Strafprozess gegen Julia Timoschenko vertagt

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Julia Timoschenkos Anwälte verlangen, das umstrittene Verfahren einzustellen.

Kiew - Für den Verteidiger Timoschenkos ist es eine politische Entscheidung: Ein neuer Prozess gegen die Oppositionsführerin wird vertagt. Erst kurz vor dem Ende der Fußball-EM in der Ukraine soll es weitergehen.

Ein umstrittener zweiter Strafprozess gegen die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko soll erst kurz vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft fortgesetzt werden. Ein Gericht in Charkow vertagte die Verhandlung am Montag in Abwesenheit der 51-Jährigen auf den 25. Juni. Das Endspiel der Fußball-EM findet am 1. Juli in Kiew statt. Timoschenko, der zwölf weitere Jahre Haft drohen, hat ein Bandscheibenleiden und befindet sich in einem Krankenhaus.

Lange Haftstrafe: Julia Timoschenko im Porträt

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In Charkow, einem der ukrainischen EM-Spielorte, traf unterdessen die Physiotherapeutin Anett Reißhauer von der Berliner Charité ein. Sie soll die Behandlung Timoschenkos fortsetzen.

Die Erkrankung der Oppositionsführerin mache eine Verhandlung wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung in Millionenhöhe unmöglich, sagte Richter Konstantin Sadowski. Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko vermutet politische Gründe hinter der Verschiebung. Die Justiz des Landes wolle eine Sitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zur Ukraine abwarten, sagte Wlassenko. Die Staatsanwaltschaft wies dies zurück.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon warf der Ukraine vor, auf Zeit zu spielen. Die Justiz habe ihr anders als versprochen ein Treffen mit Timoschenko nicht ermöglicht, sagte von Cramon nach einem Besuch in Charkow der Nachrichtenagentur dpa. “Was die Ukraine sagt, stimmt nicht mit ihrem Handeln überein.“ Zudem mahnte die Abgeordnete, weitere inhaftierte Oppositionspolitiker nicht zu vergessen.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten etwa 200 Anhänger Timoschenkos. Die aktuellen Vorwürfe gegen die Politikerin stammen aus den 1990er Jahren, als sie Chefin eines Energiekonzerns war. Ihre Anwälte fordern, das international umstrittene Verfahren einzustellen. Beobachter nennen den Prozess politisch motiviert.

dpa

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