Roth gestrandet in Libyen: "Land ist voller Waffen"

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Claudia Roth befindet sich auf Afrika-Reise.

München/Tripolis - Claudia Roth saß in Libyen fest, da der Flughafen in Tripolis blockiert ist. Nun muss sie ihre Afrika-Reise auf dem Landweg fortsetzen. Wir erreichten die Grünen-Vorsitzende am Telefon.

Besorgnis auf der Afrika-Reise von Claudia Roth: Nach Unruhen und einer Panzer-Blockade auf dem Flughafen in Tripolis strandete die Grünen-Bundesvorsitzende in Libyen.

Auf dem sehr gefährlichen Landweg mussten sie und die Europaabgeordnete Barbara Lochbihler weiter nach Tunesien fahren. Sogar Außenminister Westerwelle, FDP, erkundigte sich besorgt nach den Grünen. „Eine noble Geste, hat mich wirklich gefreut“, sagt Roth am Telefon.

Panzer-Sperre auf dem Flughafen, Sie saßen in Libyen fest. Hatten Sie Angst, Frau Roth?

Claudia Roth: Nein. Wir waren auch selbst nicht in Gefahr, haben aber erlebt, wie fragil die Lage in Libyen ist. Das Land ist voller Waffen, es gibt viele unterschiedliche Milizengruppen.

Wie haben Sie die Zeit in Tripolis genutzt?

Roth: Wir haben deutsche Unternehmer getroffen, Vertreter der Übergangsregierung, Präsidenten-Berater, auch den Vize-Außenminister. Er hat uns gesagt: Bitte, lasst Libyen nicht alleine. Wir haben, als wir nicht weiterfliegen konnten, dann auch einen sehr langen Gang durch die Stadt gemacht. Am Platz, wo Gaddafi seine letzte Rede hielt, spürt man die große Freude darüber, dass im Land etwas aufgebrochen ist. Ein alter Mann hat getanzt zu lauter Musik aus einem Autoradio. Ich habe ein paar Schritte mitgetanzt.

Wie begegnet man uns Deutschen in Libyen? Gelten wir als Angsthasen, weil die Bundeswehr gegen Gaddafi nicht mit intervenierte?

Roth: Überhaupt nicht. Die Leute sind sehr, sehr offen und haben sich über unseren Besuch gefreut. Sie wissen, dass wir sie unterstützt haben, sie brauchen aber weiter große Unterstützung beim noch weiten Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, einschließlich zunächst der Schaffung demokratisch kontrollierter und funktionierender Sicherheitsstrukturen. Für Sicherheit sorgen gegenwärtig die unterschiedlichen Revolutionsmilizen, die oft ihre eigenen Interessen haben und vom Übergangsrat und der Übergangsregierung nicht wirklich kontrolliert werden. Das Land will und braucht auch einen großen Wissenstransfer, im Bereich der Universitäten, im Bereich der Ausbildung. Nach wie vor gibt es auch enorme Menschenrechtsprobleme. Viele Menschen wurden im Bürgerkrieg aus ihren Orten vertrieben. Wir haben Flüchtlingslager besucht, die man sich kaum vorstellen kann. In drückender Hitze harren die Menschen hier aus, ohne zu wissen, wie es für sie weitergehen wird.

Sie haben Libyen auf dem Landweg Richtung Tunesien verlassen. Das Bundeskriminalamt hatte davon dringend abgeraten. Sie taten’s trotzdem.

Roth: Ja. Wir haben uns für den Landweg entschlossen, sind auch begleitet worden von libyscher Polizei, von libyschen Personenschützern. Es kann auf dieser Strecke immer etwas passieren. Man sollte aber nicht in solche Länder reisen, wenn man Angst hat. Und auf diese Weise konnten wir noch einen ganz anderen Eindruck vom Land außerhalb von Tripolis erhalten und unser Programm in Tunesien an der libysch-tunesischen Grenze fortsetzen.

Außenminister Westerwelle, FDP und alles andere als ein enger Freund von Ihnen, hat sich nach Ihnen erkundigt...

Roth: Mehrfach, über den Botschafter und auch über unsere Büros. Das war eine noble Geste und hat mich wirklich gefreut.

Interview: Christian Deutschländer

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