Kann Ude die CSU schlagen?

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OB Christian Ude 

München - Christian Ude als bayerischer Spitzenkandiat der SPD für die Landtagswahl 2013: Wäre das ein gelungener Schachzug? Ein Wahlforscher anylsiert Udes Chancen.

Noch ein Jahr Zeit wollte sich die Bayern-SPD lassen, bis sie ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013 benennt. Doch jetzt geben die Roten Gas: „Wir werden im Herbst das Gespräch mit Christian Ude führen und den Fahrplan festlegen“, verkündete Fraktionschef Markus Rinderspacher gestern. Denn immer mehr Genossen sprechen sich für den 64-Jährigen aus, damit er die herrschenden Schwarzen ärgert.

Auch Renate Schmidt, die 1994 für die SPD das letzte 30-Prozent-Ergebnis errang, ist für Ude: „Es ginge endlich wieder aufwärts“, sagte sie der tz. Als beliebtester SPD-Politiker in Bayern hätte der Münchner Oberbürgermeister auch in Franken und außerhalb der Großstädte gute Chancen auf gute Wahlergebnisse. Er könne mit Horst Seehofer (CSU) einen „nicht sonderlich beliebten Ministerpräsidenten ablösen“. Schmidt fordert Ude auf, ihrer Strategie von einst zu folgen: „Ich habe drei Jahre vor den Wahlen gesagt: ,Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden!‘ und mich dann auf eine Dauerreise durch Bayern begeben.“

Ude will, die SPD will ihn – aber wollen auch die Bayern Ude? Im tz-Interview zeigt sich Dr. Helmut Jung, dessen GMS-Institut auch für die Staatskanzlei regelmäßig die politische Stimmung im Freistaat untersucht, skeptisch:

Christian Ude als bayerischer Spitzenkandiat der SPD für die Landtagswahl 2013: Wäre das ein gelungener Schachzug?

Dr. Helmut Jung: Er ist sicherlich ein hochpopulärer und auch über die Grenzen Oberbayerns hinweg bekannter Mann. Doch wie berühmte Schauspieler auch auf bestimmte Rollen festgelegt sind, ist Christian Ude nach jetzt 18 Jahren im Amt auf die Rolle des Münchner Oberbürgermeisters festgelegt – auch wenn er es jetzt aufgibt. Es ist nicht gesagt, dass ein altes Zugpferd vor einem neuen Karren auch die Wähler mitnimmt.

Im tz-Interview hatte Ude kritisiert, die SPD präsentiere sich in Bayern gerne weit links. Könnte er mit einem konservativeren Profil die CSU ärgern?

Jung: Ich konnte bisher nicht feststellen, dass die politische Gesäßbeurteilung für die SPD-Wahlergebnisse verantwortlich war. Sie wird vom Wähler schlichtweg als zu wenig politisch präsent wahrgenommen – wenn man von der Kommunalpolitik absieht. Und das hat mit den Kandidaten auf Landesebene zu tun. Dass die SPD 1993 mit 30 Prozent bessere Zeiten erlebte, lag an Renate Schmidt.

Wie groß wäre das SPD-Potential mit Christian Ude?

Jung: Das ist überhaupt nicht abschätzbar. Ude kann zum Rohrkrepierer werden, weil er par excellence zurerst ein Stadt-Münchner und dann ein Oberbayer ist und so wahrgenommen wird. Deshalb ist die Reaktion der Franken hier nicht berechenbar. Es gibt bei einem Land wie Bayern das Problem, dass sich die Landsmannschaften ausgewogen repräsentiert sehen möchten, weshalb die CSU auch so sehr auf ihren Regionalproporz achtet.

Ude wird im Landtagswahljahr 66 Jahre alt. Wie entscheidend wäre das für eine erste Kandidatur?

Jung: Das ist ein problematischer Punkt, zumal sich Christian Ude de facto schon in München für die Wähler aus der Politik verabschiedet hat. Es würde für ihn schon schwer vermittelbar, warum er in diesem Alter dann eine noch umfassendere Aufgabe in einem noch höheren Amt anstrebt.

Also sollte die SPD dann doch wieder zu ihrem Landeschef Florian Pronold greifen?

Jung: Wer ist Florian Pronold? Aber auch Fraktionschef Markus Rinderspacher ist ein No-Name. Um sich bekannt zu machen, muss man etwas Politisches vorweisen, Streitpunkte präsentieren, um eine glaubhaftere Alternative zur CSU zu bieten. Das SPD-Thema Bildung ist zwar immer ein Aufregerthema, wenn es etwa um den Lehrermangel geht. Doch gleichzeitig ist die Zufriedenheit der Bürger in Bayern hier noch zu groß. Und es interessiert auch nur die Betroffenen, die schulpflichtige Kinder haben.

Interview: W. Schneeweiß

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