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„Wir leben wie verdammte Hunde in Löchern“: Russische Soldaten beklagen hohe Verluste

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Von: Jannis Gogolin

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Erneut veröffentlicht der ukrainische Geheimdienst Telefonate russischer Soldaten. Sie sprechen von extremen Verlusten und einer hoffnungslosen Lage.

Kiew – Knapp einen Monat vor dem Jahrestag des Ukraine-Krieges läuft es für Russland alles andere als optimal. Die angekündigten militärischen Erfolge und Eroberungen blieben bisher aus. Und während in den ersten sechs Monaten des Krieges Putins Propaganda-Maschine lief wie geschmiert, kommt diese seit einigen Monaten immer öfter ins Stottern. Abgefangene Berichte russischer Soldaten sind dabei weiterer Sand im Getriebe und ein probates Mittel des ukrainischen Militärs, die Moral des Gegners zu schwächen.

„Wir leben wie verdammte Hunde in Löchern“: Russische Soldaten beklagen hohe Verluste

Regelmäßig gelingt es dem Militärgeheimdienst der Ukraine HUR, Telefonate von russischen Kräften mit deren Familie aufzuzeichnen und zu veröffentlichen. Einige Telefonate werden vom Twitter-Profil @wartranslated übersetzt und bestätigten das wiederkehrende Bild der russischen Front: eine desolate Versorgungslage, fehlendes Training und hohe Verluste – teilweise schon vor dem ersten Kampf.

„Wir leben wie verdammte Hunde in Löchern“, erzählt ein Soldat, der gerade zwei Monate im Einsatz ist, seiner Familie. „Das ist kein Krieg, das ist die Hölle.“ Zwei Tage lang habe er sich im Keller eines zerstörten Hauses versteckt und rohe Kartoffeln gegessen. Seine Einheit bestand ursprünglich aus 240 Mann, 94 seien noch übrig. Ein anderer berichtet ebenfalls von extrem hohen Verlusten unter den Soldaten und dem Material, bevor er den Anruf nach 60 Sekunden unterbricht. Ein Telefonat in die Heimat sei „verdammt teuer“.

Alkohol und Erfrierungen: Mehrere verletzte Rekruten bereits vor erstem Kampf

In einer weiteren, frisch einberufenen Einheit in Ulyanovsk gab es bereits 30 Verletzte – noch über 1000 Kilometer von der Front entfernt, erzählt ein Soldat aus der Region Mordwinien. „Ach du Schande, wie?“, fragt der Gegenüber in dem Telefonat, bevor der Anrufer die Gründe aufzählt: Überdosen und Erfrierungen, Alkohol und Prügeleien zwischen den neuen Rekruten. „Ich bin verdammt verzweifelt.“

Weitere Mobilisierungen in der Heimat: „Wenn er nicht tot ist, kommt er mit“

Doch nicht nur die Streitkräfte haben schlechte Nachrichten. Bei manchen Gesprächen taucht die Chance eines Fronturlaubs auf, eine Pause bei Freunden und Familie. „Vielleicht sind wir ja eine der ersten, die im Februar heimgeschickt werden“, hofft ein Anrufer. Die angerufene Person erzählt dann von einer neuen Mobilmachung. „Keiner wird jetzt weggelassen. Die Schützengräben sollten nicht leer sein.“ Eine weitere Person spricht über einen Einberufungsdruck so hoch, dass auch kranke Männer kurz nach einer Operation eingezogen werden. „Wenn er nicht tot ist, kommt er mit“, soll ein Rekrutierungs-Militär einem Angehörigen gesagt haben.

Nach solchen Berichten ist es wenig verwunderlich, dass Putin sich kürzlich für ein Handyverbot an der Front aussprach – und dafür Beschuss aus eigenen Reihen erntete. Denn das Regierungsoberhaupt der Russischen Föderation wird zunehmend nervöser. Ein klares Zeichen für die gestiegene Anspannung im Kreml ist die Installation von Flugabwehr auf einem Moskauer Verwaltungsgebäude.

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