Obacht, FJS spricht!

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Franz Josef Strauß in seinem Element hinter dem Rednerpult.

München – „Ungeheuer begabt“ und „geistiger Terrorist“: Es gibt nicht viel, was über Franz Josef Strauß, den großen CSU-Vorsitzenden, nicht gesagt worden ist. Die besten Zitate als 158 Minuten Hörbuchgenuss.

Mit „Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!“ fügt Autor Jürgen Roth Strauß’ rhetorische Finessen, seine Ausrutscher, seine Keulen, die Angriffe und Huldigungen seiner Gegner zu turbulenten und witzigen 158 Minuten Hörbuchgenuss zusammen. Ein Genuss für FJS-Verehrer und FJS-Gegner. Teilweise recht knarzige O-Töne, Zeitungszitate, Kommentare von Journalisten – und genialerweise Erinnerungen Gerhard Polts – werden zum Portrait einer streitbaren Polit-Ikone. Zum Portrait eines Mannes, der nicht einfach Reden hielt, sondern Worte peitschte. Dabei spart Jürgen Roth, der bereits Herbert Wehner und Helmut Schmidt Hörbücher widmete, auch die Dinge nicht aus, die zur Glorifizierung Strauß wenig taugen. Zum Beispiel, wenn FJS gegen „die pseudoliberale Negertrommel der Hamburger Blätter“ (Spiegel) oder die Demonstranten in Wackersdorf („Diese Brüder müssen einmal gehörig am Wickel genommen werden“) hetzt. Roth nimmt den Hörer mit durch die verrauchten Flure des Bonner Bundestags hinein in eine Zeit, als die Abgeordneten dort keine Reden hielten, sondern in den Ring stiegen. Spannend.

Historische Zitate des großen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß

„Politiker und Schauspieler haben manches gemeinsam. Ferner glaube ich, dass es in der Kunst der politischen Verstellung größere Meister gibt als mich“(Strauß über Strauß)

„Für mich war der Strauß immer eine wunderbare Figur fürs Kasperltheater“ (Gerhard Polt über Strauß)

„Was ich begrüße oder nicht begrüße, hat die Weltgeschichte noch nie besonders beeinflusst“ (Strauß nachdenklich)

„Das eine ist die mit allen Mitteln der psychologischen Kriegsführung seit Jahrzehnten gegen mich betriebene Kampagne, in der man einen Buhmann aufbauen wollte, und zum Teil aufgebaut hat, es sieht ja so aus als ob ich entweder schuhplattelnd, lederhosentragend nach einem Gegner suchend, mit einem Stilett im Mund, blutrünstige Schreie ausstoßend, mich durch Europa wälze oder durch Europa bewege oder was auch immer“ (Strauß)

„Er hat wie eine Eiche gelebt. Und er wurde wie eine Eiche gefällt“ (Joseph Ratzinger auf Strauß’ Beerdigung, 1988)

„Wer bestimmt denn heute das Gesicht der Jungsozialisten? Spinnerte Studenten, aus dem Leim geratene Akademiker, wildgewordene Pädagogen“ (Strauß über Jusos)

„Die Kröte mussten wir schlucken“ (Schmidt über Strauß)

„Lassen sie doch die arme Lederhose in Ruhe. Ich möchte nicht, dass ständig die Bayern geschmäht werden, weil wir uns nicht mit Strauß verstehen“ (Wehner über Strauß)

„Eine unerträgliche Belastung des Parlaments und der Demokratie“ (Strauß über Wehner)

„Scheißhausblatt“ (Strauß über den Spiegel)

„Ich weiß, es gibt einen großen Unterschied zwischen Helmut Schmidt und mir: Er ist der bessere Schauspieler und ich der bessere Politiker“ (Strauß über Schmidt)

„Lieber kalter Krieger als warmer Bruder“ (Strauß in der „Zeit“, 1970)

„Er war ein Genie, und er ist gescheitert“ (Friedrich Zimmermann auf Strauß’ Beerdigung)

„Dem ist die bayerische Volksseele so unbekannt, dass er am besten zu Hause bleibt. Der hält alle Bayern mehr oder weniger für Analphabeten, dieser auf dem Pegasus dahertrabende deutsche Oberdichter“ (Strauß über Günter Grass)

„Die Sowjetunion baut Kernkraftwerke mit einem Tempo, beinahe wie die Regensburger Metzger die Knackwürste produzieren“ (Strauß nach einem Besuch in der Sowjetunion)

„Ich bin weder Heiliger noch ein Dämon. Ich bin kein ausgeklügeltes Buch, sondern ein Mensch in seinem Widerspruch“ (Strauß über sich, 1977, Hamburger Abendblatt)

„Ich fahre gern Auto, vor allem Alpenpässe. Vielleicht können Tiefenpsychologen daraus Schlüsse ziehen“ (Strauß, 1967)

„Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp“ (Strauß, Wahlkampf Bundestagswahl 1983)

Zitate: „Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!“/ MM

Patrick Wehner

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