Landesinnenminister: Terrorverdächtiger in der Uckermark gefasst

Landesinnenminister: Terrorverdächtiger in der Uckermark gefasst

IS-Experte im tz-Interview

Anschläge durch Kinder: "Nur die wenigsten wissen, was sie tun"

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Bei dem Anschlag in der Türkei starben mehr als 50 Menschen.

Gaziantep/Kirkuk - Den verheerenden Selbstmordanschlag auf einer Hochzeit in der Türkei soll ein Kind durchgeführt haben, auch aus dem Irak erreichten erschreckende Bilder die Welt. Doch warum schicken die Terroristen gezielt Kinder in den Tod? Die tz sprach mit einem IS-Experten.

Beim Anschlag in Gaziantep soll ein Kind eine Sprengstoffweste getragen haben, jetzt erreichen uns die Bilder aus dem irakischen Kirkuk. Was halten Sie davon, Herr Schirra?

Bruno Schirra: Das ist nicht das erste Mal, dass der IS Kinder als lebende Selbstmordwaffen missbraucht. Das gab es aber auch bereits vor dem IS. Schon die Hamas und die Al-Aqsa-Brigaden des Jassir Arafat haben während der zweiten Intifada kleine Kinder für Attentate benutzt.

Welche Strategie steht dahinter?

Schirra: Der IS hat dadurch eine – bewusst von mir so formuliert – Verfügungsmasse von gefügigen Tätern, die er zu Opfern macht. In den meisten Fällen wussten die Kinder nicht, dass sie als Selbstmordattentäter unterwegs waren. Man hat ihnen Taschen umgehängt oder Gürtel gegeben und gesagt: Bring das von Punkt A nach B. Diese Bomben wurden dann ferngezündet.

Wie machen die Terroristen die Kinder so gefügig?

Schirra: Man muss sich das so vorstellen: Ein kleiner eingeschüchterter Junge oder ein kleines eingeschüchtertes Mädchen, dem mit vielerlei Versprechungen eingeredet wird, diesen Weg zu gehen. Nur die wenigsten wissen wirklich, was sie da tun. Der IS nimmt die widerlichen Machenschaften der Hamas und der Al-Aqsa-Brigaden als Vorbild.

Warum gerade Kinder?

Schirra: Sie werden für unsägliche Grausamkeiten missbraucht und abgerichtet. Kinder sind einfach zu manipulieren und einzusetzen. Und obwohl dies bekannt ist: Wenn man ein Kind sieht, dann denkt man automatisch nicht an einen Terroristen. Man sieht nur das Kind und die Wachsamkeit lässt nach.

Ist es Zufall, dass gerade jetzt zwei derartige Anschläge durchgeführt werden sollten?

Schirra: Der IS ist unter Druck und verliert stetig Territorien. Er bekommt natürlich mit, dass die Karten im nahöstlichen Spiel neu gemischt werden. Die Türkei ist dabei, näher an Assad heranzurücken und sich Russland zuzuwenden. Darauf reagiert der IS mit einer Terrorserie. Das werden nicht die letzten Anschläge dieser Art gewesen sein.

Interview: Dominik Laska

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