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Ippen äußert sich zu nicht veröffentlichten Recherchen zu Springer

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Das Springer-Hochhaus in Berlin.
Das Springer-Hochhaus in Berlin. © K-H Spremberg/www.imago-images.de

Die Ippen-Gruppe reagiert auf Berichte über eine letztlich nicht erfolgte Veröffentlichung zum Konkurrenten Springer.

München/Berlin - Die Mediengruppe Ippen hat sich zu Berichten über eine geplante, aber nicht erfolgte Veröffentlichung von eigenen Recherchen zu Bild-Chefredakteur Julian Reichelt geäußert. Die Mediengruppe in München teilte am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit: „Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit Bild steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.“

Das Medienhaus ergänzte: „Daher ist die Entscheidung gefallen, jeden Eindruck zu vermeiden, wir könnten Teil eines Versuchs sein, einen solchen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Damit war das Thema einer Erstveröffentlichung dieser Recherchen vom Tisch.“ Auf dpa-Nachfrage äußerte sich die Mediengruppe nicht dazu, ob die Recherchen möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

Die New York Times hatte am Wochenende einen langen Bericht über den Medienkonzern Axel Springer in Berlin auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico veröffentlicht. In dem Artikel ging es auch um Bild-Chefredakteur Reichelt und im Frühjahr erstmals öffentlich bekanntgewordene Vorwürfe gegen ihn. In deutschen Medien war von Vorwürfen zu Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen die Rede gewesen. Der Konzern prüfte dann in einem internen Verfahren Vorwürfe.

Springer hatte dazu im März mitgeteilt: „Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung - die nicht strafrechtlicher Natur sind - von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen. In die Gesamtbewertung sind auch die enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die journalistische Leistung unter der Führung von Julian Reichelt eingegangen.“ Nach einer befristeten Freistellung kehrte Reichelt schließlich wieder zu Deutschlands größter Boulevardzeitung zurück.

Die New York Times erwähnte in ihrem Bericht auch, dass das Investigativ-Recherche-Team bei Ippen - das aus dem früheren Deutschlandteam von Buzzfeed News hervorging - über Monate weiterrecherchiert habe und nun eigentlich eine Veröffentlichung mit weiteren Details geplant gewesen sei. Diese sei dann nach Einwirken des Verlegers Dirk Ippen zurückgehalten worden, wie am Sonntag auch das Medienmagazin Übermedien berichtete.

Das Medienhaus Ippen, zu dessen Portfolio auch Frankfurter Rundschau, Münchner Merkur und die Münchner Boulevardzeitung tz gehören, teilte weiter zu den zurückgehaltenen Recherchen mit: Es sei keine leichte oder schnelle Entscheidung gewesen, und „es gab eine intensive Diskussion beider Seiten im Haus. Am Ende ist es aber klar das Recht eines Verlegers, Richtlinien für seine Medien vorzugeben.“ Zudem hieß es: „Wir stehen als Mediengruppe Ippen ganz klar dazu, dass Redaktionen frei und unabhängig arbeiten können und arbeiten müssen. Gleichzeitig hat ein Verleger immer das Recht, Leitlinien festzulegen, und es ist auch normal, bei großen Recherchen die Rechtsrisiken gemeinsam abzuwägen.“

Das Rechercheteam hatte in einem Brief an den Verleger und Geschäftsführung seinen Unmut über die Entscheidung geäußert. Im Netz kursierte das Protestschreiben.

Die Mediengruppe Ippen betonte: Das Investigativ-Team mache eine großartige Arbeit, und habe bereits mehrere beeindruckende Geschichten veröffentlicht. „Daher wollen wir die Arbeit mit den hervorragenden Journalistinnen und Journalisten natürlich weiter fortsetzen.“

Nach Angaben des Medienhauses hatte es keine Beeinflussung durch Springer bei der Entscheidung gegeben, auf eine Veröffentlichung zu verzichten. „Es gab keine persönlichen Versuche von Springer-Führungskräften, die Recherche zu unterbinden. Der Austausch mit Springer beschränkte sich auf den in diesen Fällen üblichen Schriftwechsel der jeweiligen Anwälte.“

Ein Sprecher des Medienkonzerns Axel Springer teilte auf Anfrage mit: „Mit Wissen von Axel Springer gab es keinen Versuch, Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Compliance-Untersuchung zu verhindern. Davon unbenommen sind rechtliche Hinweise, die der Wahrung berechtigter Interessen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter dienen.“

Zudem betonte der Sprecher: „Axel Springer fühlt sich größtmöglicher Transparenz verpflichtet und hat grundsätzlich kein Problem mit einer kritischen Auseinandersetzung. Auch eine solche Berichterstattung muss jedoch eine Grenze finden, wo es um die geschützte Privat- und Vertraulichkeitssphäre von Mitarbeitern sowie insbesondere - in diesem konkreten Fall - von Zeugen geht, denen im Rahmen des im Frühjahr abgeschlossenen Compliance-Verfahrens strikte Anonymität zugesichert wurde.“ (dpa)

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