Ban gibt Bagdad Mitschuld

Irak-Krise: UNO warnen vor Flächenbrand

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Isis-Kämpfer im Irak.

Bagdad - Die Gewalt eskaliert im Irak. Die UNO hat angesichts des Vormarschs der Dschihadisten vor der Ausweitung des Konflikts auf Nachbarstaaten gewarnt.

Es gebe "die echte Gefahr weiterer konfessioneller Gewalt" im Irak und jenseits seiner Grenzen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Dienstag. Der UN-Sondergesandte für den Irak bezeichnete den Vormarsch der Dschihadisten als "lebensbedrohlich" für das Land. Die Offensive sei die "größte Bedrohung für die Souveränität und die territoriale Integrität" des Irak seit Jahren und eine "ernste Gefahr für die Region", sagte Nickolay Mladenov der Nachrichtenagentur AFP.

Ban sagte, er sei "zutiefst besorgt über die sich rasch verschlechternde Sicherheitslage im Irak", darunter die Berichte über "Massenhinrichtungen" durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis).

Ban gibt Bagdad Mitschuld an Irak-Krise

Der UN-Generalsekretär gab der Regierung in Bagdad indirekt eine Mitschuld an der Eskalation der Gewalt im Irak. „Ich habe Iraks Premier Nuri al-Maliki dringend dazu geraten, einen umfassenden Dialog zur Lösung des Konflikts aufzunehmen“, sagte Ban am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Genf.

Ban forderte die Einbeziehung aller Volksgruppen in die Suche nach einer politischen Lösung. „In einem irakischen Staat muss gewährleistet sein, dass alle Menschen friedlich zusammen leben können, egal ob sie Sunniten, Schiiten oder Kurden sind.“

Irak wirft Saudi-Arabien Isis-Finanzierung vor

Die Regierung in Bagdad hingegen hat Saudi-Arabien vorgeworfen, die sunnitschen Dschihadisten im Irak zu unterstützen. Die Regierung in Riad finanziere die Isis-Kämpfer, erklärte am Dienstag Regierungschef Nuri al-Maliki in Bagdad. "Wir machen Saudi-Arabien verantwortlich für das, was diese Gruppen an finanzieller und moralischer Unterstützung erhalten", erklärte al-Maliki. "Die saudiarabische Regierung muss für die gefährlichen Verbrechen verantwortlich gemacht werden, die diese terroristischen Gruppen begangen haben." Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien und auch Katar hatten ihrerseits die "sektiererische Politik" der von Schiiten beherrschten irakischen Regierung gegen die Sunniten im Land für die Eskalation der Gewalt verantwortlich gemacht.

Das ist die Terrorgruppe ISIS

Terrorgruppe in Syrien: Das will der Islamische Staat

Isis-Kämpfer hatten vergangene Woche weite Gebiete im Nordirak in ihre Gewalt gebracht und rückten weiter Richtung Bagdad vor. Dabei fand die Gruppe auch Unterstützung bei gemäßigten Sunniten. Diese werfen dem schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki seit langem vor, sie systematisch zu benachteiligen.

Rebellenangriff auf Baakuba - 44 Gefangene getötet

Bei ihrer Offensive drang in der Nacht eine Gruppe Rebellen nach Baakuba ein und übernahm vorübergehend die Kontrolle über mehrere Viertel. Nach heftigen Gefechten gelang es der Armee aber, die Rebellen zurückzuschlagen, wie ein Armeevertreter sagte. Während des Angriffs wurden in einer Polizeiwache 44 Gefangene getötet. Ob sie von den Rebellen ermordet oder von Sicherheitskräften bei einem Fluchtversuch getötet wurden, war unklar.

Rebellen erobern Tal Afar

Während die Rebellen in Baakuba abgewehrt werden konnten, fiel die nordirakische Stadt Tal Afar weitgehend in ihre Hand, wie ein Provinzvertreter sagte. Bei den Gefechten um die mehrheitlich schiitische Stadt, die auf einem strategisch wichtigen Korridor nach Syrien liegt, seien rund 50 Zivilisten sowie dutzende Rebellen und Sicherheitskräfte getötet worden. Nur noch der Flughafen werde von regierungstreuen Kräften gehalten.

Der Regierungschef der Kurdengebiete im Irak, Neschirwan Barsani, mahnte eine politische Lösung des Konflikts an. Eine Rückkehr zur früheren Situation sei "fast unmöglich". Angesichts der Vorbehalte der Sunniten gegen Regierungschef al-Maliki schlug Barsani die Gründung einer autonomen Sunnitenregion nach dem Vorbild der Kurdengebiete vor.

Obama entsendet 275 Soldaten

US-Präsident Barack Obama kündigte am Montag an, 275 Soldaten zum Schutz der Botschaft in Bagdad und der US-Bürger im Land zu entsenden. Die Stationierung der Soldaten, die auch "für Kampfeinsätze ausgerüstet" seien, habe am Sonntag begonnen. Das Weiße Haus teilte mit, die Einheiten würden bei der Verlegung von Botschaftspersonal von Bagdad in die Konsulate in Erbil und Basra sowie nach Amman in Jordanien helfen.

Eine Rückkehr von Bodentruppen schließt Washington nach dem Abzug von Ende 2011 weiterhin aus, erwägt aber andere militärische Schritt wie Angriffe mit Drohnen oder Kampfflugzeugen. Am Rande der Atomgespräche in Wien berieten erstmals Vertreter der USA und des Iran direkt über die Irak-Krise. Eine US-Außenamtssprecherin sprach von einer "kurzen Diskussion". Es bleibe abzuwarten, ob die Gespräche fortgesetzt würden.

50 Siemens-Mitarbeiter gerettet

Unterdessen wurde eine Gruppe von 50 ausländischen Mitarbeitern der Firma Siemens gerettet, darunter acht Deutsche. "Spiegel Online" berichtete unter Berufung auf das Auswärtige Amt, die Deutschen seien bis Montagabend sicher in Bagdad und Erbil angekommen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts bestätigte nur, dass alle deutschen Mitarbeiter, die im Kraftwerk Baiji festsaßen, in Sicherheit seien.

AFP

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