Iran wittert internationale Verschwörung

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Mahmud Ahmadinedschad

Teheran - Drohungen aus Israel sind für den Iran nichts Neues. Aber diesmal kommt die Warnung kurz nach der angeblichen Verwicklung des Gottesstaates in ein Attentat. Teheran wittert eine internationale Verschwörung.

Drohungen aus Israel werden im Iran zwar registriert, aber nicht sehr ernst genommen. “Seit acht Jahren hören wir israelische Drohungen . wir haben Selbstvertrauen und können unser Land verteidigen“, sagt Außenministers Ali Akbar Salehi.

Teheran prahlt damit, seine Schahab-3 Raketen mit einer angeblichen Reichweite von 2000 Kilometern könnten alle Landesteile des Erzfeindes erreichen. Laut Generalstabschef Hassan Firusabadi kennen die “Zionisten“ die Kapazität der iranischen Raketen. Der staatliche Sender Press TV droht Israel im Falle eines Angriffs mit Konsequenzen von “apokalyptischem“ Ausmaß.

“Die heroische Rhetorik im Land sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einem eventuellen israelischen Angriff und einem Gegenangriff alle Israel unterstützen und helfen würden, dem Iran aber keiner“, sagt ein ausländischer Diplomat in Teheran. Auf Hilfe der pro-amerikanischen Araber kann der Iran genauso wenig zählen wie auf Unterstützung des Bruderstaates Syrien, der derzeit selbst in einer Krise steckt. Lateinamerikanische Freunde wie Venezuela oder Bolivien würden genauso wenig eingreifen wie Russen oder Chinesen. “Außerdem war Libyen für den Iran ein gutes Beispiel, wozu die Nato imstande ist“, sagt der Diplomat.

Laut Militärexperten hat der Iran zwar Raketen, die Israel erreichen könnten, aber wie genau diese funktionierten, wüssten nur wenige. “Es wird gesagt, dass die Raketen erfolgreich getestet worden sind, aber bestätigen können das neutrale Quellen nicht“, sagt ein pensionierter Offizier in Teheran. Doch auch das Horrorszenario sei nicht auszuschließen: dass die Raketen nicht nur funktionieren, sondern auch mit Atomsprengkopf eingesetzt werden könnten.

Die religiösen Führer im Land haben stets betont, dass der Einsatz von Massenvernichtungswaffen laut Islam verboten sei. Als der Irak am Ende des Krieges mit dem Iran (1980-88) Giftbomben einsetzte, habe Teheran dies nicht erwidert, betonen die Geistlichen. “Aber der Irak war ein muslimisches Land, Israel ist es nicht“, sagt der Offizier.

Ein israelischer Angriff hätte aber auch gute Seiten für das Establishment. “Präsident Mahmud Ahmadinedschad steckt derzeit in einer innenpolitischen und wirtschaftlichen Krise, ein israelischer Angriff würde ihn von allen Problemen befreien“, sagt ein regimekritischer Journalist in Teheran.

Vor den Parlamentswahlen im März muss Ahmadinedschad von allen Seiten Kritik einstecken. Seinem Umkreis wird sogar Unterschlagung von über 1,8 Milliarden Euro vorgeworfen, um den Wahlkampf seiner Fraktion zu finanzieren. “Wer würde bei einem israelischen Angriff noch von einem Bankenskandal reden“, argumentiert der Journalist.

Die Regierung von Ahmadinedschad wittert hinter den israelischen Drohungen - und vorher auch hinter den Vorwürfen einer iranischen Verwicklung in das Attentat auf den saudischen Botschafter in Washington - eine internationale Verschwörung des Westens. Angeführt von den beiden Erzfeinden Israel und USA solle Druck auf den Gottesstaat ausgeübt werden; über die Vereinten Nationen könnten neue Sanktionen durchgesetzt werden. Mit einer militärischen Option beschäftigt sich aber Teheran nicht ernsthaft.

Der Iran bestritt am Samstag, an einer Computersimulation für Atomsprengköpfe zu arbeiten. Diese Anschuldigungen seien haltlos, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi.

Dennoch wunderte sich der Sender Press TV in einem Bericht, warum der Leiter der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, vor seinem nächsten Bericht über das iranischen Atomprogramm unbedingt in die USA muss, um dort mit den Amerikanern zu sprechen. “Das sieht doch nach einem koordinierten Versuch des Westens aus, aus dem IAEA-Bericht ein anklagendes Manifest gegen den Iran zu machen“, sagte der iranische UN-Diplomat Ishahj Ale-Habib.

Präsident Ahmadinedschad jedoch zeigt sich gelassen und glaubt, den wahren Grund hinter den Drohungen zu kennen: “Den Imperialisten ist es bewusst, dass der Vormarsch des Irans nicht mehr zu stoppen ist und dessen Ideologie die Welt bald erobern wird.“

dpa

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