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Schönheits-Ops bei Jugendlichen

"Ausnahmen nur in Grenzfällen"

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Bis jetzt reicht die Einwilligung der Eltern für eine Schönheits-OP bei Jugendlichen .

Berlin - Union und SPD wollen einen neuen Versuch starten, um medizinisch nicht begründete Schönheits-Operationen bei Minderjährigen zu verbieten. Im tz-Interview äußert sich Prof. Christian Pestalozza.

Ist es möglich, das Verbot von Schönheits-OPs für Jugendliche gesetzlich zu regeln? FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr lehnte das 2012 aus verfassungsrechtlichen Gründen ab.

Prof. Christian Pestalozza, Verfassungsrechtler, FU Berlin: Das Bundesverfassungsgericht würde mit einem solchen Vorhaben stark sympathisieren. Es hat bei anderer Gelegenheit herausgestellt, dass ihm der Schutz der Jugend besonders am Herzen liegt. Man müsste Herrn Bahr fragen, worauf er seine verfassungsrechtlichen Bedenken stützt. Ich kenne dieses Vorgehen der FDP: Wenn man nicht will, dass die Lobby leidet, die man auf seiner Seite sieht, wird das Verfassungsrecht angeführt – ganz vage und ohne nähere Argumentation. Herr Rösler hat sich als Gesundheitsminister auf diese Weise gegen die Einschränkung von Tabakwerbung auf Großplakaten gewandt.

Welche Arten plastischer OPs sollten für Minderjährige untersagt werden? 

Pestalozza: Alle, die nicht medizinisch notwendig sind und bei denen es nur um Fragen der Schönheit geht. Es gibt Missbildungen und Verunstaltungen, die zwar nicht zu organischen, aber zu einem psychischen Leiden führen. Die Gemeinschaft kann brutal sein, indem sie Menschen aussondert. Kinder stellen andere Kinder ins Abseits, weil sie einen äußerlich wahrnehmbaren „Fehler“ haben, Da gibt es Grenzbereiche, in denen man eventuell Ausnahmen machen sollte – mit Zustimmung der Eltern.

Wie würden Sie als Vater reagieren, wenn sich ein minderjähriges Kind eine Schönheits-OP wünschen würde? 

Prof. Christian Pestalozza

Pestalozza: Ich würde als Erstes einwenden, dass vieles, was in einem bestimmten Alter vielleicht misslungen aussieht, sich noch auswächst und verändert. Allein deswegen würde ich als Elternteil nie meine Zustimmung geben. Außerdem: Was den Jugendlichen heute nicht gefällt, ist auch später noch reparabel. Wenn sie im Erwachsenenalter immer noch überzeugt sind, dass eine Korrektur vorgenommen werden muss, sollen sie das in eigener Verantwortung machen – wenn sie es zahlen können.

Für geplagte Eltern könnte ein gesetzliches Verbot eine Entlastung sein.

Pestalozza: Die betroffenen Eltern sind oft genervt, das kann ich mir schon vorstellen. Man kennt ja die Bitten der Jugendlichen, die unablässig vorgetragen werden, auch ohne Furcht vor unwilliger Reaktion. Insbesonders alleinerziehende Elternteile sind sicher manchmal überfordert und knicken vielleicht doch ein. Ein Grund für ein gesetzliches Verbot wäre das Mitleid mit diesen Erwachsenen natürlich nicht – aber ein angenehmer Begleiteffekt.

Die große Koalition will auch die Bezeichnung der kosmetischen Chirurgie definieren und die Berufsbezeichung schützen. 

Pestalozza: Das finde ich auch gut. Der Schutz macht aber nur dann Sinn, wenn die entsprechende Ausbildung verlangt wird. Es handelt sich um außerordentlich intensive Eingriffe in den Körper, da brauchen Sie Spezialisten-Know-how. Aus den Schadensfällen in dem Bereich können wir entnehmen, dass die notwendige Spezialausbildung nicht immer vorhanden ist. Reglementierungen dienen aber nicht nur zur Verstärkung der Fachkenntnisse und zur Verpflichtung dazu. In der Folge steigt das Vertrauen in diese Fachbereiche.

Da es diese Operationsangebote nun mal gibt...

Pestalozza:  Alternativ zur Reglementierung könnte man sich auch ein allgemein gültiges Verbot solcher Eingriffe vorstellen, also auch für Erwachsene. Da die Verfassung zu den meisten Themen schweigt, ist auch das meiste vorstellbar. Die Richter könnten also theoretisch sagen: Es ist verboten, einen Eingriff in seinen Körper vornehmen zu lassen, der nicht medizinisch indiziert ist. Das würde natürlich sehr weit gehen. Mir wäre es eben sympathisch, wenn wir uns so hinnehmen würden, wie wir sind.

Interview: Barbara Wimmer

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