Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

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Joachim Herrmann hat bei einem Baggerunfall in Kempten Verletzungen erlitten.

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.

Wenn man Politiker so reden hört, gewinnt man den Eindruck, sie könnten alles: Jobs aus dem Hut zaubern, die Umwelt und den Euro retten, sichere Renten garantieren. Von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wissen wir jetzt allerdings, was er definitiv nicht kann: Einen guten Baggerführer geben.

Joachim Herrmann verletzt sich bei Baggerunfall

Joachim Herrmann verletzt sich bei Baggerunfall

Begründung: Als er am Montag in Kempten beim Spatenstich zum Bau der dortigen Nordspange gerade den dritten Löffel Erde aushob und elegant den Baggerarm schwenkte, kippte das schwere Gerät einfach um.

Dabei hatte der 55-Jährige unwahrscheinliches Glück. Während sich ein Mitarbeiter der Baufirma mit einem Hechtsprung aus dem zum Teil offenen Cockpit noch retten konnte, begrub das 40 Tonnen schwere Arbeitsgerät den Minister vor den Augen und dem entsetzten Aufschrei der etwa 200 Gäste unter sich. Sofort herbeigeeilte Ersthelfer – darunter Staatsminister Thomas Kreuzer, Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (beide CSU) und mehrere Personenschützer – bargen den Minister aus der zertrümmerten Kanzel. Wie durch ein Wunder kam er mit minimalen Verletzungen an Händen und Füßen davon. „Es geht wieder, passt schon“, so der lakonische Kommentar Herrmanns am Unfallort.

Zum Unfallhergang könne er nicht viel sagen, meinte der studierte Rechtswissenschaftler Herrmann später gegenüber der tz, „der Bagger ist beim Spatenstich für eine wunderbare Nordspange in Kempten halt umgekippt“. Er habe – „wie man das bei Spatenstichen halt so macht“ – mit dem Baggerlöffel Erde ausgegraben und dann den Baggerarm geschwenkt, als es passiert sei. Außer ein paar kleinen Schrammen an Händen und Füßen sei ihm aber nichts passiert; „mir geht’s bestens“.

Um die Versorgung des Leichtverletzten kümmerten sich neben Netzer und Kreuzer auch die Landtagsabgeordnete Ulrike Müller (FW) und der Kemptener Stadtrat und Fernseh-Richter Alexander Hold, der Herrmann zur Beruhigung ein Mineralwasser reichte. Der Minister wurde nach dem Unfall sofort mit seiner Dienstlimousine weggefahren. Eigenen Angaben zufolge ging’s aber weder zu einem Arzt noch gar ins Krankenhaus. Dies sei nicht nötig gewesen, versicherte Herrmann. Nach Informationen der tz ließ er sich stattdessen in die Kemptener Wohnung von Thomas Kreuzer bringen, der auch der örtliche Landtagsabgeordnete der CSU ist. Dort hatte er dann die Zeit und nötige Ruhe, um sich von dem Schreck zu erholen.

Noch am Abend wollte Herrmann nach Auskunft des Kemptener OB-Büros sein vorab geplantes Programm mit einem Besuch des Allgäuer Festabends anlässlich des Landkreistages im Sonthofener Ortsteil Fischen (Oberallgäu) fortsetzen.

Nur Minuten vor dem dramatischen Zwischenfall hatte Herrmann in seiner Ansprache vor den 200 Gästen dem Bauvorhaben übrigens noch einen „unfallfreien Verlauf“ gewünscht.

Bei der Nordspange handelt es sich um eines der größten Straßenbauprojekte Kemptens in den vergangenen Jahren. Der vierte Illerübergang soll den Kemptener Norden mit dem in jüngster Zeit kräftig gewachsenen Gewerbegebiet Ursulasried verbinden. Die Kosten für die Straße werden auf rund 13 Millionen Euro geschätzt, fertig sein soll das Projekt im Jahr 2015.

Vielleicht beherzigt Joachim Herrmann bei seinem nächsten Bauprojekt den Rat eines Teilnehmers vom Montag. Der meinte, der Minister solle den Begriff „Spatenstich“ einfach wörtlich nehmen und zum guten alten Spaten greifen …

Matthias Matz / Michael Dürr

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