Frauenhandel, Antiquitätenschmuggel, Bankraub

IS: Die reichsten Terroristen der Geschichte

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Terror-Kalif Abu Bakr al-Baghdadi finanziert den „Islamischen Staat“ auch mit der Plünderung antiker Stätten wie Palmyra.

München - Der „Islamische Staat“ (IS) ist nicht nur die mächtigste, sondern auch die reichste Terrorgruppe der Welt. Die tz erklärt das Finanz­system des Terrors.

Die G 20, also die führenden Industrie- und Schwellenländer, waren sich beim Gipfel in der Türkei schnell einig beim Ziel, die Geldquellen des IS trocken zu legen. Aber in der Praxis gestaltet sich der Kampf gegen die Finanzierung der reichsten Terrorgruppe der Geschichte schwierig. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich deshalb gestern beim Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Michel Sapin unzufrieden: „Das muss schneller gehen!“ Die tz erklärt das Finanz­system des Terrors.

Welche Maßnahmen hat die Weltgemeinschaft zur finanziellen Austrocknung des IS getroffen?

Die für Geldwäsche zuständige internationale Arbeitsgruppe FATF („Financial Action Task Force on Money Laundering“) setzt auf das rasche Einfrieren von Vermögenswerten von Terroristen, zentrale Bankkontenregister, bessere Kontrollen im Kunsthandel sowie „Sorgfaltspflichten mit Hochrisikoländern“.

Wer sind diese Hochrisikoländer?

Nach einer aktuellen FATF-Übersicht für den G 20-Gipfel wurden seit 2010 die mit Abstand meisten Fälle von Terrorfinanzierung in Saudi-Arabien (863 Fälle) festgestellt. Dort gibt es nicht nur viele Privatpersonen, die dem Radikal-Islam des IS nahestehen. Auch die Regierung in Riad soll anfangs den IS unterstützt haben. Mittlerweile soll es unter internationalem Druck da eine Wende geben: Die saudi-arabische Zentralbank führt inzwischen verstärkt Bankenkontrollen mit Blick auf Terrorfinanzierung durch. Auf Platz zwei bei der IS-Finanzierung liegen die USA, wo es knapp 100 überführte Fälle gab, danach folgen die Türkei und Algerien.

Was ist die Haupteinnahmequelle des IS?

Öl! Der IS ist nicht mehr auf ausländische Geldquellen angewiesen, seit das Terror-Regime Erdölfelder im Irak und Syrien besetzen konnte. Dort befinden sich laut Bundesregierung Quellen mit mehr als 1,1 Milliarden Barrel des „schwarzen Goldes“. „Der größte Teil der IS-Ölproduktion dürfte für die Versorgung der eigenen Truppen und Gebiete verbraucht werden. Für den Export dürften im Höchstfall nur noch 10 000 Barrel pro Tag zur Verfügung stehen“, schätzt die Bundesregierung, die den Wert auf „höchstens 200 000 Dollar pro Tag“ beziffert. Russland warf der Türkei gestern vor, der „Hauptkonsument des geklauten Erdöls“ zu sein. Und: „Laut den verfügbaren Informationen ist die führende politische Klasse, darunter Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Familie, in diesen illegalen Handel verwickelt sein“. Erdogan wies den Vorwurf empört zurück.

Welche Einnahmequellen hat der IS noch?

Das „IS-Kalifat“ sieht sich als echter Staat – und treibt entsprechend Steuern ein. Die Bewohner müssen bis zu 15 Prozent ihres Einkommens als „Zakat“ (islamische Almosensteuer) abführen. Nicht-Muslime müssen weit mehr abgeben. So sollen pro Tag nach Geheimdiensterkenntnissen eine Million Dollar zusammenkommen. Frauen­handel und Lösegelder brachten dem IS einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Nach der Einnahme von Palmyra wurden die antiken Stätten nicht nur zerstört, sondern wertvolle Funde auch verhökert: Mit Antiquitätenhandel soll der IS einen dreistelligen Millionenbetrag kassiert haben.

Wieviel Geld hat der IS, wieviel gibt er aus? 

Die Bundesregierung schätzt, dass der IS bis zu zwei Milliarden Dollar besitzt. Allein 1,5 Milliarden Dollar stammen laut UN-Recherchen aus der Plünderung der Banken in den eroberten Städten in Syrien und im Irak. Für die Finanzierung seiner mindestens 30 000 Kämpfer, die im Monat bis zu 500 Dollar erhalten, braucht der IS rund 10 Millionen Dollar allein als Sold.

Wie funktionieren die Geldflüsse aus dem Ausland?

Geheimdienste haben ermittelt, dass der IS immer seltener traditionelle Banken nutzt, um seine Terroraktionen zu finanzieren. Denn der Bankensektor wird seit 2008 schärfer reguliert. Die Terroristen weichen zunehmend auf „virtuelle Währungen“ und elektronische Finanzströme aus. Solche Internet-Währungen wie der Bitcoin bieten Anonymität. Bei den Terroranschlägen vom 13. November in Paris sollen nach Angaben des französischen Finanzministeriums auch Prepaid-Bankkarten eine Rolle gespielt haben. Mit ihnen kann Bargeld anonym abgehoben werden. Die Regierung in Paris will deshalb die maximale Summe, die per Bankkarte auf Prepaid-Basis abgehoben werden kann, begrenzen.

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