ARD-Talk

Todenhöfer bei Jauch: So erledigen wir den IS

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Jürgen Todenhöfer war am Sonntag Gast bei Günther Jauch.

München - Am Sonntagabend diskutierten Experten bei Günther Jauch im ARD-Talk über die Terrorgefahr in Deutschland. Unter den Gästen: Jürgen Todenhöfer.

Update vom 4. Dezember: Ein Friedenslied von Xavier Naidoo, veröffentlich von Jürgen Todenhöfer. Klingt ungewöhnlich - ist es auch.

Der Terror beherrscht seit Freitag, 13. November, Europa. Bei den brutalen Anschlägen in Paris starben mindestens 130 Menschen, wegen Terrorgefahr musste am Dienstag das Länderspiel Deutschland gegen Niederlande abgesagt werden. Doch wie stark ist die Bundesrepublik vom Terror bedroht? Das diskutierten am Sonntagabend Experten bei Günther Jauch. Das Thema: "Terrorziel Deutschland - wie groß ist die Gefahr?"

Ins Studio lud der Moderator den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, Welt-Herausgeber Stefan Aust, Sonia Seymour Mikich (Chefredakteurin des Westdeutschen Rundfunks) und Publizist Jürgen Todenhöfer, der im November 2014 als erster westlicher Journalist in das vom Islamischen Staat (IS) kontrollierte Gebiet reiste und zehn Tage mit den Extremisten verbrachte.

Todenhöfer stellte schon zu Beginn der Sendung klar: "Wir sollten keine Angst haben, weil wir sonst in die Falle des IS tappen." Er selbst sehe eine deutlich höhere Bedrohung für Frankreich, für Großbritannien und die USA. "Frankreich hat eine grauenvolle Vergangenheit im Nahen Osten", erzählte der Autor des Buches „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat“. "Ich habe ein Stück Hoffnung, dass Deutschland bei Weitem nicht so bedroht ist."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann konnte den Worten Todenhöfers nicht sehr viel abgewinnen. Man dürfe sich die Situation nicht schönreden, nur weil die Bedrohung für die anderen Staaten höher sei als für die Bundesrepublik. "Es gibt auch bei uns mehrere Hundert Gefährder, die wir als höchst gefährlich einschätzen. Und auch diese Hunderte können noch genügend Unheil anrichten."

Todenhöfer bei Jauch: Haben wir den Terror selbst gezüchtet?

Der Ursprung des Übels, so Todenhöfer, sei seiner Meinung nach auch in der bereits vergangenen Anti-Terror-Politik des Westens zu suchen, zum Beispiel in den militärischen Reaktionen der USA nach dem 11. September. "Ich frage mich, ob wir diesen Terror selbst gezüchtet haben", so der 75-Jährige. Auch deshalb bezweifele er, dass die Luftangriffe, die nun auch von Frankreich geflogen werden, die optimale Lösung seien. "Hollande hat Kinder getötet. Ist nicht auch unsere Politik falsch?"

An diesem Punkt stellte Günther Jauch die Frage, was denn produktiv sei im Kampf gegen den IS. Todenhöfer zählte drei Punkte auf: Als erstes müsse der Waffenexport aus Saudi-Arabien an Terroristen in Syrien gestoppt werden. Zweitens müsse die Grenze zwischen der Türkei und dem IS dicht gemacht werden, denn täglich würden hier 200 neue Kämpfer den Weg gen Westen finden. Drittens: "Der IS bedient sich im Irak und in Syrien an Bevölkerungsgruppen, die unterdrückt werden. Wenn wir es durch diplomatische Anstrengungen schaffen würden, dass es dort eine nationale Aussöhnung gäbe, wäre der IS erledigt."

+++ Jürgen Todenhöfer im Interview +++

Einmal mehr betonte Todenhöfer, dass es der Traum des IS sei, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA in einen Krieg am Boden zu verwickeln. "Sie wollen kämpfen. Sie wollen sterben." Auch deshalb würden sie gezielt Amerikaner hinrichten. Reine Provokation. "Sie wollen endlich ihren eingebildeten Endkampf kämpfen."

mes

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