Weißbier in Brasilien: Bayern-Abend für Seehofer

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Auf seiner Brasilien-Reise wurde Horst Seehofer auch auf bayerisch begrüßt.

Sao Paulo - Horst Seehofer hat auf seiner Brasilien-Reise eine Mission: Er will sich in dem Boomland als oberster Fürsprecher der bayerischen Wirtschaft einsetzen - als Außenwirtschaftsminister sozusagen.

“Grüß Gott“, ruft Horst Seehofer im schwül-warmen Clube Hípico in São Paulo den mehreren hundert Gästen zu - und die Dolmetscherin übersetzt den Gruß hilfsbereit ins Portugiesische. Seehofer hat zum “Bayerischen Abend“ geladen. Es gibt Weißbier und Käse aus Bayern, und - wie es auf derlei Reisen schon Tradition ist - die Hinterberger Musikanten spielen auf. “Wir verstehen, feste zu arbeiten, aber auch Feste zu feiern“, sagt Seehofer gut gelaunt.

Im Zentrum seiner mehrtägigen Reise steht aber die Arbeit. Einen Abstecher nach Rio de Janeiro beispielsweise - wie ihn viele andere Delegationen aus Deutschland einplanen - gibt es für den Tross des bayerischen Ministerpräsidenten nicht. Er will sich auf die Konferenz der Regierungschefs der bayerischen Partnerregionen in São Paulo konzentrieren - und auf die zahlreichen Wirtschaftstermine in der größten Stadt des Landes. Und schließlich ist der Bundesstaat São Paulo der Motor der brasilianischen Wirtschaft: Auf die Region entfällt fast ein Drittel des gesamten Bruttoinlandsprodukts.

Das ist auch einer der Hauptgründe für diese Reise ins Boomland Brasilien: Seehofer will sich hier als oberster Fürsprecher der bayerischen Unternehmen einsetzen. Von Audi und BMW beispielsweise lässt er sich informieren, welche massiven Probleme die beiden bayerischen Autohersteller mit den drastisch erhöhten Steuern für Importfahrzeuge in Brasilien haben. Und bei Ministern des Bundesstaats São Paulo - etwa dem Minister für Logistik und Transport - lotet er aus, welche Chancen sich bayerische Unternehmen machen können, bei internationalen Ausschreibungen berücksichtigt zu werden.

Denn auch wenn São Paulo schon jetzt die Metropole mit den meisten deutschen Firmen außerhalb Deutschlands ist, und auch wenn schon jetzt 450 Unternehmen aus Bayern in der Region aktiv sind: Es winken hier auch weiter Milliarden-Aufträge. Beispielsweise sollen in der Region São Paulo allein in den kommenden vier Jahren mehr als 13 Milliarden Euro nur für den Straßenbau ausgegeben werden. Anlass für die massiven Investitionen sind auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele zwei Jahre später in Rio de Janeiro.

Seehofer nutzt die Brasilien-Reise außerdem für bilaterale Gespräche mit den Premierministern aus Bayerns Partnerregionen, die ebenfalls zu der Konferenz angereist sind. Und auch in diesen Gesprächen geht es um Chancen für bayerische Unternehmen im Ausland.

So können Unternehmen aus dem Freistaat beispielsweise auf lukrative Aufträge aus der kanadischen Provinz Québec hoffen: Seehofer unterzeichnet in São Paulo ein Abkommen mit dem Premierminister von Québec über gemeinsame Initiativen im Rahmen des sogenannten “Plan Nord“ der dortigen Regierung. Dabei handelt es sich um ein auf viele Jahre angelegtes Projekt, mit dem der weite und kaum zugängliche Norden der Provinz weiter erschlossen werden soll. Im Zentrum: Infrastrukturprojekte und der Ausbau der Energieversorgung. Über 25 Jahre hinweg sollen 80 Milliarden Dollar investiert werden.

Und Seehofer scheint sich in der Rolle des bayerischen Außenwirtschaftsministers zu gefallen. Bei einem Empfang in der Außenhandelskammer räumt er zwar ein, dass die Außenvertretung Deutschlands in der Welt eigentlich der Bundesregierung zustehe. Das habe Bayern aber noch nie gehindert, auch eine eigene Außenpolitik zu betreiben. “Nur dann können wir ruhig schlafen“, sagt Seehofer.

dpa

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