tz erklärt, wie es weitergeht

Kahlschlag bei der HypoVereinsbank

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Eine Filiale der HypoVereinsbank im Münchner Stadtteil Haidhausen.

München - 240 Filialen müssen schließen, 1500 Stellen stehen auf dem Spiel – 1200 davon in Bayern. Die tz erklärt, wie es jetzt bei der HypoVereinsbank weitergeht:

Diese Zahlen sind ein Schock für die Mitarbeiter und Kunden der HypoVereinsbank: 240 Filialen sollen dichtmachen, 1500 Stellen eingespart werden. 200 Stellen davon sollen in der Zentrale wegfallen, der Rest im Privatkundengeschäft. Weil immer mehr Menschen ihre täglichen Bankgeschäfte im Internet abwickeln, will die Bank jetzt das Filialnetz extrem ausdünnen. Außerdem muss das Institut sparen, weil durch die Niedrigzinsen der Gewinn in der Investmentsparte in den Keller gesackt ist. Die tz erklärt, wie es jetzt bei der HypoVereinsbank weitergeht:

  • Wie viele Filialen müssen schließen? Bis 2015 sollen 240 der noch rund 580 Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden. Allein in Bayern sollen 1200 Stellen wegfallen und 190 Filialen dichtmachen. „Das letzte Wort ist darüber aber noch nicht gesprochen“, gibt sich Gewerkschafter Klaus Grünewald gegenüber der tz kämpferisch. Bisher sei lediglich von Planzahlen die Rede, Konkretes sei nicht vor Ende September zu erwarten.
  • Was passiert als Nächstes? „Jetzt werden die Pläne mit den Betriebsräten vor Ort konkretisiert“, erklärt Grünewald, der selbst auch im Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank sitzt. Auf kleinster Ebene wird also über die Zukunft der Filialen und ihrer Mitarbeiter gestritten. „Wir werden zunächst mit den lokalen Führungskräften sprechen und über sie die Betriebsräte informieren“, erklärt Hypo-Sprecherin Birgit Zabel das Verfahren.
  • Drohen betriebsbedingte Kündigungen? Der Vorstand der HypoVereinsbank beteuert, dass es nicht dazu kommen soll. Gewerkschafter Grünewald ist skeptisch: „Es geht um massive Kürzungen in einem eng umrissenen Teil der Bank. Wenn 30 Prozent des Privatkundenbereichs in kurzer Zeit gestrichen werden soll, dann fehlt mir die Fantasie, wie das ohne betriebsbedingte Kündigungen funktionieren soll.“ Die Bank selber hatte angekündigt, sie wolle pro Jahr mindestens 200 Mitarbeiter auf freie Stellen innerhalb des Instituts vermitteln.
  • Zieht sich die HypoVereinsbank jetzt völlig aus der Fläche zurück? Nein, beteuert der Vorstand. Für 85 Prozent der Kunden solle sich der Weg zur nächsten Filiale „nicht oder kaum erhöhen“. Maximal fünf Kilometer weit sollen sie künftig zur nächsten HVB zurücklegen müssen. „Diesen Abstand können sie vielleicht in München einhalten“, wundert sich Grünewald. „Aber auf dem Land ist das bei Filialschließungen in dem vorgesehen Ausmaß kaum möglich.“ Schon heute gebe es Kunden, für die die nächste Filiale ihrer Bank weiter als fünf Kilometer entfernt sei.
  • Welche Alternativen bietet die Bank ihren Kunden? Die HypoVereinsbank will sich künftig stärker auf eine wohlhabende Klientel konzentrieren. Dabei setzt die Bank auf Online-Banking und Video-Beratung. Diese könne, laut Banksprecherin Zabel, auch aus Vietnam oder anderem Ausland angeboten werden.

Gehen Sie noch in Ihre Bank-Filiale?

Beratung ist mir wichtig: Filialschließung heißt Personalabbau, da gehen Arbeitsplätze verloren. Ich bin oft am Schalter, weil mir der persönliche Kontakt sehr wichtig ist. Die Leute hier beraten mich immer sehr gut. Es wäre schade,wenn auch Filialen in der Türkei geschlossen werden. HATICE ÖZSIMITICI (46), ERZIEHERIN AUS MÜNCHEN

Online unsicher: Ich wohne direkt ums Eck und komme alle paar Tage her. Hier ist das Personal vielsprachig, das ist gerade für Ausländer wichtig. Online-Banking ist unsicher und zu kompliziert. Viele alte Leute haben damit Probleme. Der Computer spricht ja nicht mit uns. HASAN HATIPOGLU (69), RENTNER AUS MÜNCHEN

Bisher sehr zufrieden: Ich bin seit 1970 Kundin bei der Hypo und war bisher sehr zufrieden. Meine Bank in Germering ist die letzten Jahre aber immer weiter weggezogen. Wenn die jetzt auch noch schließen sollte, werde ich die Bank wechseln. In meinem Alter ist der weite Weg sehr anstrengend. Online-Banking nutze ich nicht. URSULA SCHWARZ (81), RENTNERIN AUS GERMERING

Will Bank wechseln: Ich komme oft hierher, weil es genau auf meinem Weg liegt. Eine Schließung fände ich nicht gut. Es gibt eh schon immer weniger Hypo-Filialen, überall ist nur noch die Sparkasse. Wahrscheinlich werde ich auch dahin wechseln. Online-Banking nutze ich nicht. Da wird oft betrogen. MONIKA BOSNJAK (23), VERKÄUFERIN AUS MÜNCHEN

Marc Kniekamp

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