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Hubert Aiwanger privat und Karriere – Das ist der Spitzenkandidat der Freien Wähler

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Von: Lea Warmedinger

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Fuhr eine deftige Attacke auf die Klimakleber: Parteichef Hubert Aiwanger (Freie Wähler).
Oft forsch und nach Mundart sind die Reden von Hubert Aiwanger. Ein Manuskript hat er dabei nie. © Daniel Löb/dpa

Hubert Aiwanger ist bekannt für seine Twitter-Aktivitäten, forschen Reden und den niederbayerischen Akzent. Die wichtigsten Fakten zu seiner Person.

München – Hubert Aiwanger ist seit November 2018 stellvertretender bayerischer Ministerpräsident sowie bayerischer Wirtschaftsminister. Er ist Bundes- und bayerischer Landesvorsitzender der Freien Wähler und war von 2008 bis 2018 deren Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag. Bei der Bayern-Wahl 2023 am 8. Oktober geht er als Spitzenkandidat seiner Partei ins Rennen.

NameHubert Aiwanger
ParteiFreie Wähler (seit 2001)
Geburtstag und -ort26. Januar 1971 in Ergoldsbach
BerufDiplom Agraringenieur
FamilieLebensgefährtin Tanja Schweiger, Söhne Laurenz und Adrian

Hubert Aiwanger: Parteichef der Freien Wähler mit steiler Karriere

Aiwanger lebt bis heute auf seinem Hof in Rahrsdorf, einem Ortsteil der Stadt Rottenburg an der Laaber im Landkreis Landshut. Dort ist er aufgewachsen, hat schon als Bub bei der Stallarbeit mitgeholfen – eine Kindheit mit Disziplin und Arbeit. In seiner Jugend war er Vorsitzender der Katholischen Landjugend und Klassensprecher, wie er in einem Interview mit dem Münchner Merkur verriet. Außerdem war der junge Aiwanger ein begnadeter Leichtathlet, wie er gegenüber BR24 sagte. Nach seinem Abitur am Gymnasium mit einem Schnitt von 1,9 und dem Grundwehrdienst absolvierte er an der Fachhochschule Weihenstephan das Studium zum Diplom Agraringenieur. Seit 2001 ist der Niederbayer Mitglied der Freien Wähler.

Hubert Aiwangers Karriere zur Spitze der Freien Wähler verlief steil. Sie begann als Ortsvorsitzender von Rottenburg, ab 2004 war er Kreisvorsitzender von Landshut und später kurz Bezirksvorsitzender in Niederbayern. Auf der Delegiertenversammlung 2006, als die Freien Wähler einen neuen Chef suchten, hielt er seine erste richtige Rede – vor etwa 600 Zuhörern, wie er im BR24-Interview erzählte. Überraschend kam Aiwanger in die Stichwahl zum Landesvorsitzenden und gewann mit einer knappen Mehrheit von 340 zu 322.

Zwei Jahre später zog er mit den Freien Wählern erstmals in den Bayerischen Landtag ein. Seit November 2018 ist er stellvertretender Ministerpräsident von Bayern sowie Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Hubert Aiwanger und seine Eklats, Twitter-Aktivitäten und Ausdrucksweisen

Neben seinem auffälligen niederbayerischen Akzent sind Aiwangers Reden auch geprägt von forschen Sätzen oder Sprüchen aus der Mundart. Er polarisiert mit Sätzen wie „... interessiert ... mich mittlerweile einen Scheißdreck, was die Grünen gegen das Auto sagen. Die sollen zu Hause bleiben und früher hat man gesagt: Und fotz dei Goaß“. Außerdem auszeichnend für den Niederbayern ist, dass er seine Reden von Beginn an und bis heute ohne Manuskript hält.

Hubert Aiwanger fühlt sich unter Schützen, Landwirten und Trachtlern am wohlsten. Er hat aber auch ein ganz besonderes Hobby: Twitter. Auch hier nimmt er kein Blatt vor den Mund und sorgt mit Kommentaren wie „Ihr habt aufs Maul bekommen“ oder „Grunz“ oft für Schlagzeilen. Er twittert immer selbst, das findet er authentischer. Der Vize-Ministerpräsident verriet im Interview mit dem Münchner Merkur, dass seine gewagten Tweets kalkuliert seien, weil diese viel mehr Menschen erreichen und er außerdem finde, dass ein bisschen Humor dazugehört.

Nicht nur in seinen Reden sorgt der bayerische Wirtschaftsminister regelmäßig für Aufreger. So hat er am Sonntagnachmittag der Bundestagswahl im September 2021 auf seinem Twitter-Account vorläufige Prognose-Ergebnisse eines Umfrageinstituts veröffentlicht und mit einem letzten Wahlaufruf für die Freien Wähler verbunden – und das noch bevor die Wahllokale geschlossen waren. Einige empfanden das als eindeutige Wahlmanipulation, der Bundeswahlleiter sag das ganze allerdings wohl weniger streng und so kam Aiwanger mit einer öffentlichen Entschuldigung davon.

Gillamoos-Frühschoppen Aiwanger
Unter Schützen, Trachtlern und Landwirten fühlt sich Hubert Aiwanger wohl. Akohol trinkt er nach eigenen Aussagen keinen. © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hubert Aiwangers Politik zu Corona, Energie und Verbrenner

Große Aufmerksamkeit um Hubert Aiwanger gab es beim Thema Corona-Impfung. Wochenlang hat er sich der Impfung verweigert. Dem Münchner Merkur zufolge ist Aiwanger nie ein grundlegender Impfgegner gewesen, zeigte sich aber skeptisch gegenüber dem Impfstoff. Im Herbst 2021 ließ er sich dann doch noch impfen.

Wenige Monate zuvor, im September 2021, forderte der gebürtige Niederbayer einen „Freedom Day“ nach englischem Vorbild. Laut seiner Forderung sollen im Oktober 2021 alle Corona-Regeln fallen. Wenn die Krankenhäuser nicht überlastet sind und die Lage weiterhin im Griff sei, sollte die epidemische Lage nicht weiter aufrechterhalten bleiben, meinte er damals.

Die Energiewende ist ein wichtiges Thema für Hubert Aiwanger. Laut BR24 fordert er mehr Tempo und weniger Bürokratie sowie mehr Praxistauglichkeit für Windräder und Photovoltaikandlagen. Dem Verbrenner-Aus steht Aiwanger kritisch entgegen. Das Verbot würde den Ideologen darum gehen, das Auto komplett abzuschaffen, zitiert ihn der Münchner Merkur. Aiwanger sagte, er habe kein Verständnis, dass sauberen Verbrennungsmotoren der Zukunft der Garaus gemacht werden soll.

Auch gegen die Klima-Aktivisten wettert der Chef der Freien Wähler. In Bezug auf die Letzte Generation sagte er, er würde die Kleber zu vier Wochen Waldarbeit verurteilen.

Hubert Aiwanger stellt sich gerne auf die Seite der laut eigenen Aussagen normalen und vernünftigen Leute. Ihm widerstreben solche, die anderen sagen, sie dürften nicht mehr Auto fahren, kein Fleisch essen und nicht mehr Indianer und Cowboy spielen.

Hubert Aiwanger privat: Frau, Kinder, Bauernhof

Die Lebensgefährtin von Hubert Aiwanger heißt Tanja Schweiger und ist selbst politisch aktiv. Wie der Münchner Merkur berichtet, ist sie ebenfalls Parteimitglied der Freien Wähler, war Abgeordnete im Bayerischen Landtag und ist seit 2014 Landrätin in Regensburg. Die beiden gaben ihre Beziehung 2012 bekannt. Ein gemeinsames Zuhause hat das Paar aber nicht und auch verheiratet sind sie nicht. 2012 kam Sohn Laurenz und 2016 Sohn Adrian auf die Welt.

Hubert Aiwangers liebster Rückzugsort ist der eigene Wald, wo er gerne Holzarbeit erledigt. Hier ist es ruhig und die Welt ist in Ordnung, sagte er im Interview mit BR24. Die Landwirtschaft ist bis heute seine große Leidenschaft geblieben.

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