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„In der Politik gibt es keine Dankbarkeit“

Dosierte Wehmut - Seehofers Abschied von der CSU-Spitze

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Ein bisschen Dank zum Abschied: Große Emotionen kommen am Samstag fast nur beim scheidenden Parteichef Horst Seehofer auf.

Andres Spreng hat auf seine alten Tage etwas gebastelt. Der 83-Jährige steht auf dem Parteitag am Rande des Ganges und reckt mit großer Ausdauer ein Schild in die Höhe. „Danke Horst“, steht darauf.

München – Spreng kommt aus Nassenfels im Landkreis Eichstätt. Seehofer kennt er aus der Zeit, als dieser noch als kleiner Beamter am dortigen Landratsamt tätig war. „In der Politik gibt es keine Dankbarkeit“, findet Spreng, der 18 Jahre lang Ortsvorsitzender war. Seehofer habe in der Flüchtlingskrise richtig reagiert, findet er. Das Problem sei Berlin gewesen. Die Kanzlerin. Wenigstens jetzt zum Abschied möchte Spreng ein Zeichen setzen.

Spreng schafft es am Samstagmorgen in der Kleinen Olympiahalle zu einiger Bekanntheit. Die Kamerateams stürzen sich auf ihn. Er ist nämlich der einzige, der ein solches Schild gemalt hat. Die JU, sonst für das Organisieren von Fan-Utensilien zuständig, hält sich vornehm zurück. Vor ein paar Wochen, als die CDU Angela Merkel verabschiedete, gab es nicht nur viele Schilder, sondern echte Emotionen. Die Kanzlerin verdrückte ein Tränchen, ihre Nachfolgerin mehrere. Bei der CSU bleiben alle Augen trocken. Nur Seehofer selbst ist ein wenig angefasst.

2008 zum Retter aus der Krise gekürt

3739 Tage hat Seehofer diese Partei geführt, die ihn 2007 erst im Wettstreit mit Erwin Huber durchfallen ließ und ein Jahr später dann zum Retter aus der Krise kürte. Am Morgen seines letzten Tages hat der Ingolstädter in seiner Heimatzeitung das Horoskop gelesen. Für Krebse stand da: „Sie verlieren keinesfalls ihr Gesicht, wenn Sie eine bereits getroffene Entscheidung revidieren.“ Seehofer wäre nicht Seehofer, wenn er diese Geschichte nicht mehrfach an diesem Tag zum Besten gäbe. Es ist genau der Humor, mit dem er jahrelang Journalisten und Partei in Atem hielt.

Am Samstag gibt es keine Aufregung mehr. Nur 18 Minuten dauert seine etwas wehmütige Abschiedsrede. Seehofer, der im Juli 70 Jahre alt wird, kommt aus kleinsten Verhältnissen. Der Vater Lastwagenfahrer, arbeitete er selbst sich nach einem Realschulabschluss nach oben. Anders als ein Gerhard Schröder ging er damit nie hausieren. Aber seine Vita prägte seine Politik. Einst als Sozialpolitiker im Bundestag, später als Ministerpräsident und CSU-Chef. Am Samstag lautet deshalb die einzige Botschaft, die er seiner Partei mitgibt. „Vergesst mir die kleinen Leute nicht.“ Ob er Zweifel hat, dass Markus Söder die im Blick behält?

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Die Machtkämpfe haben Kraft gekostet

Die Machtkämpfe, vor allem die mit Söder, haben Kraft gekostet. Beide Seiten. „Ich bin froh darüber, dass ich Vieles hingenommen habe, geschluckt habe, nie darüber geredet habe“, sagt Seehofer vieldeutig. Und um 10.56 Uhr dann: „Mein Werk ist getan.“ Die 800 Delegierten erheben sich, klatschen Beifall. Lange zwar, aber doch ziemlich pflichtschuldig. Die CSU, man kann es in diesem Moment nicht übersehen, ist fertig mit Horst Seehofer. Sie verabschiedet den Chef mit einer müden Rede der stellvertretenden Vorsitzenden Angelika Niebler und einem Geschenk: einem detailgetreuen Nachbau der Parteizentrale für die Modelleisenbahn. Seehofer kann nun sein Büro mit nach Hause nehmen und den Sitzungssaal, in dem er im Sommer erst zurücktrat und dann doch in seinen Ämtern blieb. „Das war eine legendäre Nacht, die wir da verbracht haben“, sagt Vize-Generalsekretärin Daniela Ludwig mit feiner Ironie. Keiner werde das so schnell vergessen.

So ist das in der CSU. Zum zweiten Mal binnen weniger Monate muss Seehofer sein Amt an Söder abgeben. Das, was er immer verhindern wollte. Im Gegenzug schlägt ihn Söder gleich zum Ehrenvorsitzenden vor. Sicher aus ganzem Herzen. Bis auf eine Handvoll Gegenstimmen folgt der Parteitag. Und so stehen der neue Vorsitzende und der neue Ehrenvorsitzende am Ende gemeinsam auf der Bühne. „Jetzt schauen wir mal, wie’s wird“, witzelt Seehofer. Söder antwortet: „In meinem Horoskop stand: Lassen Sie sich durch nichts schrecken.“

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