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Ende einer politischen Karriere: Ex-Umweltminister Huber kämpft mit schwerem Schicksalsschlag

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Von: Christian Deutschländer

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Kabinettssitzung auf der Zugspitze
Der ehemalige, bayrische Umweltminister Marcel Huber (l.) verlässt die politische Bühne. Hier nahm er 2018 mit Ministerpräsident Markus Söder an einer Kabinettssitzung auf der Zugspitze teil. © Sven Hoppe/dpa

Ein trauriger Wechsel in der Landespolitik: Marcel Huber, allseits geschätzter Ex-Minister, verlässt völlig überraschend die Politik. Seine Frau ist schwer erkrankt, er will an ihrer Seite sein. Nicht nur für die CSU ein herber Verlust.

München/Mühldorf – Es gab so viele Nächte, da haben die schlechten Nachrichten Marcel Huber aus dem Schlaf gerissen. Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Ampfing, rückte aus bei kleineren und größeren Katastrophen, Böschungsbränden an der nahen Autobahn bis tödlichen Unfällen. Immer verlässlich, immer stabil: Er half in seiner Zeit als Tierarzt, dann als Landtagsabgeordneter, als Staatssekretär, und sogar als Minister noch stand er nachts für seine Kameraden bereit, wenn der Alarm losging.

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Ex-Umweltminister Marcel Huber hört mit der Politik auf - Seine Frau ist schwer krank

Und jetzt ein Alarm, eine Katastrophe, die Marcel Huber aus der Bahn wirft. Bei seiner Frau Adelgunde ist eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert worden. Plötzlich kam das, mit der Chemotherapie wurde bereits begonnen, doch die Lage ist nicht gut. Huber, 63, hat sich deshalb zu einem radikalen Schnitt entschlossen: Er gibt sein Mandat sofort auf, auch wichtige Ehrenämter. „Ich war wenig zu Hause“, sagt er mit Blick auf seine Politik-Jahre, seine Frau habe immer die Familie gemanagt. „Jetzt ist mein Platz an der Seite meiner Frau. Punkt.“ Seit 1982 sind die beiden verheiratet, drei Kinder.

Huber hat den Verzicht auf sein Mandat am Dienstag gegenüber Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU*) erklärt. Nachrücker wird der Münchner Andreas Lorenz. Eine sehr kleine Gruppe an Parteifreunden war eingeweiht, versuchte ihn umzustimmen; vergeblich. Huber ist zwar immer für andere da, siehe Feuerwehr – aber keiner, der die Politik, das mit großem Abstand errungene Abgeordnetenmandat in Mühldorf*, mal schleifen ließe, sich ein paar Monate um anderes kümmerte. Sein Rückzug ins Private wird nun vollständig sein, auch die Führung des Musikrats und des legendären Katholischen Männervereins Tuntenhausen gibt er ab.

Marcel Huber wurde von Parteifreunden und der Opposition geschätzt

„Ich bedaure das außerordentlich“, sagt Aigner. „Sehr kompetent, sehr integer, sehr geschätzt“ sei Huber. Tatsächlich erzählen das viele über den bodenständigen, uneitlen CSU-Abgeordneten, der über die Parteigrenzen respektiert wird. In seinen Aufgaben als Umweltminister und Staatskanzleichef, 2011 bis 2018, eckte er zwar auch an, hatte Skandale am Bein (Müller-Brot und andere). Seine persönliche Integrität wurde aber nie infrage gestellt. „Es gibt Schlimmere als Sie“, rief ihm mal eine führende Grünen-Politikerin zu, und das war damals so nett wie ehrlich gemeint. Als Horst Seehofer Ministerpräsident war, sprach er zwar Hubers Vornamen konsequent falsch aus („Marzzl“), sah in ihm aber eine der großen Stützen des Ministerrats.

Ende 2018 schied Huber aus dem Kabinett aus, Markus Söder* wollte ihn nicht mehr haben. Auch sein Wunschjob als Landtagspräsident war plötzlich schon vergeben. Huber trug es mit Fassung und Würde. „Ich verstehe, dass es in einer Koalition Zwänge gibt“, sagte er damals. „So ist Politik.“ Klagen oder Stänkern hörte man ihn auch seither nicht. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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