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Islamunterricht: De Maizière mahnt zur Eile

Nürnberg - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Länder dazu aufgefordert, so schnell wie möglich islamischen Religionsunterricht als ordentliches Schulfach einzuführen.

“Es sollten dieses Jahr, spätestens aber nächstes Jahr entsprechende Vereinbarungen geschlossen werden“, sagte de Maizière am Montag in Nürnberg auf einer Tagung zum islamischen Religionsunterricht, zu der die Deutsche Islamkonferenz (DIK) geladen hatte. Es habe sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht genüge, Modellversuche oder Pilotprojekte zu gestalten, sondern dass es konkrete rechtliche Grundlagen brauche. “Es sollen je nach Land pragmatische Lösungen gesucht werden“, sagte der Innenminister.

Bei der Einführung des Islamunterrichts fehlt es den Ländern an Ansprechpartnern auf muslimischer Seite, die als Religionsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes anerkannt sind. Also müssen nach Ansicht von de Maiziére andere rechtliche Lösungen gefunden werden. Als Vorbild könne das an den Universitäten geplante Modell für das Fach islamische Theologie dienen: Um Islamzentren an den Hochschulen einzuführen, werden Beiräte aus verschiedenen islamischen Institutionen gebildet. “Dieses Beiratsmodell ist klug“, befand de Maizière. Vereinbarungen zum Religionsunterricht an Schulen seien ein Zwischenschritt zur Anerkennung islamischer Organisationen als Religionsgemeinschaften. Herrsche erst einmal rechtliche Klarheit, könne der Religionsunterricht Schritt für Schritt eingeführt werden. Schließlich müssten auch noch geeignete Lehrkräfte “ausgebildet oder umgeschult“ werden, ergänzte der Innenminister.

Politischen Streit in den Länderregierungen erwartet de Mazière nicht: “Die Bereitschaft aller Parteien, hier zu einem Ergebnis zu kommen, ist sehr groß.“ Mehrere Bundesländer erproben schon länger Islamunterricht an den Schulen. In Bayern wird islamischer Religionsunterricht an mehr als 250 Schulen angeboten. Das Kultusministerium orientiert sich dabei am sogenannten Erlanger Modell. In der mittelfränkischen Stadt wurde im Schuljahr 2003/2004 erstmals konfessioneller Islamunterricht in einer Grundschule erteilt. Für diesen Schulversuch war eigens eine lokale Islamische Religionsgemeinschaft Erlangen (IRE) gegründet worden. Der Lehrplan entstand in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Islamische Religionslehre (IZIR) der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort entwickelten Wissenschaftler auch das Schulbuch “Saphir“, die erste deutschsprachige Unterrichtsreihe für den islamischen Religionsunterricht.

dpa

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