Islam-Studenten sollen Schlüsselrolle bei Integration übernehmen

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In Tübingen wurde die erste Islamische Theologie eröffnet: Adnan Fetic (l.) während der Pressekonferenz

Tübingen - 24 junge Leute studieren am ersten deutschen Zentrum für islamische Theologie. Sie sollen einmal eine Schlüsselrolle bei der Integration von Muslimen übernehmen. Der Auftakt ist holprig.

Adnan Fetic weiß schon lange, dass er beruflich irgendwas machen will, was mit dem Islam zu tun hat. Imam zum Beispiel, wie sein Vater. Oder Religionslehrer. Vor allem aber will der 21-Jährige in Deutschland bleiben, wo er seit 14 Jahren lebt. Der gebürtige Bosnier ist einer der 24 Studenten, die in gut einer Woche in Tübingen am bundesweit ersten Zentrum für Islamische Theologie ihr Studium aufnehmen.

“In einem anderen Land und in einer anderen Sprache Theologie zu studieren, wäre für mich nicht infrage gekommen. Wenn man mit den jungen Muslimen in Deutschland arbeiten will, muss man auch hier studiert haben“, sagt Fetic.

Auf junge Leute wie ihn hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gehofft, als sie vor einem Jahr die insgesamt vier geplanten Islamzentren in Deutschland angeschoben hatte. Die vier Millionen Muslime in Deutschland sollen sich in der Gesellschaft heimisch fühlen, sagte sie am Freitag. Aber das geht nach Überzeugung vieler Experten nicht, wenn die Vorbeter in deutschen Moscheen vor allem aus der Türkei kommen, kein Deutsch sprechen und die westeuropäische Kultur nicht kennen.

“Wir brauchen Theologen, die ein besseres Gefühl für die Muslime haben, die in Deutschland leben“, findet auch Farina Stockamp. Die 21-jährige Tübinger Theologie-Studentin mit buntem Kopftuch, rosa Lippenstift und dunkel geschminkten Augenlidern ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Türkisch oder Arabisch spricht die gläubige Muslimin kaum. In vielen deutschen Moscheen sei das ein Problem, erzählt sie. “Wenn der Imam nicht auf Deutsch predigt, verstehe ich einfach nichts.“

Wenn Adnan Fetic und Farina Stockamp am 10. Oktober zum ersten Mal in ihre Vorlesungen gehen, dann beginnt eines der wichtigsten Integrationsprojekte in Deutschland. Zum ersten Mal werden dann muslimische Vorbeter in deutscher Sprache auf ihre Aufgaben in den Moscheen vorbereitet. Wie viele der Tübinger Studenten tatsächlich Imame werden, ist noch unklar. Die meisten werden später wohl als Religionslehrer arbeiten.

Es soll ein weltoffener Islam sein, der an der Universität Tübingen gelehrt wird, betont der bislang einzige Professor, Omar Hamdan. Eine Theologie, die sich mit der Lebenswelt der Muslime in Deutschland auseinandersetzt, sozialwissenschaftliche oder medienwissenschaftliche Erkenntnisse mit einbezieht.

Dass man dabei tatsächlich Neuland betritt, merkte die Hochschule schon bei der Suche nach Professoren. Bewerber gab es viele, aber den meisten fehlten entweder fachliche Qualifikationen oder sie sprachen kein Deutsch. Sechs Professoren für islamische Theologie soll es in einigen Jahren geben - einige von ihnen wird die Uni über Junior-Professuren und ein Graduierten-Kolleg selbst ausbilden.

dpa

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