle fünf Jahre steht unter normalen Umständen die Wahl des Bundespräsidenten an. Nachdem der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck erklärt hatte, für keine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen, schickten die verschiedenen politischen Lager ihre Kandidaten ins Rennen, die nun am kommenden Sonntag zur Wahl stehen.

Live-Ticker zur heutigen Bundespräsidentenwahl

Wenn heute die Bundesversammlung zusammentritt, um das neue Staatsoberhaupt zu wählen, informieren wir Sie in einem Live-Ticker laufend über das Geschehen, Zwischenergebnisse, Reaktionen und alle weiteren Neuigkeiten dieses außergewöhnlichen Wahltages in Berlin. Diesen finden Sie dann ebenfalls an dieser Stelle.

Wahl des Bundespräsidenten: Die heutige Bundesversammlung 

Die Zusammensetzung der 16. Bundesversammlung ergibt sich vor dem Hintergrund der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag und in den Bundesländern. Die 630 Bundestagsabgeordneten gehören heute ebenso dazu wie 630 Vertreter, die von den Parlamenten der Bundesländer entstand werden. Zu diesen entsendeten Vertretern gehören immer auch viele Prominente, die den Bundespräsidenten wählen.

Wahl des Bundespräsidenten: Wie läuft das heute ab?

Der Wahltag heute in Berlin beginnt andächtig: Um 9 Uhr ist eine ökumenische Andacht in der katholischen St.-Hedwigs-Kathedrale. Danach treffen sich um 11 Uhr die Fraktionen zu getrennten Sitzungen. Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnet um 12 Uhr die 16. Bundesversammlung. Um 12.15 beginnt laut Plan der erste Wahlgang. Nachdem es diesmal mit dem von der Großen Koalition unterstützten Kandidaten Frank-Walter Steinmeier eine klaren Favoriten gibt, dürfte es bei dem ersten Wahlgang bleiben. Die 1260 Wählerinnen und Wähler werden namentlich aufgerufen. Gegen 14 Uhr soll das Ergebnis verkündet werden. 

Wahl des Bundespräsidenten: Wer kandidiert heute?

Insgesamt stehen heute vier Kandidaten zur Wahl, die das politische Erbe von Bundespräsident Joachim Gauck antreten wollen. Gemeinsamer Kandidat von SPD, CDU und CSU ist Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der 61-Jährige hat sich in seinen zwei Amtszeiten als Außenminister international einen Namen gemacht.

Als Kandidat der Linken tritt Christoph Butterwege an. Butterwegge ist ein bekannter Armutsforscher und stellt die Sozialpolitik in den Vordergrund. Albrecht Glaser ist der Kandidat der AfD. Glaser war früher ein CDU-Mann. Auch die Freien Wähler schicken eine Kandidaten ins Rennen, nämlich den Juristen und Ex-TV-Richter Alexander Hold.

Wahl des Bundespräsidenten: Wo tritt die Bundesversammlung heute zusammen?

Die Wahl findet heute im Plenarsaal des Bundestages, im Reichstagsgebäude, in Berlin statt. Die erste Bundesversammlung fand 1949 noch im Bonner Bundeshaus statt. Das Reichstagsgebäude war erstmals bei der Wahl von Roman Herzog zum Bundespräsidenten im Jahr 1994 Schauplatz der Wahl - damals war der Bundestag von Bonn nach Berlin umgezogen.

Warum wird der Bundespräsident heute nicht vom Volk gewählt?

Eine große Mehrheit der Deutschen plädierte jüngst in einer Umfrage für eine Direktwahl des Bundespräsidenten. Bisher ist dies jedoch nicht vorgesehen. In der Verfassung ist das Procedere der Wahl durch die Bundesversammlung vorgegeben. Das Grundgesetz hat eine Direktwahl des Staatsoberhaupts auch wegen der schlechten Erfahrungen aus der Weimarer Republik ausgeschlossen. Damals ernannte der direkt gewählte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Wie lange war Joachim Gauck als Bundespräsident im Amt? 

Joachim Gauck hatte im Juni erklärt, er stehe aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Der 76-Jährige verkündete seine Entscheidung im Juni 2016 im Schloss Bellevue mit den Worten: „Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann.“ Der frühere Pastor in der DDR und ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde war 2012 als Nachfolger des zurückgetretenen Christian Wulff (CDU) ins höchste Staatsamt gewählt worden.

Joachim Gauck - vom Bürgerrechtler zum Bundespräsidenten

joachim gauck, bürgerrechtler, ddr, bundespräsident, rücktritt
Joachim Gauck wurde am 24. Januar in Rostock als Sohn eines Seemanns geboren. Er studierte Theologie, heiratete 1959 seine Freundin Gerhild, mit der er vier Kinder bekommt. Er wird Pastor und gehört zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung "Neues Forum" in der DDR (Bild, 1989). © dpa
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1990: Gauck wird Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer für das "Neue Forum". Gauck leitet den „Sonderausschuss zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit/Amt für Nationale Sicherheit“. 1991 wird er „Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“. © dpa
Joachim Gauck wird im Jahr 2000 für die Qualität seiner politischen Rhetorik mit dem Dolf-Sternberger-Preis ausgezeichnet. 
Joachim Gauck wird im Jahr 2000 für die Qualität seiner politischen Rhetorik mit dem Dolf-Sternberger-Preis ausgezeichnet.  © dpa
Ebenfalls im Jahr 2000: Die Journalistin Daniela Schadt (li.) wird Gaucks neue Lebenspartnerin. Seit 1991 lebt er von seiner Frau getrennt.
Ebenfalls im Jahr 2000: Die Journalistin Daniela Schadt (li.) wird Gaucks neue Lebenspartnerin. Seit 1991 lebt er von seiner Frau getrennt. © dpa
joachim gauck, bürgerrechtler, ddr, bundespräsident, rücktritt
Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler (CDU, li.) nominieren SPD und Grüne Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt. Im dritten Wahlgang unterliegt er dem CDU-Politiker Christian Wulff. © dpa
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Am Ziel: Nach Christian Wulffs Rücktritt wird Gauck als überparteilicher Kandidat am 18. März 2012 im ersten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt. © dpa
Noch 2012 besucht der Theologe Gauck Papst Benedikt XVI im Vatikan.
Noch 2012 besucht der Theologe Gauck Papst Benedikt XVI im Vatikan. © dpa
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Bittere Pleite: 2012 verliert der FC Bayern das Champions-League-Finale in der heimischen Arena. Gauck will trösten. Doch Bastian Schweinsteiger "verweigert" den Handschlag. Später entschuldigt sich der Fußballer. © dpa
Hoher Besuch: 2015 kommt Queen Elizabeth II. nach Berlin. Gauck empfängt das britische Staatsoberhaupt.
Hoher Besuch: 2015 kommt Queen Elizabeth II. nach Berlin. Gauck empfängt das britische Staatsoberhaupt. © dpa
Am 6. Juni 2016 erklärt Gauck, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen.
Am 6. Juni 2016 erklärt Gauck, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. © dpa

Video: Frank-Walter Steinmeier im Porträt

Julian Spies

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