Iran: Oppositionsführer bereit Märtyrer zu werden

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Irans Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi.

Teheran - Eine Woche nach Beginn der Massenproteste haben sich die Fronten im Iran weiter verhärtet. Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi sagte, er werde trotz Drohungen der Iranischen Regierung seinen Kampf fortsetzen. Er sei “bereit, dafür zum Märtyrer“ zu werden.

Eine Woche nach Beginn der Massenproteste haben sich die Fronten im Iran weiter verhärtet. Trotz Verbots und eindringlicher Warnungen protestierten auch am Samstag Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Augenzeugen berichteten von massiven Auseinandersetzungen von Oppositionsanhängern mit Sicherheitskräften und Gefolgsleuten Ahmadinedschads.

Nach unbestätigten Berichten gab es mehrere Verletzte. Die Polizei ging mit Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Kundgebungsteilnehmer vor und soll in die Luft geschossen haben, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Berichterstattung in- und ausländischer Medien war erneut massiv behindert, ein klares Bild der Vorgänge kaum zu erhalten.

Mussawi sagte nach Angaben seiner Anhänger bei einem Treffen im Westen Teherans, er werde seinen Kampf fortsetzen. Er sei “bereit, dafür zum Märtyrer“ zu werden. “Wenn sie mich verhaften, dann sollten alle streiken und die Arbeit niederlegen.“ Zugleich bekräftigte er seine Forderung, die Präsidentschaftswahl für ungültig zu erklären und die Abstimmung zu wiederholen.

In einem Brief an den mächtigen Wächterrat schrieb Mussawi am Samstag , die Verfälschung des Wahlergebnisses sei Monate im Voraus geplant gewesen. Vor allem kritisierte er die Unterbrechung von Kommunikationsnetzen wie Internet und SMS am Wahltag und sprach von einem “empörenden Schritt“. Mit seiner neuerlichen Kritik setzte er sich demonstrativ über Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei hinweg, der als höchste Autorität im Iran am Freitag das Wahlergebnis bestätigt und vor weiteren Demonstrationen gewarnt hatte.

Der iranische Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi forderte die Machthaber in Teheran nachdrücklich auf, friedliche Kundgebungen zu erlauben. “Wenn den Menschen friedliche Mittel zur Verteidigung ihrer legitimen Rechte untersagt werden, dann ergreifen sie gefährlichere Maßnahmen“, warnte er in einer Erklärung am Abend. Mussawi sprach in Anspielung auf die Farbe Grün der Opposition von einer “wunderbaren grünen Welle“. Er werde niemals erlauben, dass Demonstranten ihr Leben für ihn riskierten. “Seid versichert, ich werde immer bei euch sein.“

Iranisches Staatsfernsehen meldet 13 Tote

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei am Samstag in Teheran sind nach einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens 13 Menschen getötet worden. Einzelheiten, wie es dazu gekommen sei, wurden nicht genannt.

Das Staatsfernsehen nannte die Demonstranten “Terrorgruppen“ und “Randalierer“. Diese hätten auch zwei Tankstellen in Brand gesetzt und einen Militärposten angegriffen. Es ist das zweite Mal, dass staatliche iranische Medien von Toten bei den Protesten seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni sprachen. Am vergangenen Montag hatten sie sieben Tote bei Zusammenstößen gemeldet.

Obama fordert Ende der Gewalt im Iran

US-Präsident Barack Obama hat die iranischen Führung zur Mäßigung aufgerufen. “Wir rufen die iranische Regierung auf, alle gewalttätigen und unberechtigten Handlungen gegen die Menschen im eigenen Land zu stoppen“, forderte Obama am Samstagabend in einer vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung. “Die iranische Regierung muss erkennen, dass die Welt auf sie blickt.“ Zuvor war es in Teheran bei Protesten von Oppositionsanhängern erneut zu schweren Zusammenstößen gekommen.

Obama betonte, es sei ein Irrtum zu glauben, man könne Ideen aus der Welt schaffen, indem man sie unterdrückt. Letztlich würden die Menschen im Iran die Handlungen ihrer eigenen Regierung bewerten. “Wenn die iranische Regierung den Respekt der internationalen Gemeinschaft sucht, dann muss sie die Würde ihres eigenen Volkes respektieren und auf Konsens statt auf Zwang setzen.“

dpa/ap

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