Neue Gespräche

IAEA: Iran beschleunigt Uran-Anreicherung

Wien - Der Iran will den Atomstreit schnell beenden. Er baut aber sein Nuklearprogramm aus. Dies zeigt ein neuer IAEA-Bericht. Im September stehen Gespräche an.

Mit dem neuen iranischen Präsidenten Hassan Ruhani hofft die Welt auf eine Annäherung im Atomstreit. Doch gleichzeitig baut Teheran seine Kapazitäten zur umstrittenen Urananreicherung aus, wie aus einem am Dienstag in Wien vorgelegten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervorgeht. Die meisten von der IAEA beschriebenen Entwicklungen haben ihren Ursprung vor dem Amtsantritt des als gemäßigt geltenden Ruhani, der Anfang August den konservativen Hardliner Mahmud Ahmadinedschad als Präsident ablöste.

Laut Bericht hat Teheran in seiner Haupt-Urananreicherungsanlage in Natans mehr als 1000 Zentrifugen neueren Typs installiert. Sie sind einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb genommen worden. Mit den neuen Zentrifugen könnte der Iran deutlich mehr Uran schneller anreichern.

Dagegen stieg der Bestand an dem vom Westen kritisch beobachteten auf zwanzig Prozent höher angereichertem Uran kaum: Zwar reicherte Teheran seit dem letzten IAEA-Bericht im Mai 48,5 Kilo zusätzlich an und kam auf einen Gesamtbestand auf 372,5 Kilogramm. 186,7 Kilo davon wandelte das Land aber weiter um, so dass es nur noch schwer für Atomwaffen verwendet werden kann. Der Bestand an auf etwa fünf Prozent angereichertem Uran stieg um 744 auf 9704 Kilo.

Angereichertes Uran wird als Brennstoff für Atomkraftwerke oder medizinische Forschungsreaktoren, aber auch für Atomwaffen gebraucht. Um sein Uran in einer Bombe zu nutzen, müsste der Iran es jedoch weiter hoch anreichern. Das ginge mit auf 20 Prozent angereichertem Uran ungleich einfacher als mit fünfprozentigem.

Viele - vor allem westliche - Länder unterstellen dem Iran, sein als friedlich deklariertes Atomprogramm heimlich zur Entwicklung von Nuklearwaffen zu nutzen. Teheran bestreitet das, arbeitet aber auch nicht ausreichend mit der IAEA zusammen. Unter anderem deshalb schließt die UN-Behörde eine militärische Dimension des Programms nicht mehr aus. Bisher brachten weder diplomatische Gespräche noch Sanktionen einen Durchbruch im seit Jahren geführten Atomstreit.

Der Kleriker Ruhani nährt nun die Hoffnung auf eine Annäherung: Er hatte die Atompolitik zur Chefsache erklärt und wichtige Stellen neu besetzt. Zudem kündigte er an, den Streit schnell beilegen zu wollen. Im September soll es neue Gespräche auf politischer Ebene mit den Weltmächten geben.

Aus dem IAEA-Bericht geht nun hervor, dass es zudem am 27. September in Wien eine neue Runde von Gesprächen der UN-Behörde mit dem Iran geben soll. Die bisherigen Runden hatten keinen Durchbruch gebracht. Ende September wird nun erstmals der neue IAEA-Botschafter und Abrüstungsexperte Resa Nadschafi die Position des Irans vertreten.

Das iranische Waffenarsenal

Das iranische Waffenarsenal
Präsident Ahmadinedschad hat am Sonntag den Auftrag für die Produktion von hochangereichertem Uran erteilt - eine Geste der Provokation nach den Signalen des Einlenkens vor der Münchner Sicherheitskonferenz. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der Iran unterhält mit mehr als 520 000 Mann die größte Streitmacht im Nahen Osten. © dpa
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Noch bedrohlicher erscheint den Nachbarn und den Westmächten das abgeschirmte Nuklearprogramm des Landes. © dpa
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Der Westen befürchtet, dass das Mullah-Regime in den Besitz von Atomwaffen gelangen will. © dpa
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Raketen, die solche Massenvernichtungswaffen wohl transportieren könnten, hat der Iran bereits. © dpa
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Im Arsenal sind mehrere hundert Geschosse der Typen Schahal 1 und 2, die bis zu 330 und 700 Kilometer weit reichen. © dpa
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Mit den mehrstufigen Raketen Schahab 5 und 6 (auf dem Bild eine Shahab 3) könnten die Iraner sogar Städte in Mitteleuropa angreifen. © dpa
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Für den Bau einer einsatzfähigen Interkontinentalrakete benötigt der Iran jedoch noch zehn bis 15 Jahre, vermuten westliche Experten. © dpa
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Ausgangsbasis für die Herstellung von Atomwaffen ist hoch angereichertes Uran, das iranische Wissenschaftler in den Nuklearfabriken Natans und Ghom herstellen. © dpa
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Der Westen bezweifelt, dass das Atomprogramm wie behauptet nur friedlichen Zwecken dient. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Der UN-Sicherheitsrat hat 2006 erstmals den Stopp der Urananreicherung verlangt - ohne Erfolg, trotz späterer Sanktionen. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat US-Senator Joseph Lieberman jetzt mit einem Militärschlag gegen den Iran gedroht, wenn Wirtschaftssanktionen nicht wirken sollten. © dpa
Das iranische Waffenarsenal
Westliche Geheimdienste vermuten, dass der Iran bald genügend Material für eine Bombe haben könnte. Sie rätseln aber, wann ein funktionsfähiger Sprengkopf zur Verfügung steht. © dpa

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