Klimawandel: Röttgen fordert rasches Handeln

+
Umweltminister Norbert Röttgen kämpft gegen die globale Klimaerwärmung.

Berlin - Nach den ersten Verhandlungstagen auf der Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban haben Politiker und Umweltorganisationen mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel angemahnt.

Ohne rasches Handeln sei die globale Klimaerwärmung in absehbarer Zeit nicht mehr unter Kontrolle zu halten, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Freitag der Deutschen Welle. Nach einer vom Umweltministerium veröffentlichten Studie ist Deutschland bei der Erfüllung der eigenen Klimaziele auf einem guten Weg.

Klimakiller ade - die besten Tipps zum Senken der Treibhausgase

Klimakiller
Einer der größten Klimakiller ist: die Kuh. Sie produziert zwar kein Kohlenstoffdioxid, dafür aber Unmengen von Methan. Und dieses Gas ist 23mal stärker als Kohlendioxid. © dpa
Klimakiller
Ein Kilogramm Milch hat deshalb laut Greenpeace einen Treibhauseffekt von 7 Autokilometern. Das bedeutet, dass die Herstellung von einem Kilogramm Milch genauso viele Treibhausgase erzeugt wie eine 7 Kilometer lange Fahrt mit einem BMW Modell 118d. Auch das Fleisch der Milchkuh ist nicht ohne: ein Kilogramm hat den Effekt von 51 Autokilometern. © dpa
Klimakiller
Ein Kilo Käse ist noch umweltschädlicher: dessen Effekt lässt sich mit 71 Autokilometern vergleichen. © dpa
Klimakiller
Am umweltschädlichsten ist jedoch das Fleisch aus Ochsenmast: In einem Kilogramm Rindfleisch aus konventioneller Erzeugung stecken genauso viele Klimakiller wie in einer 70 Kilometer langen Fahrt mit dem BMW. Und, Überraschung: Rindfleisch aus Bioerzeugung ist sogar noch schädlicher. Darin stecken laut Greenpeace so viele Gase wie in 113 Autokilometern: 11,3 Kilogramm Kohlendioxid in einem Kilo Bio-Rindfleisch. © dpa
Klimakiller
Ein Hähnchenfilet ist da die umweltfreundliche Alternative: Es sind nur 3,5 Kilogramm in einem Kilo Geflügel versteckt.  © dpa
Klimakiller
Sogar Schweinefleisch ist klimabekömmlicher als das Rindersteak: Ein Kilo entspricht lediglich 26 Autokilometern, beziehungsweise 3,3 Kilo Kohlenstoffdioxid. © dpa
Klimakiller
Da lohnt es sich, ein wenig Brot zu essen: In Winterweizen steckt laut Greenpeace wenig Umweltbelastung. Lediglich 3,4 Autokilometer stecken in einem Kilogramm konventionell angebauten Weizen, 1,5 Kilometer im Bioweizen. © dpa
Klimakiller
Obst und Gemüse sind wieder eine andere Sache: Hier kommt es darauf an, woher das Grünzeug stammt. © dpa
Klimakiller
Der Apfel aus Neuseeland belastet die Umwelt bei uns stark - egal, ob aus Bio- oder aus konventionellem Anbau. Der Apfel aus der Region ist durch den kurzen Transportweg ungleich klimafreundlicher. © dpa
Klimakiller
Besser als frisch geliefert aus fernen Ländern ist demnach tiefgekültes Gemüse. Bei Konservenware kommt es darauf an, worin sie aufbewahrt wird - denn bei Einweggläsern stecken stolze 38 Prozent der gesamten Kohlenstoffdioxid-Emmissionen in dem Glas. Bei Dosen-Mais sind mit 105 Gramm je Kilo ledigliche ein Fünftel der Klimagase in der Verpackung. © dpa
Klimakiller
Reis setzt dagegen beim Anbau eine Menge des umweltschädlichen Methans frei - und ist damit sogar laut Greenpeace klimafeindlicher als Fleisch - im ungünstigsten Fall. Bessere Alternativen: Nudeln und Kartoffeln. © dpa
Klimakiller
Um ein Kilo Kaffee herzustellen, werden 0,3 Kilowattstunden Energie verbraucht - noch ohne das Trocknen, Rösten und Sortieren der Bohnen. Hier kann aber bei der Zubereitung gespart werden: Statt der elektrischen Kaffeemaschine einfach das Wasser manuell durch den Filter gießen. Noch klimafreundlicher, sagt die Internetplatform utopia.de, sei Wein... Allerdings taugt der nichts als Wachmacher. © dpa
Klimakiller
Bei der Kleidung ist die Sache realtiv einfach: Je weiter das Stück um den Erdball reist, desto größer ist die Klimabelastung. Wenn ein T-Shirt beispielsweise von den USA über China bis nach Deutschland transportiert wird, dann stecken in dem Stoff zwischen sechs und sieben Kilogramm Kohlenstoffdioxid. In Bio-T-Shirts sind dagegen nur noch ein Siebtel der Belastung versteckt. Der umweltfreundlichste Kleiderkauf: gebrauchte Ware aus Second-Hand-Shops. © dpa
Klimakiller
Bei der Wäsche muss die Temperatur heruntergedreht werden - bei 40 Grad werden die Kohlendioxid-Emmissionen im Vergleich zur 60-Grad-Wäsche um zwei Drittel gesenkt. © dpa
Klimakiller
Auch beim Kochen kann man sparen: Wer etwa Wasser heiß machen will, benutzt besser den Wasserkocher als den Elektroherd. Der Herd verbraucht für das Aufheizen von 1,5 Litern 170 Gramm Kohlenstoffdioxid, der Wasserkocher nur 100 Gramm. © dpa
Klimakiller
CDs werden auch schlecht beurteilt: Eine Scheibe verbraucht für die Produktion und den Transport ein Kilogramm Kohlendioxid. Alternative: Musik aus dem Internet herunterladen - und natürlich nicht auf CD brennen... © dpa
Klimakiller
Auch Computer verbrauchen viel zu viel Strom - bei einer Suchanfrage bei Google wird soviel Strom verbraucht, dass eine Energiesparlampe rund eine Stunde brennen könnte. Die Alternativen sind Such-Websites wie forestle.org oder znout.org, denn deren Betreiber behaupten zumindest, die Gewinne in Klimaschutzprojekte zu stecken. © dpa
Klimakiller
Das Standby der vielen Elektrogeräte im Haushalt - ein altbekanntes Problem. Im Jahr macht das pro Gerät je nach Strommix bis zu 50 Kilo Kohlenstoffdioxid. Die einzig wahre Alternative heißt also: Steckdosenleiste mit Schalter kaufen  - oder Ausstecken.   © dpa
Klimakiller
Der größte Schreck: Das geliebte Haustier ist der absolute Klimakiller. Die Autoren des Buches "Time to eat the dog?" haben festgestellt, dass ein mittelgroßer Hund im Jahr 164 Kilo Fleisch und 95 Kilo Getreide frisst. Eine Katze ist mit 2200 Kilo Kohlenstoffdioxid-Ausstoß so klimafeindlich wie ein VW Golf. Die Lösung? Tja, das muss jeder selber wissen. Die Autoren empfehlen: Hasen kaufen, mit Bioabfällen füttern und dann schnell auf den Teller bringen. Geschmackssache. © dpa

Wie aus der Studie mehrerer Forschungsinstitute weiter hervorgeht, werden die Treibhausgasemissionen bis 2020 um rund 35 Prozent sinken. Das selbstgesteckte Ziel, die klimaschädlichen Gase um 40 Prozent zu drosseln, sei “ohne große Schwierigkeiten“ machbar, teilte das Bundesumweltministerium mit.

Röttgen stellte für das kommende Jahr mehrere Gesetzesinitiativen in Aussicht - unter anderem zu Energieeffizienz und Emissionshandel. “Die Energiewende hat gerade erst begonnen“, versicherte der CDU-Politiker. Mit den geplanten weiteren Schritten “liegen wir bei den Umsetzungen der Maßnahmen, die wir im Energiekonzept beschlossen haben, voll im Plan“. In der Deutschen Welle sagte der Minister: “Es wird besonders auf uns geschaut.“ Das deutsche Wort habe Gewicht, “weil wir glaubwürdig sind“.

Edenhofer sieht Verhandlungen in der Sackgasse

Entwicklungsorganisationen haben sich in der Vergangenheit immer wieder skeptisch hinsichtlich des Engagements Deutschlands bei der Klimafinanzierung geäußert. Am Freitag starteten die drei Entwicklungsorganisationen “Brot für die Welt“, Germanwatch und Oxfam gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung eine Website, die die finanziellen Hilfen Deutschlands für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern analysiert.

Die Internet-Seite zeige, dass Deutschland eine ganze Reihe von Finanzierungsinstrumenten aufgelegt habe und sich auch innovativer Mittel wie Emissionshandelserlöse bediene, sagte der entwicklungspolitische Beauftragte von “Brot für die Welt“, Thomas Hirsch. Dies sei zu begrüßen. Zugleich fügte er hinzu: “Es wird aber deutlich, dass die Mittel noch weit hinter den Zusagen zurückbleiben und noch keine kohärente Gesamtstrategie erkennbar ist.“

Der Präsident des Naturschutzbund Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, bewertete die Verhandlungen in Durban unterdessen zurückhaltend. “Es gibt einzelne Verhandlungsfortschritte, aber es geht bislang nicht schnell genug“, sagte er. Sorgen bereite dem NABU die viel zu geringe Bereitschaft insbesondere der Industrieländer, ihre Klimaschutzziele auf das nötige Niveau anzuheben. “Die Klimaziele selbst müssen viel ehrgeiziger werden, da ist auch die EU gefordert“, verlangte Tschimpke.

Zweifel am großen Konferenzrahmen

Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer bekräftigte seine Forderung, den Teilnehmerkreis bei den Verhandlungen auf die größten Industrienationen und Schwellenländer (G 20) zu verkleinern. Die Konferenz sei in einer Sackgasse, sagte der Chefökonom und stellvertretende Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

Auch der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, plädierte dafür, gemeinsam mit anderen Staaten voranzugehen. “Auf den großen Durchbruch in den Verhandlungen sollten wir nicht mehr warten“, sagte Miersch. Vielmehr müsse in Zusammenarbeit mit progressiven Staaten eine Dynamik erzeugt werden, “die langfristige Veränderungen ermöglicht“.

dapd

Auch interessant

Meistgelesen

Landtagswahl in Bayern: Hält der Pakt von Söder und Seehofer? Geheim-Absprache wird öffentlich
Landtagswahl in Bayern: Hält der Pakt von Söder und Seehofer? Geheim-Absprache wird öffentlich
Schock nach Wahl-Fiasko: Nahles lässt ARD-Reporterin einfach stehen - die verteidigt die SPD-Frau
Schock nach Wahl-Fiasko: Nahles lässt ARD-Reporterin einfach stehen - die verteidigt die SPD-Frau
Hitlers Großneffe spricht über Merkel, Trump und ein bislang gehütetes Familiengeheimnis
Hitlers Großneffe spricht über Merkel, Trump und ein bislang gehütetes Familiengeheimnis
Vertrauliches Schreiben: Alle neuen Sturmgewehr-Modelle für Bundeswehr nicht geeignet
Vertrauliches Schreiben: Alle neuen Sturmgewehr-Modelle für Bundeswehr nicht geeignet

Kommentare